Von Hannah Wilhelm

Wer zuschauen will, wie sein Sparschwein dicker wird, sollte bei Tages- und Festgeld genau die Angebote und Bedingungen vergleichen. Sichere Geldparkplätze bringen teilweise gut vier Prozent Zinsen.

Die Deutschen sind große Anhänger von Sparbuch, Tagesgeld und ähnlichen Produkten. Diese Anlageformen sind risikolos und lassen den Bürger ruhig schlafen. Das Grundprinzip der Zinsprodukte ist einfach: Der Sparer leiht der Bank Geld, dafür bekommt er eine Belohnung - den Zins. Doch es gibt einige feine Unterschiede, die Anleger kennen sollten.

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Als Kinder werfen die Deutschen Geld ins Sparschwein, später tragen sie es zu den Banken. Doch deren Angebote unterscheiden sich stark. (© Foto: dpa)

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Die Zinsen von Produkten wie Tages- und Festgeldkonten richten sich in der Regel nach dem Leitzins, den die Europäische Zentralbank (EZB) festlegt. Der Leitzins ist der Zinssatz, den Banken zahlen, wenn sie sich bei der EZB kurzfristig Geld leihen. Wenn sich die Banken also das Geld von den Verbrauchern leihen, müssen sie dabei idealerweise einen ähnlich hohen Zinssatz bieten.

Sparkonten kosten den Anleger in der Regel nichts. Trotzdem verdienen die Banken dabei, denn sie können das Geld gegen höhere Zinsen weiterverleihen oder mit dem Geld am Aktienmarkt Gewinne einfahren. Je weniger die Bank dem Kunden an Zinsen zahlt, desto mehr verdient sie dabei. Es ist also für Sparer wichtig, das richtige Produkt zu wählen.

Das Sparbuch ist zwar in Deutschland beliebt (siehe Interview rechts), aber deshalb noch lange nicht sinnvoll. "Anleger bekommen hier meist nur ein Prozent auf das Ersparte. Das gleicht nicht einmal die Inflation aus", warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, "das Geld verliert also auf dem Sparbuch an Wert." Neben dem geringen Zinssatz gibt es einen weiteren Nachteil: In der Regel sind nur 2000 Euro frei verfügbar. Sparer müssen drei Monate vorher kündigen, um höhere Summen abheben zu können. Ansonsten sind Vorschusszinsen fällig.

"Es gibt kaum gute Angebote. Eines ist das Sparkonto der BMW-Bank", sagt Horst Biallo, der auf seiner Website www.biallo.de die Konditionen der Institute vergleicht. Kunden bekommen bei der BMW-Bank 3,6 Prozent für ihr Geld, Neukunden in den ersten sechs Monaten sogar vier Prozent. Bedingung ist hier aber, dass das Konto online geführt wird. Ansonsten gibt es 2,75 Prozent. Das Prinzip gilt in der Regel bei allen Zinsprodukten: Der Zins ist höher, wenn das Konto online verwaltet wird. Denn dann hat die Bank weniger Verwaltungsaufwand.

Das Tagesgeldkonto ist die moderne Alternative zum Sparbuch: "Wir empfehlen wirklich allen, ihr Geld vom Sparbuch auf ein Tagesgeldkonto umzuschichten", sagt Verbraucherschützer Nauhauser, "es gibt nur Vorteile: Die Zinsen sind höher, und das gesamte Geld ist täglich verfügbar." Derzeit bekommen Kunden bei guten Angeboten bis zu 4,5 Prozent Zinsen (siehe Tabelle). Die Konten gibt es jedoch nicht bei allen Banken.

Auf dem Tagesgeldkonto sollte der Notgroschen liegen, also das Geld für unvorhergesehene Ausgaben wie die Reparatur der Waschmaschine. "Wer Geld für ein Auto ansparen möchte, kann dafür ebenfalls das Tagesgeldkonto nutzen", sagt Nauhauser, "es ist auch als Geldparkplatz geeignet." Auch für die langfristige Altersvorsorge kann das Konto genutzt werden - als Übergangslösung: "Anleger können hier den monatlichen Überschuss ansammeln, und wenn eine größere Summe zusammengekommen ist, diese etwa in Fonds investieren."

Einen Vergleich verschiedener Angebote finden Sparer im Internet, zum Beispiel auf www.biallo.de. Dabei ist es wichtig, nicht nur auf den Zins zu achten. Die Banken haben sich zahlreiche Nebenbedingungen ausgedacht, die den Vergleich erschweren: Manche Angebote gelten nur für Neukunden, andere verlangen Mindest- oder Höchsteinlagen. Angebote mit wenigen Ecken und Kanten bieten derzeit zum Beispiel die Privatbank Driver&Bengsch mit vier und die Mercedes-Benz-Bank mit 3,8 Prozent. Möglicher Nachteil von Tagesgeldkonten: Der Zins ist flexibel, die Bank kann ihn jederzeit (nach unten) anpassen.

Das Festgeldkonto bietet dagegen Zinssicherheit. Hier legt der Anleger für einen verabredeten Zeitraum Geld fest an und bekommt dafür einen Zinssatz zugesichert. Je länger die zeitliche Bindung, desto höher der Zins. "Steigt jedoch der Leitzins während der Laufzeit, kann der Anleger nicht davon profitieren", merkt Verbraucherschützer Nauhauser an. Ein großer Nachteil ist zudem die fehlende Flexibilität. Der Anleger kann während der Laufzeit nicht an das Geld. Meist lassen sich die Banken diesen Nachteil etwas kosten und zahlen zum Beispiel für ein Zwölf-Monats-Festgeld bis zu fünf Prozent und damit etwas mehr als für Tagesgeld. Anders als beim Tagesgeld lassen Banken beim Festgeld eher mit sich reden, wenn zum Beispiel der Kunde bei einer anderen Bank einen höheren Zinssatz angeboten bekommt. "Faire Konditionen bieten derzeit unter anderen die Parex Bank und die Augsburger Aktienbank", sagt Biallo.

"Vorsichtig müssen Anleger am Ende der Laufzeit sein", warnt Nauhauser, "Festgeld wird in der Regel automatisch um die gleiche Zeit verlängert, wenn der Anleger dem nicht widerspricht."

Rendite und Risiko aller Sparanlagen sind begrenzt. Mehr als den versprochenen Zins kann der Anleger nicht erwirtschaften, es gibt aber auch kein Risiko von Kursverlusten. Selbst für den Fall einer Bankpleite müssen sich die Kunden deutscher Institute keine Gedanken machen. Die meisten privaten Banken sind im Sicherungsfonds des Bankenverbands. Dort sind pro Kunde in der Regel Millionenbeträge abgesichert, bei der Deutschen Bank zum Beispiel mit 7,6 Millionen. Auch bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist das Ersparte sicher. Alle Institute stehen füreinander ein.

Viele Kreditinstitute, die besonders hohe Zinsen anbieten, kommen aber aus den Niederlanden, zum Beispiel die Credit Europe Bank. Im Nachbarland sind aber nur 20 000 Euro pro Person zu 100 Prozent und weitere 20 000 Euro zu 90 Prozent abgedeckt. Verbraucherschützer Nauhauser dazu: "Mehr als 20 000 Euro sollten dort besser nicht auf einem Tages- oder Festgeldkonto lagern."

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(SZ vom 2.2.2008/ihe)