Von Von Gebhard Hielscher

Wer in Japan wohnt, muss nicht nur mit Erdbeben, sondern oft auch in kleinen Wohnungen leben.

,,Die Außenwände sind aus Holz, die Zwischenwände aus Bambus und Papier, die Fußböden aus Strohmatten. Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass die Japanesen sich an offenen Kohlenbecken wärmen, und demnach in der Hauptstadt des Reichs im Winter mindestens eine Viertelmillion Kohlenbecken an diesen Papierwänden und auf den Strohmatten stehen. Nehmen Sie nun zum Überfluss noch die häufigen Orkane und kleinen Erdstöße ..., so können Sie sich denken, dass alle vier bis fünf Jahre diese Häuser infolge von verheerenden Feuersbrünsten neu gebaut werden.''

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Ein traditioneller japanischer Wohnraum (© Foto: iStock)

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Mit dieser plastischen Beschreibung, nachzulesen im Reichstagsprotokoll vom 11. April 1878, plädierte der Abgeordnete Georg von Bunsen für die Bewilligung von Mitteln zur Errichtung eines ,,Steinbaus'' für die neue Gesandtschaft des Deutschen Reiches in Tokio. Bunsen war als Mitglied der preußischen Ostasien-Expedition von 1860/61 in Japan gewesen, wusste also, wovon er sprach.

An den Launen der Natur hat sich bis heute wenig verändert. Häufige Erdbeben, alljährlich etwa ein Dutzend Taifune, die oft von weiträumigen Überschwemmungen begleitet sind, schwüle Hitze in den Sommermonaten und zur Winterszeit erdrückende Schneemengen in weiten Teilen des Landes bilden den Rahmen für das Wohnen in Japan.

Billiger, aber gefährdet

Aber wie stark man unter derlei Unbill der Natur zu leiden hat, hängt ganz wesentlich davon ab, wo und wie man wohnt. Die größten Unterschiede bestehen zwischen ländlichen Gebieten und Ballungsräumen. Auf dem Land - das in Japan nur selten flach ist, denn das Inselreich besteht zu vier Fünfteln aus Bergen - sind Wohngrundstücke in der Regel größer und preiswerter, und der Bestand ist älter.

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