Wolfram statt Gold Händler warnen vor angeblich gefälschten Barren

Eine Routineuntersuchung hatte ergeben, dass der Goldbarren einwandfrei sei. Doch ein Händler legte das Exemplar auf die Goldwaage: Er war zwei Gramm zu leicht - weil er statt mit Gold mit dem Metall Wolfram gefüllt war. Wolfram, das als Draht sonst Lampen leuchten lässt, bringt jetzt die Kommentarspalten der Goldforen zum Glühen.

Von Bastian Brinkmann

Es gibt Goldkäufer, die spekulieren, dass der Preis für das Edelmetall weiter steigen wird. Oder die Gold einfach schön finden, die ihr Vermögen spüren wollen, anfassen. Und es gibt die Argwöhnischen, die der Regierung misstrauen, die befürchten, dass morgen die Welt zusammenbricht, dass Dollar und Euro wertlos würden - dann zähle nur noch Gold.

Besonders die misstrauischen Anleger informieren sich in Foren und Blogs über den neuesten Stand am Goldmarkt. Es ist auch der Ort, an dem Verschwörungstheorien aller Art kursieren, etwa dass die US-Notenbank Fed heimlich die Inflation anheize.

Im Moment sorgt ein Artikel in der Szene für Furore: In Großbritannien sei ein Goldbarren aufgetaucht, der mit Wolfram gefüllt gewesen sei. Wolfram ist viel billiger als Gold, hat aber eine sehr ähnliche Dichte. Ein Barren Wolfram und ein Barren Gold sind also etwa gleich groß und gleich schwer.

Wolfram, das als Draht sonst Lampen leuchten lässt, bringt jetzt die Kommentarspalten der Goldforen zum Glühen. Dort kursieren derzeit Fotos, die einen aufgeschnitten Barren zeigen - ein Kilogramm Gold, angeblich mit Originalzertifikat, doch gefüllt mit Wolfram.

Hinter der Aufregung soll eine E-Mail stecken, die von einer Schweizer Firma an Goldhändler verschickt worden sein soll. Ein australisches Unternehmen stellte die Nachricht online. Nachdem sie die Goldgemeinde in Aufregung versetzte, nahm das Unternehmen an diesem Dienstag den Eintrag offline. Er ist aber noch über Googles Archiv abrufbar.

Demnach sei einem Händler in Großbritannien ein Goldbarren in die Hände gefallen, der beinahe perfekt schien: Eine Routineuntersuchung mit Röntgenstrahlen habe ergeben, dass der Barren zu 99,98 Prozent aus Gold bestehe. Doch der Händler war misstrauisch und legte den Barren auf die Goldwaage und stellte fest, dass ihm zwei Gramm an Gewicht fehlten. Danach habe er den Barren durchgeschnitten. Zum Vorschein gekommen sei ein Kern, der fast zur Hälfte mit Wolfram gefüllt war - und dementsprechend weniger wert.

Die Schweizer Firma, von der die Warnung vor dem Betrugsfall stammen soll, konnte auf Anfrage der SZ nicht sagen, ob jemand aus dem Unternehmen eine entsprechenden Hinweis per E-Mail verschickt hat.

Die Gold Corporation, die dem rohstoffreichen australischen Bundesstaat Western Australia gehört, weist außerdem darauf hin, dass es sich um einen absoluten Einzelfall handele. Der Markt für Gold sei sehr liquide, demnach wechselten Barren oft ihre Besitzer und würden häufig eingeschmolzen - Fälschungen würden so zeitig entdeckt.

Dass der steigende Goldpreis Kriminelle inspiriert, ist nicht neu. 2008 kam es zu einem spektakulären Fall: Betrüger hatten der Staatsbank von Äthiopien kiloweise gefälschtes Gold untergejubelt. Der Schwindel kam erst ans Licht, als Äthiopien einige der falschen Goldbarren an Südafrika weiterverkaufen wollte. Dort untersuchten Experten die Barren und stellten fest, dass statt Edelmetall lediglich vergoldete Stahlbarren geliefert worden waren - nur die Außenhülle war aus Gold.

Linktipp: Der Blog Screwtape Files merkt an, dass man im Zeitalter von Photoshop nicht allen Fotos glauben sollte, auch wenn sie gefälschte Goldbarren zeigen könnten. In den Kommentaren meldet sich der australische Händler und sagt, dass der ursprüngliche Eintrag das Ziel gehabt habe, die Käufer zu sensibilisieren.