Von Eike Schrimm

Fußball-Fans müssen nicht teuer im Hotel einchecken, denn in den zwölf WM-Städten offerieren Privatleute Unterkünfte: Von Designerwohnungen bis Gartenhäuschen, Etagen- bis Wasserbett ist alles dabei - ab 25 Euro die Nacht.

Deutschland macht Platz im eigenen Heim und bietet Fußball-Fans eine Unterkunft: Da geben Kinder ihre Zimmer her, andere klappen die Gäste-Couch aus, manche räumen sogar die ganze Wohnung und schlüpfen selbst bei Freunden unter. "Ein Nachbar hat uns auf die Idee gebracht. Wir stellen nun unsere Wohnung zur Verfügung. Bis zu fünf Personen haben so genügend Platz auf 115 Quadratmetern", sagt Bert van Beeck. Von seiner Altbauwohnung in Berlin-Charlottenburg gibt es eine direkte S-Bahn-Verbindung zum Stadion, der Kurfürstendamm ist zu Fuß nur zehn Minuten weit weg. Die schicke Wohnung mit hohen Decken, Flügeltüren, Stuck und Holzböden kostet 150 Euro pro Tag.

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300 Euro verrechnet Reinhard Vormittag für sein freistehendes Einfamilienhaus im nördlichen Münchner Stadtgebiet. Das hört sich teuer an, ist es aber nicht, denn in dem 250 Quadratmeter großem Haus finden bis zu 50 Fans eine Bleibe. "In zwei Zimmern können zehn Personen in Doppelbetten schlafen, in vier weiteren Zimmern haben wir Etagenbetten aufgestellt", sagt Vormittag. Und? Ist das Haus ausgebucht? Schließlich wird in München die WM eröffnet und es folgen noch weitere fünf Spiele in der neuen Arena. "Nein. Es haben bislang zwei Gruppen aus Deutschland, eine aus Russland, Japan und den USA angefragt", zwischenbilanziert Vormittag fünf Wochen vor dem Startschuss.

Etwa fünf Kilometer entfernt - im Münchner In-Viertel Maxvorstadt - liegt das Arbeitszimmer von Holger Britzius und seiner Freundin Karin Sohl. Eine Nacht darin kostet 25 Euro. "Wir wollen die WM zum Fest machen und gleichzeitig Menschen kennen lernen. Deshalb vermieten wir ein Zimmer - mit vollem Erfolg, denn wir sind ausgebucht", sagt Holger Britzius. Ihre Gäste reisen an aus Ostfriesland und Australien. Aber am neugierigsten sind die Gastgeber auf Abdullah: "Er stammt aus Kuwait, wohnt in Manchester, ist aber Fan von Saudi-Arabien."

Die 3er-WG in Essen hat ganz konkrete Vorstellungen von ihrem Gast. Gesucht wird ein 21- bis 30-jähriges "old stylish soccer-girl" in der richtigen Party-Laune. "Wir sind zwei Männer und eine Frau. Unsere Mitbewohnerin hat es schon schwer genug mit uns, deshalb wünscht sie sich weibliche Unterstützung. Uns dreien ist der Party-Aspekt sehr wichtig. Wir wollen zu viert die Spiele im Fernsehen ansehen, dabei grillen, anschließend losziehen und feiern", erklärt Christian Pohl. 20 Euro müsste die Besucherin zahlen für eine Übernachtung, gebucht hat aber noch keine. "Die Resonanz ist ok, könnte aber besser sein. Denn Essen liegt doch nicht schlecht. Von hier aus kommt man schnell ins Kölner, Dortmunder und Gelsenkirchener Stadion", sagt Pohl.

Die privaten Vermieter von WM-Zimmern unterscheiden sich sehr von professionellen Vermietern und Maklern. Als wahre Gastgeber geben sie mal einen Begrüßungs-Prosecco aus, mal ein Weißwurst-Frühstück. Oft stellen sie nicht nur ihre Zimmer in der Anzeige vor, sondern veröffentlichen auch einen lachenden Schnappschuss von sich selbst. Schließlich wohnt man für eine gewisse Zeit zusammen und da spielt Sympathie eine große Rolle. Andere Anbieter heben sich mit Worten hervor. Wie Käthe Billert. Sie gibt ihrer Anzeige den Titel: "Einen Koffer in Berlin bei einer rheinländischen Seele". Natürlich ist es simpel, mit den Worten von Marlene Dietrich zu werben, aber sie vermietet eben nicht einfach nur ein "helles, ruhiges Zimmer im Zentrum", sie vermietet ein Stückchen Zuhause.

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(sueddeutsche.de)