Von Alexander Hagelüken und Björn Finke

Die Angst vor Firmenpleiten und schwachem Wachstum reißt weltweit Börsenkurse in die Tiefe. Der Dax droht unter 6000 Punkte zu fallen. Seit Jahresbeginn haben deutsche Standardaktien ein Viertel an Wert verloren - ein Vermögen von 250 Milliarden Euro hat sich in Luft aufgelöst.

An den Finanzmärkten überwiegt derzeit die Skepsis. Die milliardenschwere Rettungsaktion der US-Regierung für die zwei größten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac beruhigt die Anleger nicht. Die beiden Institute, die jeden zweiten amerikanischen Hauskredit garantieren, büßten am Dienstag zeitweise erneut zwanzig Prozent ein. Inzwischen zeigt Spaniens größte Firmenpleite aller Zeiten, die Insolvenz der Immobiliengruppe Martinsa-Fadesa, dass die US-Finanzkrise auch immer stärker auf Europa übergreift.

Der Dax stürzt ab - und die deutschen Konzerne verlieren Milliarden an Wert. (© Foto: ddp)

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Euro auf Rekordhoch

"Wir stehen bei den Zusammenbrüchen von Banken erst am Anfang", sagte der Münchner Vermögensverwalter Jens Ehrhardt der Süddeutschen Zeitung. "Allein in Amerika sind bis zu 100 Banken gefährdet." Die Angst vor weiteren Pleiten ließ auf der ganzen Welt vor allem Finanzwerte abstürzen. In Deutschland verloren die Kurse der Allianz, der Deutschen Bank oder der Deutschen Börse zeitweise mehr als fünf Prozent. Der Deutsche Aktienindex büßte mehr als zwei Prozent ein. "Die Kreditkrise hat uns wieder voll eingeholt", sagte ein Börsenhändler.

"Ich rechne kurzfristig mit einem weiteren Kursverfall auf 5800 Punkte", sagte der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. "Die Finanzkrise ist keineswegs ausgestanden. Schätzungen, dass die Schäden der Krise von heute 400 Milliarden auf 1600 Milliarden Dollar steigen könnten, sind durchaus realistisch." Anders als bei der Internet-Blase seien die Aktien zurzeit aber nicht generell überbewertet, sodass deutsche Wertpapiere bis zum Jahresende wieder um gut zehn Prozent steigen könnten. Vermögensverwalter Ehrhardt sieht dagegen keine Zeichen für eine Wende: "Weder sind höhere Unternehmensgewinne in Aussicht, noch können die Zentralbanken durch niedrigere Zinsen Geld in den Kreislauf pumpen - das verbietet die hohe Inflation."

Die Finanzkrise drückt zunehmend auf das wirtschaftliche Wachstum, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. So sank der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Ergebnis einer Umfrage unter Analysten und Großinvestoren in Deutschland, auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung 1991. Der Indikator liegt im Juli bei minus 63,9 Punkten, 11,5 Zähler weniger als im Juni, wie die Mannheimer Forscher am Dienstag berichteten. Nur noch 5,5 Prozent der 308 Umfrageteilnehmer rechnen damit, dass sich die Wirtschaftslage in den kommenden sechs Monaten verbessert; fast 70 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.

Eine Rede von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke löste am Dienstagnachmittag zusätzliche Kursverluste aus. Er sagte, die Finanzmärkte befänden sich weiter stark unter Druck. Der Chef-Notenbanker musste ein weiteres Mal feststellen, dass seine Versuche misslingen, die Nervosität der Anleger zu vermindern. Die Probleme in den USA hoben den Euro zeitweise auf ein neues Rekordhoch über 1,60 Dollar. Am späten Dienstagnachmittag bemühte sich auch der amerikanische Präsident George W. Bush, Vertrauen wiederherzustellen. Das US-Bankensystem sei trotz der aktuellen Finanzkrise grundsätzlich gesund, sagte er. Es müsse sichergestellt werden, dass die beiden größten Immobilienfinanzierer Fannie und Freddie trotz ihrer Schieflage Zugang zum Kreditmarkt behielten.

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(SZ vom 16.07.2008/jkr)