Auf europäischer Ebene werden Bewertungsregeln diskutiert, die den deutschen Staat in Schwierigkeiten bringen könnten.
Es war nur eine Nebenbemerkung des Finanzministers, aber sie hat doch Fragen aufgeworfen: Eher müsse der Finanzrahmen für den Bankenrettungsfonds Soffin ausgebaut werden, als dass der Bund in die Verlegenheit käme, Banken zwangsweise unter den Rettungsschirm zu holen, sagte Peer Steinbrück (SPD) am Mittwoch.
Wenn die Banken den Wert ihrer Papiere nach unten berichtigen müssen, dann könnte es teuer werden für Deutschland. (© Foto: AP)
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Auf den ersten Blick sieht es so aus, dass Steinbrück damit lediglich einen rhetorisch ansprechenden Vergleich liefern wollte. Aus dem 400-Milliarden-Euro-Bürgschaftstopf des Bundes wurden bis dato etwas mehr als 130 Milliarden Euro abgeschöpft. Von den 80 Milliarden Euro direkter Finanzhilfen wurde knapp ein Viertel abgerufen.
Ein Sprecherin des Ministerium versicherte denn auch gegenüber sueddeutsche.de: "Es gibt keine Planungen, die Soffin auszubauen."
Dezentrale Lösung bevorzugt
Dennoch: Es braut sich etwas zusammen. Auf europäischer Ebene wird derzeit um ein Bad-Bank-Konzept gerungen. Bad Banks sind die Institutionen, in die die Finanzinstitute ihre toxischen Papiere - Steinbrück würde sagen "Schrottpapiere" - auslagern sollen.
Klar ist, was Steinbrück nicht will: Eine nationale Bad Bank, in der alle wertlosen Schrottpapiere so lange eingelagert werden, bis sie irgendwann - hoffentlich - etwas an Wert gewonnen haben.
Steinbrück bevorzugt die dezentrale Lösung. Viele kleine Bad Banks, in die einzelne Banken oder Institutsgruppen ihre Risikopapiere auslagern - um dann mit einer blütenweißen Bilanz wieder billiger Geld auf den Kapitalmärkten zu bekommen.
So einfach aber will es die Europäische Kommission den Banken wiederum nicht machen. Sie sollen verbleibende Papiere nach dem Fair-Value-Prinzip bilanzieren, also mit dem aktuellen Marktwert in die Bücher nehmen.
Das Problem für die Banken ist demnach: Je mehr die Papiere an Wert verlieren, desto rascher steigt der Geldbedarf. Weil Finanzmittel aber derzeit kaum zu bekommen sind, müsste der Bankenrettungsfonds Soffin und damit der Staat einspringen, wenn er nicht die Pleite eines Bankhauses riskieren will.
Zahlen, die den Soffin sprengen
Finanzpolitiker der Union schlagen jetzt Alarm. "Wenn sich die Kommission durchsetzt und der Staat eingreifen muss, dann wird das einen dramatischen Abschreibungsbedarf mit sich bringen", sagt der CSU-Finanzexperte Albert Rupprecht, der zugleich dem Soffin-Kontrollgremium im Bundestag vorsitzt, zu sueddeutsche.de.
Die Summen, die da gehandelt werden, können Schwindelgefühle auslösen. Im Bundesfinanzministerium geistert die Zahl von 200 Milliarden Euro herum. Das allein würde schon den derzeitigen Rahmen für direkte Finanzhilfen von 80 Milliarden Euro sprengen.
Andere gehen, je nach Bewertungsverfahren, von Summen aus, die in die Billionen reichen. Solche Summen könnte die Bundesrepublik schwer in Bedrängnis bringen: Die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt, beläuft sich auf etwa 2,4 Billionen Euro pro Jahr.
Noch ist völlig offen, wie die Verhandlungen in Brüssel ausgehen. Es gibt noch keine Lösung", sagte Steinbrück am Mittwoch. Geht es nach Rupprecht, sollen die Banken weiter nach dem Anschaffungswertprinzip bilanzieren dürfen.
Der Großteil ihrer Papiere bliebe so im Wert stabil, auch wenn auf dem freien Markt dafür weit weniger zu bekommen wäre. Rupprecht fordert deshalb Steinbrück auf, sich in Brüssel durchzusetzen.
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(sueddeutsche.de/hgn)
Debatte über Urheberrecht
@Alexander M.: Welcher Junkie wird sich nach dem Entzug noch mal Heroin verabreichen? Er weiß doch, wohin das führt! Welcher Spieler, der schon alles verloren hat, wird sich Geld leihen und noch mal ins Casino gehen; er weiß doch, dass es da nichts zu gewinnen gibt!
@ Student 77: Die EU-Komission ist da schon weiter und sieht allein in Europa faule Papiere im Wert von 18 Billionen Euro (siehe auch geroldw: 18.100 Milliarden in Giftmüll und die diversen Links in dem Beitrag).
Wobei auffällt, dass der Artikel im Daily Telegraph hierzulande von der Regierungspresse totgeschwiegen wird. Es gibt offensichtlich eine Nachrichtensperre zu diesem Thema ähnlich wie zu RAF/Schleyer-Zeiten, und alle halten sich dran. Möglicherweise ist es auch besser so, denn, falls die Masse erst mal mitkriegt, was wirklich passiert ist, rennen morgen alle zur Bank und wollen ihr Geld. Und dann geht übermorgen nichts mehr!
Wobei ein durchaus realistischer "Totalcrash" wohl eher ein negativer Synergieeffekt wäre - als geplante, vorsätzliche Absicht von "supranational strukturierten Korruptionscliquen" ...
Warum sollten solche "Korruptionscliquen" denn die "eierlegende Wollmilchsau" freiwillig schlachten ?!?
Ich hielte einen solchen "Totalcrash" - so er denn realistischerweise durchaus eintreten könnte - eher für einen "außerplanmäßigen Betriebsunfall" wegen übertriebener Gier ...
Die Unternehmensberatung "Boston Consulting" beziffert den Wertverlust aller Banken der Welt auf 5,5 Billionen Dollar. Weder die amerikanische noch die deutsche Regierung haben genug Geld, diese Verluste auch nur teilweise zu schultern. Das Gerede von der "Bad Bank" hat sich bei dieser Summe erledigt. Das Ganze scheint auf den Zusammenbruch der Finanzwirtschaft hinauszulaufen. Fragt sich nur noch, ob wir doch insolvente Banken bekommen, oder den Staatsbankrott. Die Lösung heißt jetzt, wie kann die Finanzblase sozial verträglich und gerecht für die Bürger und ihre Kinder abgewickelt werden? Wie kann die Finanzblase, die 2007 das 67-fache des Welt-BIP ausmachte, gerecht abgeschrieben werden? Und wer macht die "good bank"?
Die Banken haben die Aufgabe Kredit zu vergeben. Da diese sich gegenseitig und ebenfalls der Wirtschaft und den Konsumenten nicht mehr trauen, "verleihen" sie kein Geld mehr, wollen aber dadurch bedingt Kohle vom Staat. Warum kann der Staat nicht z.B. über die KfW Kredite vergeben, die kommen dann da an, wo sie gebraucht werden. Das ist das einzige Mittel gegen die Wirtschaftskrise.
Mir ist nicht bekannt, das irgendein Bankenvorstandsmitglied, die diesen Schlamassel angerichtet hat, geschweige ein Aufsichtsratsmitglied, die diesen Schlamassel hätten durch Kontrolle verhindern sollte, zurückgetreten ist. Man sollte die Banken voll ! gegen die Wand fahren lassen. Die Konkursmasse wird verstaatlich, verkauft und die Sparer werden ausbezahlt. Fehlende Vermögenswerte werden bei den Verantwortlichen eingesammelt. Über Freiheitsentzug dür diese Personen sollte man dringenst nachdenken.
Wertpapiere mit ihrem aktuellen Marktwert in die Bücher zu nehmen, indizierte parallelisiert den Verfall industrieller Produktion in den vergangenen zwei Dezennien, weil es entgegen gestrickter Legenden nie aus Selbstzweck betriebene Finanzmärkte gab, die vorgeblich abgekoppelt waren. Insofern wäre es mithin höchst dysfunktional diese Wertpapiere zu ihrem Einkaufspreis zu buchen. Ein künftig einsetzender Anstieg industrieller Produktion könnte nicht mehr dokumentiert werden. Das Entsetzen von Christdemokraten zeugt deshalb vielmehr davon, dass sie das, was als "Krise" bezeichnet ist, nicht durchschauen, aber weiterhin ungestört plappern möchten.
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