Amerikas Bankenbranche ist in Aufruhr - weil Wikileaks-Gründer Julian Assange Einblicke in ein "Ökosystem der Korruption" ankündigt. Wie sich das größte Finanzinstitut der USA gegen die Enthüllungen wappnet.
Es gab Zeiten, da waren Geheimdienste Behörden und Spione Staatsdiener. Doch viele Großunternehmen sind heute mächtiger als mancher Staat, und so verwundert es kaum, dass die hohe Kunst des Auskundschaftens längst auch in Konzernzentralen praktiziert wird. Vermutete das Management die Spitzel bisher im Dienst von Konkurrenten, ist in Wikileaks eine neue Bedrohung erwachsen. Die Spionageplattform im Internet kündigte unlängst an, die Betriebsgeheimnisse einer großen US-Bank zu verraten. Einblicke in ein "Ökosystem der Korruption" stellte Wikileaks-Chef Julian Assange in Aussicht - und versetzte die Wall Street in Aufruhr.
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Welche Bank muss sich vor den Enthüllungen von Wikileaks-Gründer Julian Assange fürchten? (© Reuters)
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Vor allem die Bank of America sieht sich in großer Gefahr. Die vagen Drohungen von Assange reichten aus, um dem Aktienkurs in den vergangenen Wochen stark zuzusetzen. Inzwischen hat das Institut reagiert und einen Stab zur Spionageabwehr zusammengestellt. Der Abschirmdienst soll Informationslecks aufspüren und die hausinterne Kommunikation auf brisante Inhalte durchforsten.
Wie die New York Times berichtet, lässt sich Bankchef Brian Moynihan persönlich über die Ergebnisse der Fahnder unterrichten, die vom obersten Risiko-Manager Bruce Thompson angeführt werden. Außerdem hat Moynihan die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton angeheuert, um den Schutz vor Hackern und Datendieben zu verbessern.
Natürlich könnte Assange auch geblufft haben, etwa um von dem Vergewaltigungsprozess abzulenken, der in Schweden gegen ihn vorbereitet wird. Und selbst wenn Wikileaks tatsächlich im Besitz kompromittierender Daten ist, müssen diese nicht unbedingt von der Bank of America stammen. An der Wall Street gibt es noch andere Banken, die sich mit Bonuszahlungen, Staatshilfen, Bilanztricks und krummen Wertpapiergeschäften ins Zwielicht manövriert haben.
Doch offenbar fühlt sich kein anderes Institut so verwundbar wie die Bank of America. Dafür gibt es Gründe. Assange prahlte schon Ende 2009 damit, die Festplatte eines führenden Managers der Bank of America in Händen zu haben. Zudem steht außer Frage, dass der größte Geldkonzern der USA ein lohnendes Ziel abgibt. Im Herbst 2008 übernahm die Bank of America die kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Investmentbank Merrill Lynch zu einem völlig überhöhten Preis. Kurz darauf musste die Bank of America massive Staatshilfe in Anspruch nehmen. Den Pleitebankern von Merrill zahlte sie dennoch Erfolgsprämien in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar. Seither ist die Bank of America zum Symbol für Missmanagement geworden.
Ein besonderer Weg
Vielleicht wird sich Moynihan damit trösten können, dass sein Institut nicht das erste Wikileaks-Opfer aus der Hochfinanz wäre. Vor Jahren schon veröffentlichte das Enthüllungsarchiv Materialien der Schweizer Privatbank Julius Bär, die zeigten, wie das Institut das Geld reicher Kunden in Steueroasen versteckte. Julius Bär verklagte Wikileaks wegen der Veröffentlichung gestohlener Daten - und ließ die Klage im März 2008 fallen.
Juristisch ist Wikileaks offenbar kaum beizukommen. Einige Rechtsexperten empfehlen Unternehmen daher, von sich aus auf volle Transparenz zu setzen. Die Bank of America allerdings scheint sich vorerst für einen anderen Weg entschieden zu haben. Sie hat sich Internetadressen gesichert, die für Schmierkampagnen in Frage kommen. BrianMoynihanSucks.com ist nun Teil des Firmenvermögens - eher eine Verzweiflungstat als gute Spionageabwehr.
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(SZ vom 05.01.2011/aum)
Christopher Lee zum 90.
lieber pate,
das veröffentlichte material ist sicherlich beweismaterial, ob stichhaltig oder nicht, können wir nicht prüfen. das, was ich allerdings mir einverleibt habe, ist eigentlich nur das, was man von den amis schon aus ihren vielen kriegen, diplomatischen manipulationen etc. kennt. nun anzukündigen, dass eine us-amerikanische bank, die mit halliburton und sonstwem zusammenarbeitet, korrupt ist, ist auch nicht wirklich überraschend. ebensowenig wie ein artikel darüber überraschen könnte, dass die bewertungen der EURO-länder von S&P moodys oder sonstwem lediglich dazu dienen, amerikanische interessen im unterschwellig geführten wirtschaftskrieg gegen die EU zu stützen!
assange ist übrigens ein mensch aus diesem anglomarikanischen kulturkreis und viele seiner argumentationen leiten sich aus einem weltbild ab, das sich von dem europäischen grundlegend unterscheidet!
wenn ich mich also auf beweise aus der vergangenheit stütze, sind diese wenigstens indizien dafür, das ich nicht nur "vemute". zu "wissen" ist in diesem bereich nahezu unmöglich!
allerdings, und das entwertet den blonden Recken dann schon wieder: wenn er, wie behauptet seit 2009 im Besitz von Material ist, warum dauerte es dann bis 2011 .... mir scheint, BoA und Herr Assange nehmen sich nicht viel.
Ob man Assange et al juristisch beikommen muss? Ich sehe es nicht. Wozu?
Der Konkurrenzorganisation zu Wikileaks sehe ich allerdings weit wohlwollender entgegen und sie wird hier bei SZ eigentlich so gar nicht thematisiert. Openleaks des Domscheit-Berg - wäre doch einmal interessant zu sehen, was aus jenen - immerhin erklärten - weit transparenteren Zielen nun wurde?
Es ist Gut das es Wikileakes gibt,auch wenn da Fehler gemacht wurden. Was die grossen Finanzgiganten der Welt betrifft da kann man mit ruhigen Gewissen sagen,ein Staat im Staate,der sich einen Staat haellt. Auch die oder das Finanzgebarden dieser Institute hat mit Moral im allgemeinen nichts zu tun. Die einen meinen das ist gut so,nur die sollen dann auch sagen was sie damit meinen. Die Oeffentlichkeit ist der beste Schutz vor Geheimnisskraemerei und Manipulationen. Aber wer das alles nicht so glaubt,dem empfele ich den Rat unseren Lesers Superseppel58:@, der weiss alles viel besser als der Rest der Welt.
"Spionageplattform", "Vergewaltigungsprozess", "Assange prahlte" - Herr Koch kriegt sich gar nicht mehr ein. Da wagt eine Enthüllungsplattform es, Daten der Mächtigen zu veröffentlichen, wenigstens die Spitze des Eisbergs sichtbar zu machen und der Herr SZ-Redakteur überschlägt sich in Negativ-Zuschreibungen als hätte er gerade sein Volontariat bei der BILD angefangen.
Zum "Vergewaltigungsvorwurf" - wie penetrant die SZ diese Vokabel auch immer gebraucht, ist mehr als merkwürdig. Auch der SZ sollte mittlerweile bekannt sein, nachdem andere Zeitungen dies schon seit mehreren Wochen wissen, dass in Schweden auch Sex ohne Kondom den Tatbestand der "Vergewaltigung" erfüllt. Mehr als geschmacklos ist ein solcher Anwurf in einer Zeitung, in der ein Thomas Urban die Vergewaltigung eines Kindes als "Verführung einer Minderjährigen" verleugnete. Aber da hieß der Vergewaltiger eben Polanski.
Oder liegt es einfach daran, dass die SZ sich damit begnügen muss, von den Agenturen abzuschreiben und mitzustenographieren, wenn ihre Biergenossen ihnen ein paar Brotkrumen hinstreuen, was sie den Tag über in den Ausschüssen verzapft haben? Und was soll man als Redakteur machen in einer "Zeitung", die nicht mehr Journalismus auf ihre Fahnen geschrieben hat, sondern sich als Parteipostille der Grünen und der SPD verkauft hat?
Kaum sagt man was intelligentes ,schon ist man Kommunist!
Paging