"Griechenland ist in einer einzigartig ernsten Situation im Euroraum", stellt die Abschlusserklärung des EU-Sondergipfels fest. Die Griechen wissen, dass sie die Milliardenkredite alleine niemals abtragen können. Nun kann Athen erstmals das Geld aus den Notkrediten viel länger behalten als bisher. Doch diese Erleichterung alleine reicht nicht.
Schulden haben heute viele, Firmen, Staaten und zahlreiche Bürger. Schulden werden zum unüberwindlichen Problem, wenn sie jemand wahrscheinlich nicht mehr zurückzahlen kann - und deshalb kein neues Geld bekommt, um seine Geschäfte am Laufen zu halten. Vor dieser Situation steht der Euro-Staat Griechenland, der Gläubigern aus aller Welt inzwischen eineinhalb Mal so viel Geld schuldet, wie seine Unternehmen und Arbeiter jedes Jahr erwirtschaften. 150 Prozent Verbindlichkeiten - viel zu viel, sagen die Ökonomen.
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Euro-Gipfel: – Hilfe für Griechenland (© reuters)
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Niemals wird die griechische Volkswirtschaft so stark wachsen, um diesen Schuldenberg aus alleiniger Kraft abtragen zu können. Und wegen der prekären Lage bekommt das Land auf den Kapitalmärkten auch kein neues Geld mehr, wenn bisherige Kredite auslaufen. Eine tödliche Lähmung der Volkswirtschaft droht.
"Griechenland ist in einer einzigartig ernsten Situation im Euroraum", stellte die Abschlusserklärung des Gipfels fest. Um Griechenlands Kollaps zu verhindern, haben Europas Regierungschefs Rettungspläne entworfen - zusätzlich zu den mehr als 100 Milliarden Euro Krediten, die dem Land bereits zugesagt sind.
Erstmal kann Athen das Geld aus den Notkrediten der Euro-Partner viel länger behalten als bisher, nämlich 15 Jahre. Erst dann muss es zurückzahlen. Das hilft ebenso wie die Senkung des Zinssatzes von 4,5 auf 3,5 Prozent - so günstig würden deutsche Häuslebauer gern ihr Eigenheim finanzieren. Und für zehn Jahre laufende griechische Staatsanleihen sind an den Börsen momentan weit über 15 Prozent Zinsen fällig.
Diese Erleichterungen bei der staatlichen Seite alleine reichen aber nicht. Der Schuldenberg von insgesamt 350 Milliarden Euro drückt zu sehr, er macht eine Stabilisierung des Landes unwahrscheinlich. Deshalb soll die griechische Regierung Geld aus dem Rettungsfonds EFSF erhalten, um Staatsanleihen zurückkaufen zu können - im gleichen Umfang sinken dann die Schulden des Landes. Gleichzeitig ist dies eine der Möglichkeiten, um die privaten Gläubiger wie Banken an den Kosten der Rettung zu beteiligen, was insbesondere der Bundesregierung wichtig ist, weil die Steuerzahler schon jetzt eine große Belastung tragen.
Die Regierung soll die Anleihen nicht zu 100 Prozent ihres Ausgabewertes zurückkaufen, also nicht zu dem Betrag, den sie einst von einer Bank erhalten hat - sondern zu einem niedrigeren Wert. In Wahrheit sind griechische Anleihen an der Börse auch schon viel weniger wert als 100 Prozent. Aber die Bank wäre eben gezwungen, diese Verluste auch wirklich zu realisieren, was ihre Unternehmensgewinne entsprechend reduziert. Im Schnitt, hieß es am Donnerstag, sollen die privaten Gläubiger auf 20 Prozent ihres Investments verzichten.
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Christopher Lee zum 90.
Es ist ein heißer Tag in einer kleinen griechischen Stadt.
Die Sonne brennt und alle Straßen sind wie leer gefegt. Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.
An diesem Tag fährt ein deutscher Tourist durch die griechische Stadt und hält bei einem kleinen Hotel.
Er sagt dem Eigentümer, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel.
1. Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den
Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden.
2. Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern.
3. Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim
Genossenschaftslager.
4. Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
5. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden
Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
6. Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.
7. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen.
In diesem Moment kommt der deutsche Tourist die Treppe herunter, nimmt seinen
Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.
Niemand produzierte etwas. Niemand verdiente etwas. Alle Beteiligten sind ihre Schulden los und schauen mit großem Optimismus in die Zukunft.
Sie müssen die Inflation berücksichtigen, diese arbeitet bei geringeren Zinsen und langen Laufzeiten auch den Griechen zu.
7,5 Jahre zu 4.5% Zinsen, macht 39% der Kreditsumme an Zinszahlungen. Wird diese Summe mit 2% Inflation im Euroraum (effektives Nullwachsum der Volkswirtschaft angenommen) auf heutigen Wert abgezinst, so sind insgesamt 119% der Kreditsumme zu zahlen. Wird diese Summe durch neue Kredite auf 15 Jahre gestreckt, so sind 43% der Kreditsumme fällig.
Bei einmalig 15 Jahren zu 3,5% Zinsen beträgt die Zinssumme formal 67% des aufgenommenen Kapitals, allerdings sinkt diese Summe durch die Inflation im Wert auf 124% des aufgenommenen Betrags.
Wenn es die Griechen schaffen ein Wirtschaftswachstum von 1% über Inflation des Euro-Raums hinzulegen passt das ganze. Dass die Griechen in der Steuererhebung an sich Optimierungspotenzial haben werden Sie nicht bestreiten wollen.
Die Staaten weltweit haben das Problem, dass sie von den Geldbesitzern erpresst werden. Da heißt es: Wenn du mir mein Geld nimmst, schaffe ich es woanders hin.
Die Staaten dürfen also für die Infrastruktur, die Bildung, die Verwaltung sorgen, die den Geldbesitzern ihre Einnahmen ermöglichen, die Geldbesitzern wollen sich an der Finanzierung dann aber nicht beteiligen. Da es für Geld weltweit kaum Grenzen gibt, funktioniert die Erpressung.
Schauen wir uns Deutschland an. Hier gibt es privates Vermögen, das die Staatsschulden leicht doppelt ausgleichen könnte. Ähnlich ist das in USA. Obwohl die Hypothekenkrise in USA gezeigt hat, dass das Vermögen nicht so sachhaltig sein könnte, wie vermutet. Amerika ist zudem in der blöden Lage, dass die Bedienung der Interessen der Reichen schon so lange betrieben wird, dass das Land seine Produktivität eingebüßt hat und tatsächlich auf Pump lebt - wie in Griechenland. Das entwertet die Liegenschaften zusätzlich. Das hält die Regierungen der Staaten aber nicht davon ab, weiterhin vor allem den Reichen dienstbar zu sein.
Global gesehen ist es so, dass alles Geldvermögen woanders eine gleich große Schuld verursacht hat. Das System könnte funktionieren, wenn das Geld tatsächlich kreisen würde. Das derzeitige Zinssystem sorgt allerdings dafür, dass die Geldvermögen immer größer werden und ebenso die Schulden. Im Grunde so einfach wie unbefriedigend.
Es ist nicht richtig zu schreiben, dass Griechenlands Kredite billiger werden: Die Laufzeit wird verdoppelt, während der Zins nur um 1% Punkt sinkt. Nach 15 Jahren mit 3,5% haben die Griechen immer noch fast doppelt so viel Zinsen gezahlt, wie sie nach 7,5 Jahren zu 4,5% zu zahlen hätten. Der Schuldenberg wird nicht kleiner, sondern insgesamt grösser.
Sie müssen verstehen, die Sachzwänge.
Die Unternehmen wollen exportieren, die Politiker unterstützen das - besonders übermäßig in Deutschland. Länder wie Griechenland oder die USA kaufen aber auf Pump. Das Geld bekommen sie von den Banken, weil die fest glauben, dass die Kredite von Euroländern oder dem Weltleitwährungsland sicher sind.
Im Prinzip könnte das alles funktionieren, wenn das Geld seinen Kreislauf fortsetzen würde. Leider horten die Unternehmer und Kapitalinvestoren das Geld, die Lohnempfänger haben nicht genügend Geld, um in Griechenland Urlaub zu machen, weichen aus nach Türkei, oder die iPhones und Chevys aus USA sind ihnen zu teuer und sie kaufen stattdessen Arcos und Nissan.
Das Geld sammelt sich bei den Unternehmen und Kapitalinvestoren, die wissen nicht wohin mit dem Geld und es entstehen noch mehr Geldpumpen am Finanzmarkt. Die Renditesucher geben das Geld an Ländern wie Griechenland für Konsum, oder stecken es in Spanien, USA und Irland in den boomenden Immobilienmarkt. Irgendwann werden die Kredite dann faul, weil das Geld auch dort nicht genügend zirkuliert. Die Banken und die Kapitalstöcke werden gerettet und die Lohnempfänger bekommen den Wohlstand ab nun nicht mehr nur vom Arbeitgeber abgezwackt, sondern müssen auch noch für die geretteten Banken und die geretteten Kapitalstöcke der Kapitalinvestoren einstehen.
Die Umschichtung von unten nach oben hat sich damit verdoppelt. Merke: In einem Nullsummenspiel sorgt jeder Verlust woanders für einen Gewinn.
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