Zentralbank mit billigen Krediten gegen Krise Banken holen sich 489.200.000.000 Euro von EZB

Ein Angebot, das viele Banker nicht ablehnen konnten: Um frisches Blut in den Kreislauf der Wirtschaft zu pumpen, stellte die Europäische Zentralbank den Banken der Euro-Zone unbegrenzte Liquidität zur Verfügung. Die Institute haben das Geld dringend nötig. Sie holen sich zum Start der Aktion fast eine halbe Billion Euro.

Krise ist, wenn selbst die Banken nicht mehr an Geld kommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hilft angeschlagenen europäischen Banken jetzt, indem sie ihnen unbeschränkte Liquidität für bis zu drei Jahre fast kostenlos zur Verfügung stellt. Viele Banker griffen zu.

Am Mittwoch riefen 523 Banken insgesamt bereits etwa 489 Milliarden Euro aus der erstmals aufgelegten Kreditlinie ab. Im Vorfeld hatten Experten im Schnitt nur mit einer Nachfrage in Höhe von 310 Milliarden Euro gerechnet. Die Banken bereiten sich auf eine gigantische Refinanzierungswelle im kommenden Jahr vor, da 725 Milliarden Euro ihrer Schulden auslaufen und zurückgezahlt oder verlängert werden müssen.

Die EZB ermöglicht es den Banken, sich für ein Prozent Zinsen so viel Geld zu leihen, wie sie wollen. Dafür sollen sie Sicherheiten hinterlegen. Teilweise können sie dafür jedoch Papiere nutzen, die sonst kaum einer am Markt haben will - außer der EZB, die in der Krise auch problematischere Papiere wie Staatsanleihen akzeptiert. Der Zinssatz von einem Prozent wird dabei automatisch für bis zu 1134 Tage festgeschrieben. Nach einem Jahr können die Banken den Kredit ablösen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie das tun, wenn dann der Zins nicht unter einem Prozent liegt.

Eine weitere Hoffnung der Zentralbank dürfte sein, dass die Banken das von ihr billig verliehene Geld nutzen, um damit Staatsanleihen zu kaufen, die wesentlich mehr als ein Prozent Gewinn abwerfen.

Kritiker halten dies ohnehin für unerlaubte Schuldenfinanzierung von Staaten: Die EZB, die direkt keine Staatsanleihen kaufen darf - dies aber seit 2010 auf dem Sekundärmarkt tut, sie also Banken abkauft - würde so die Institute wieder flüssig machen, um Staatspapiere zu kaufen und so die Regierungen wieder zu finanzieren. Doch ob die Banken das mit dem billig geliehenen Geld überhaupt machen wollen, ist nicht sicher. Das Vertrauen in die meisten Euro-Staaten ist in der Krise massiv gesunken, der Markt für Papiere der Krisenstaaten wie Griechenland ist praktisch tot. Ökonomen und Politiker warnen außerdem, die laxe Geldpolitik der EZB könnte die Inflation anheizen.

Vor der Krise hatte die EZB Geld für maximal drei Monate vergeben, um Darlehen für Banken möglichst unattraktiv zu machen. Stattdessen sollten sich Institute, die Geld brauchten, die Liquidität bei ihren Wettbewerbern holen. Doch schon seit dem Fall der New Yorker Investment-Bank Bear Stearns im Frühjahr 2008 begann dieser sogenannte Interbanken-Markt für gegenseitige Kredite auszutrocknen - die Banken trauten einander nicht mehr. Verstärkt wird dieser Argwohn mittlerweile dadurch, dass die europäischen Banken viele Staatsanleihen von überschuldeten Staaten halten, die immer weiter an Wert verlieren.

Kurz nach der Lehman-Pleite intervenierte die EZB im Markt. Der längste Kredit lief bislang jedoch nur 13 Monate, jetzt sind es drei Jahre. Die günstigen Kreditangebote der EZB waren jeweils auf starke Nachfrage in Milliarden-Euro-Höhe gestoßen. Das wird auch für die erste Drei-Jahres-Leihe am Mittwoch erwartet. Damit wolle die EZB endlich das Hauptproblem der Krise lösen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi, als er die ungewöhnliche Maßnahme Anfang Dezember ankündigte. Er hoffe, dass die Banken danach so viel Geld zur Verfügung haben, dass sie die niedrigen Zinsen endlich an die Unternehmen und die 330 Millionen Verbraucher in der Eurozone weitergeben. "Das Geld zirkuliert einfach nicht", sagte Draghi. Kapital werde nicht verliehen. Was sie hätten, horteten die Banken aus Angst vor der eigenen Zahlungsunfähigkeit.

Erst am Montag hatte die EZB die Krise als "systemisch" bezeichnet und festgestellt, dass Banken und Staaten Milliarden Euro fehlten.

Manche Banken weigern sich allerdings, Darlehen von der EZB in Anspruch zu nehmen - aus Überzeugung, dass könnte an den Märkten als Zeichen der Schwäche interpretiert werden. Draghi hatte vergangene Woche allerdings noch einmal alle Banken eingeladen, sich Geld von der EZB zu holen. Damit sei "kein Stigma" verbunden: "Unsere Hilfen sind dazu da, genutzt zu werden." 523 Banken haben sein Hilfsangebot angenommen.