Von Catherine Hoffmann

Öl ist knapp und teuer, denn der Energiehunger der Welt ist groß. Auch wenn die Preise kurzfristig sinken, wissen alle: Auf lange Sicht wird es nicht billiger.

Der Ölpreis bricht alle Rekorde. Ein Barrel WTI-Öl kostet jetzt etwa 130 Dollar, die Sorge vor langfristiger Knappheit wächst. Inzwischen ist Öl fünfmal so teuer wie im Jahr 2002. Ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht, fürchten viele Rohstoffanalysten. Und der Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur (IEA) warnt, "dass wir in den nächsten Jahren eine Lieferklemme und sehr hohe Preise erleben könnten". Die Rechnung zahlen vor allem die Verbraucher. An deutschen Tankstellen müssen sie inzwischen 1,50 Euro für einen Liter Benzin hinlegen - doch auf das Auto wollen sie nicht verzichten.

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(© Foto: dpa)

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Zum Glück ist der Ölpreis nicht nur für Autofahrer ein Thema, sondern auch für Anleger. Wer Fonds oder Zertifikate im Depot hat, die von den anziehenden Preisen für fossile Energie profitieren, wird sich über die Rally am Ölmarkt freuen. Mit Papieren, die Ölpreisindizes verfolgen, konnten Investoren in den vergangenen Monaten kräftig verdienen - der Ölpreis ist binnen Jahresfrist um 100,6 Prozent gestiegen. Ölaktien, gemessen am MSCI World Energy Index, gewannen 23,7 Prozent, und Aktienfonds, die auf Ölproduzenten setzen, legten in zwölf Monaten um 15,1 Prozent zu - während am breiten Aktienmarkt (MSCI Welt) nichts zu verdienen war.

Analysten erhöhen Preisprognosen

Die Aktienkurse der Energiekonzerne kletterten zuletzt steil nach oben. Die Ölunternehmen im amerikanischen Leitindex S&P 500 meldeten für das erste Quartal einen durchschnittlichen Gewinnanstieg um 25,9 Prozent. Ohne die hohen Gewinne von Ölkonzernen wie Exxon Mobil, Chevron und Conoco-Philips wären die Gewinne der US-Unternehmen zuletzt so niedrig ausgefallen wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, geht aus Daten von Bloomberg hervor. Werden die Ölfirmen ausgeklammert, sind die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 um 26,0 und 30,2 Prozent gesunken.

Rohstoff-Experten sind sich einig, dass Öl so bald nicht billiger wird. Viele Analysten haben in den vergangenen Tagen ihre Preisprognosen erhöht. Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass die Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) in der zweiten Jahreshälfte durchschnittlich 141 Dollar je Barrel kosten wird - und nicht 107 Dollar wie noch zuvor erwartet. Im kommenden Jahr werde der Preis weiter steigen und bei 148 Dollar liegen. "Lieferengpässe und der Mangel an Alternativen zum Öl, die in großen Mengen zur Verfügung stehen müssten, sorgen dafür, dass der Aufwärtsdruck beim Ölpreis langfristig anhalten wird", sagt Jeffrey Currie, Rohstoffstratege von Goldman Sachs.

So halten es die meisten Experten: Ihre Durchschnittsprognosen für 2008 und 2009 sind nicht allzu weit vom aktuellen Preis entfernt. Weil die Profis in den vergangenen Monaten mit ihren verhaltenen Prognosen aber oft viel zu tief gegriffen haben, will niemand einen weiteren steilen Preisanstieg ausschließen. Bedeutende Spieler auf dem Rohölmarkt, wie die Internationale Energieagentur, beginnen ihre bisherige Weltsicht zu überdenken. "Früher hat die IEA nur die Nachfrage prognostiziert und ist davon ausgegangen, dass das Angebot der Nachfrage entsprechend mitsteigt", sagt Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst der Hypovereinsbank. "Im neuen World Energy Outlook 2008, der im November erscheint, wird erstmals auch die Ölförderung untersucht. Ergebnis: Das Angebot bleibt um 12,5 Millionen Fass pro Tag hinter der Nachfrage zurück."

Das entspricht rund 15 Prozent des heutigen Weltölverbrauchs. Während die Nachfrage nach Öl wachse, sinke die Förderung, es drohten Lieferengpässe und höhere Preise, warnt die IEA. Behält sie mit ihrem düsteren Ausblick recht, könnte die Ölpreisrally noch lange weiter laufen - auch wenn nach dem steilen Anstieg erst einmal mit einer Korrektur zu rechnen ist.

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(SZ vom 28.05.2008/mel)