Weltweite Wut auf Banker-Boni "Eine absolute Schande"

Unbelehrbar: Die Banken zahlen schon wieder aberwitzige Gehälter und Boni. Frankreichs Regierung spricht von "einer Rückkehr zu alten Fehlern" und fordert die Initiative der G-20-Staaten.

Von A. Hagelüken und M. Hesse

Weltweit kritisieren immer mehr Politiker, dass manche Geldhäuser wieder hohe Gehälter und Boni an ihre Banker zahlen, obwohl die Steuerzahler Billionen Euro in die Branche pumpen. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde verdammte dies als "Rückkehr zu alten Fehlern" und will die größten Industrienationen bewegen, die Praxis zu stoppen.

Kritik kommt auch von der SPD und der britischen Finanzaufsicht. Zuvor hatten sich US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wortreich über die Branche beschwert.

Mitten in der schwersten Finanzkrise seit 1929 haben einige Geldhäuser begonnen, sich mutmaßliche Spitzenkräfte abzujagen, indem sie sehr hohe Gehälter zahlen.

Gleichzeitig gibt es weiter hohe Boni, allein in Amerika für das Krisenjahr 2008 rund 18 Milliarden Dollar. Die französische Finanzministerin nimmt sich vor allem die Zahlung von Boni vor, die für mehrere Jahre garantiert sind.

Diskussionsstoff für den nächsten Weltfinanzgipfel

"Ich finde es eine absolute Schande, dass diese garantierten Boni gezahlt werden. Oder dass einige Leute zu alten Entlohnungsformen zurückkehren, ohne eine Verbindung zum langfristigen Erfolg und zum Risikomanagement herzustellen", sagte Lagarde der Financial Times. Geldhäuser wie Citigroup, Deutsche Bank oder Nomura bieten den Bankern mehrjährige Garantien an, wenn sie sie anheuern.

Französische Institute haben sich bereit erklärt, auf solche Garantien zu verzichten. Das reicht Lagarde aber nicht. Auf dem nächsten Weltfinanzgipfel im September in Pittsburgh sollten die 20 größten Industrienationen (G20) diese Praxis zu stoppen.

Die britische Finanzaufsicht warnt, britische Banken riskierten ab kommenden Jahr hohe Strafen, wenn sie Boni für mehr als ein Jahr garantierten. "Es ist ausgesprochen wichtig, dass der Finanzsektor nicht zu Praktiken zurückkehrt, die unzulässig sind", schrieb Aufsichtschef Adair Turner in einem Brief an die 45 größten britischen Banken.

Turner kritisierte, dass nicht nur die Boni wieder steigen. Manche Banken erhöhten auch die festen Gehälter und zahlten Antrittsprämien, unabhängig, wie erfolgreich ein Manager sei.

"Kein gesunder Anreiz"

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil will die Bezahlung von Managern allgemein zum Wahlkampfthema machen. Dass jemand 500 Mal so viel verdiene wie eine Krankenschwester, sei kein gesunder Anreiz. "Bei der Regulierung der Managergehälter sind wir längst nicht am Ende".

Heil wiederholte die Forderung, Unternehmen dürften Topgehälter nur noch zum Teil von der Steuer absetzen. Mit dieser Forderung war die SPD in der großen Koalition gescheitert.

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama das Verhalten an der Wall Street scharf kritisiert. "Man hat nicht den Eindruck, dass bei den Leuten an der Wall Street irgendwelche Reue aufkommt für all diese Risiken, die sie eingegangen sind", sagte Obama. Daher seien die Vorschläge zur Verschärfung der Finanzaufsicht so wichtig. Dadurch könnten Wall-Street-Unternehmen von "wilden Risiken" abgehalten werden, wie sie sie vor der Krise eingingen. Aktionäre sollten ein Mitspracherecht haben, wenn es um hohe Bonus-Zahlungen für Manager gehe.

Bundeskanzlerin Merkel hatte am Wochenende gesagt: "Dass die Wall Street oder die City of London wieder diktiert, wie man Geld verdient, und die anderen zum Schluss die Zeche bezahlen, das wird es mit uns nicht geben".

Klagen früherer Kleinwort-Vorstände

Unterdessen hat sich die Commerzbank nach Angaben aus Finanzkreisen mit mehreren ehemaligen Mitarbeitern der Investmentbank Dresdner Kleinwort im Streit um Boni auf einen Vergleich geeinigt. So hatte der frühere Chef des Bereichs Emerging Markets, Michael Adams, vor Gericht drei Millionen Euro an Boni und Abfindungen eingeklagt. Die Bank habe sich nun außergerichtlich geeinigt, hieß es. Der Betrag wurde nicht genannt.

Geklagt hatten auch die früheren Kleinwort-Vorstände Martin Newson, Eduardo Listorti und Stefan Gütter. Nach Angaben eines Sprechers der drei Banker gab es auch mit mindestens einem seiner Klienten einen Vergleich.

Bereits vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass sich die Commerzbank mit früheren Mitarbeitern in der Schweiz außergerichtlich geeinigt hatte. Insgesamt liegen in London und Frankfurt mindestens 23 Klagen früherer Investmentbanker vor. Die Dresdner Bank hatte noch vor der Übernahme durch die Commerzbank Boni im Volumen von 400 Millionen Euro zugesagt, die die Commerzbank später strich.