Warum nach "Auffälligkeiten" Zigtausende Kreditkarten ausgetauscht werden, erläutert Ralf-Christoph Arnoldt, einer von Deutschlands obersten Bankenvertretern.
Bei einem Kreditkarten-Dienstleister in Spanien, der als sogenanntes Prozessor-Unternehmen den Zahlungsverkehr mit abwickelt, hat es offenbar ein Datenleck gegeben. Was genau geschehen ist - ob etwa tatsächlich Daten abhanden gekommen sind -, ist aber nach wie vor unklar.
Ralf-Christoph Arnoldt (© Foto: oH)
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Warum dennoch gleich Tausende Karten ausgetauscht werden, erläutert Ralf-Christoph Arnoldt, der Sprecher des Zentralen Kreditausschusses (ZKA). Im ZKA sind seit 1932 die fünf Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft zusammengeschlossen.
sueddeutsche.de: Mehr als 100.000 Kreditkarten sind von den Banken mittlerweile ausgetauscht worden. Warum passiert das jetzt?
Ralf-Christoph Arnoldt: Das ist im Prinzip kein ungewöhnlicher Vorgang. Die Organisationen, die den Kreditkarten-Zahlungsverkehr abwickeln, die sogenannten Prozessoren, bekommen bei Auffälligkeiten Warnmeldungen von den beiden Kartengesellschaften - gegebenenfalls mit der Empfehlung, einen Kartenaustausch vorzunehmen. In Spanien war allerdings der Prozessor selbst betroffen, insofern ist der Fall etwas anders gelagert. Dennoch: Es ging wie üblich eine Warnmeldung aus - anschließend lief der Kartenaustausch an.
sueddeutsche.de: Was sind solche "Auffälligkeiten"?
Arnoldt: Es kann sein, dass Schäden bereits eingetreten sind. Es kann aber auch ein Innentäter aufgeflogen sein, der beispielsweise Daten kopiert hat.
sueddeutsche.de: Welches Unternehmen in Spanien war betroffen?
Arnoldt: Der Name ist uns nicht bekannt. Über das, was in Spanien passiert ist, können auch wir höchstens spekulieren. Wir wissen nur, dass es ein Problem im System gab.
sueddeutsche.de: Warum ist noch nicht einmal der mächtigsten Bankenvertretung in Deutschland bekannt, was in Spanien passiert ist?
Arnoldt: Im letzten Detail müssen wir es auch nicht wissen. Wir müssen nur die entsprechenden Maßnahmen ergreifen können, um die Karteninhaber zu schützen. Und der Fall zeigt ja, dass die Betrugserkennungssysteme funktionieren.
sueddeutsche.de: Sind im Zusammenhang mit dem Fall in Spanien schon Schäden bekanntgeworden?
Arnoldt: Uns sind keine bekannt. Aber in den Medien wurden bereits Kunden genannt, die von einem Kreditkartenmissbrauch in Spanien betroffen waren. Jetzt muss man prüfen, ob es hier einen Zusammenhang mit der aktuellen Warnmeldung gibt. In jedem Fall lässt sich aber festhalten, dass es bislang keine große Schadenswelle gibt.
sueddeutsche.de: Ist die aktuelle Umtauschaktion der größte Fall dieser Art?
Arnoldt: Das kann ich nicht sagen, es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Zumindest ist es der Fall, der in den Medien die größte Aufmerksamkeit findet. Aber gemessen an mehr als 20 Millionen Karten, die in Deutschland im Umlauf sind, fällt die Zahl der ausgetauschten Karten nicht so sehr ins Gewicht.
sueddeutsche.de: Bisher sollen schon mehr als 100.000 Karten ausgetauscht worden sein. Noch aber haben nicht alle Institute Zahlen veröffentlicht. Werden wir am Ende bei 200.000 Karten liegen?
Arnoldt: Definitiv lässt sich das nicht sagen. Aber da alle Karten-Emittenten in gleicher Weise betroffen sind, lässt sich eine solche Zahl hochrechnen. Insofern will ich die von Ihnen genannte Zahl nicht dementieren.
sueddeutsche.de: Was kostet eine Umtauschaktion?
Arnoldt: Das Teuerste ist die Karte. Sie kostet in der Produktion vier bis fünf Euro.
sueddeutsche.de: Müssen auch die Pin-Nummern ausgetauscht werden?
Arnoldt: Nein. Die werden nicht geändert.
sueddeutsche.de: Werden wir in Zukunft häufiger solche Systemangriffe erleben?
Arnoldt: Natürlich ist es für Kriminelle wirtschaftlich attraktiver, viele Daten auf einmal abzugreifen als etwa die Daten einer Karte auszuspähen. Andererseits unterliegen die Prozessing-Gesellschaften sehr hohen Sicherheitsvorschriften. Auch in Spanien. Da machen die Kreditkartengesellschaften strenge Vorgaben.
sueddeutsche.de: Wenn Hacker es schaffen, in die Pentagon-Rechner einzudringen, sollte das auch bei den Kartengesellschaften möglich sein ...
Arnoldt: Sicher, unmöglich ist es nicht. Beide Seiten rüsten auf. Es wird immer ein Art Wettlauf bleiben.
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(sueddeutsche.de/mel/jja)
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Natürlich gibt es zu jeder neuen Karte eine neue PIN - jedenfalls war es bei unseren Karten so. Soviel zum Fachwissen der Interview-Partner.