Wer den Welthandel blockiert, verschlimmert die Wirtschaftskrise - denn der Protektionismus hat zwei negative Effekte, die alle kurzfristigen Vorteile überwiegen.
Jahrelang waren sie unsichtbar. Hatten sich weggeduckt, versteckt, während die Globalisierung scheinbar unaufhaltsam voranschritt. In der Krise tauchen sie auf einmal wieder auf, die Gegner des freien Handels. Die USA wollen bei ihrem Konjunkturpaket den Kauf heimischer Waren vorschreiben (Buy American), Russland verteuert ausländische Autos, Indien fremden Stahl. Das ist der offene Protektionismus. Dazu kommt, dass Regierungen angeschlagene Firmen subventionieren, auf diese Weise den internationalen Wettbewerb verzerren - und das Klima zwischen den Exportnationen vergiften. Es droht ein Handelskrieg, der nur Verlierer hinterlässt, denn eines ist gewiss: Der Protektionismus wird die Nöte der einzelnen Länder nicht lindern, sondern verschlimmern.
Der neue US-Präsident Obama forciert den Protektionismus. (© Foto: istock)
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Warum die Regierungen Importe blockieren, liegt auf der Hand. Sie wollen ihren Bürgern demonstrieren, dass sie etwas gegen die Krise tun. Dass sie weniger ratlos sind, als es in Wahrheit der Fall ist. Die Turbulenzen des Finanzsystems sind so schwer verständlich wie hartnäckig, die Konjunkturprogramme werden den Abschwung womöglich kaum bremsen. Eine brutale Zollerhöhung dagegen hat den Vorteil, schnell und eindeutig zu wirken: Die ausländische Ware wird unattraktiv, heimische Produkte haben auf einmal bessere Chancen. So lassen sich Wähler beruhigen, weil die Regierung scheinbar Arbeitsplätze sichert.
Die Sicherung der Jobs ist aber eine Fiktion. Protektionismus hat zwei negative Effekte, die alle kurzfristigen Vorteile überwiegen. Erstens werden Unternehmen schlecht, satt und faul, wenn sie keine Konkurrenz mehr haben. Das Nachsehen haben der Kunde und die ganze Volkswirtschaft. Zweitens bleibt Protektionismus selten einseitig. Regierungen übertreffen sich nach dem Motto: Magst du meine Hormonrinder nicht mehr essen, lasse ich deinen Käse im Container verschimmeln. Das führt zu skurrilen Episoden wie dem sogenannten BH-Krieg von 2005, als europäische Häscher chinesische Wäschestücke an den Grenzen abfingen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse sind weitaus weniger lustig. Wenn die Exporte auf allen Seiten zurückgehen, fällt der Konjunkturtreiber aus, der dem Erdball in den vergangenen Jahren einen ungeahnten Wohlstand bescherte.
Protektionismus sichert keine Arbeitsplätze, er vernichtet sie. Der Welthandel dürfte 2009 ohnehin zum ersten Mal seit Anfang der neunziger Jahre schrumpfen. Ein Wettlauf um Handelsschranken wird diese Bilanz noch schlechter ausfallen lassen und die Rezession vergrößern.
Es bahnt sich ein Rückfall in die dreißiger Jahre an. Nach dem Börsencrash 1929 sperrten amerikanische Politiker ausländische Produkte aus. Die anderen Nationen schlugen zurück, der Welthandel schrumpfte auf ein Drittel seines bisherigen Umfangs - und die Industrienationen versanken in tiefer Depression. Es endete eine Ära der Globalisierung, die im 19. Jahrhundert begonnen und die Menschen reicher und freier gemacht hatte. Es endete ein Zeitalter, in dem der Brite "seinen Morgentee im Bett schlürfen und dabei per Telefon Produkte aus der ganzen Welt ordern sowie sein Vermögen in jedem Winkel des Erdballs mehren konnte", wie der Ökonom John Maynard Keynes schrieb.
Ein solch radikaler Rückschlag wie in den dreißiger Jahren droht heute wohl nicht. Dafür sind die Industrienationen schon zu sehr verflochten. Und die Politiker sind auch liberaler als damals. Wie der Aufschwung des Protektionismus beweist, sind sie aber nicht liberal genug. US-Präsident Barack Obama sollte seinen Flirt mit den Feinden des Freihandels rasch beenden, die Welthandelsorganisation Indien und China rügen - und Europa darauf verzichten, die Exporte seiner Milchbauern zu subventionieren. Es wäre notwendig, die Konjunkturprogramme international zu koordinieren, um die Wettbewerbsverzerrungen gering zu halten. Es wäre wichtig, endlich das Welthandelsabkommen abzuschließen, an dem seit 2001 gefeilt wird. Doch dies sind alles fromme Wünsche. Jetzt regieren die Protektionisten, und ihre Ergebnisse werden schrecklich sein.
(SZ vom 03.02.2009/mel)
Moderne Verwaltung
... ein unbelehrbarer Prophet des freien Marktes, "der dem Erdball ... einen ungeahnten Wohlstand bescherte." Ihr Erdball ist wohl derjenige der Shareholder und wenigen Absahner, die die wahren Gewinner der grenzenlosen Märkte sind. Das Argument, dass Unternehmen in geschützten Märkten schlecht, fett und faul seien, ist Nonsens, das Wort eines Markt-Taliban. Schließlich gab es auch im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert Firmen, die mit guten Produkten gute Geschäfte gemacht haben. Auch die Hagelükens dieser Welt müssen irgendwann einsehen, dass ihre Marktfantasien der Irrgalube einer moralisch verfallenen, halbgebildeten Kaste von Wirtschaftsverstehern ist.
In einer Demokratie werden Regierungen eben nicht von Unternehmen gewählt, auch wenn Sie das schade finden, sondern von den Bürgern (unglaublich aber wahr: dazu gehören auch Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger!) eines Staates. Dies ist zuweilen ineffizient und kostenintensiv und dennoch günstig, wenn man die Billionen von Euro betrachtet, die derzeit weltweit aufgebracht werden müssen, um die Fehlentwicklungen der Glück- und Freude bringenden freien Märkte zu korrigieren.
Den meisten Grund gegen Protectionismus zu schimpfen haben natürlich die Staaten mit einem Handelsbilanzüberschuß. Und auch dort sind die eifrigsten Verfechter meist diejenigen die am meisten davon profitieren. Staaten mit negativer Handelsbilanz dagegen versuchen, insbesondere in Krisenzeiten die noch in eigenem Besitz verbleibene Wirtschaft zu schützen.
Je mehr bei uns aber der Export einbricht je lauter wird auch bei uns der Ruf nach Protectionismus da die Gewinnerwartungen aus Export nicht mehr mit dem befürchteten Kapitalabfluß die Waage hält.
Aber Lobbygruppen sind in jedem Fall vollauf beschäftigt.
Wenn ich lokale Märkte "schützen" will, hilft doch die Transportkosten für Halbfertigwaren so zu steigern, daß es sich nicht mehr lohnt, z.B Stoffe zur Endfertigung um den halben Erdball zu schicken- und dann wieder Retour.
Würde eventuell auch dafür sorgen, daß die Einkaufsstraßen dieser Welt wieder unterscheidbar würden und nicht mehr nur die gleichen langweiligen Markenartikler Ihre Verkaufsräume hätten.
Protektionismus- die Lieblingslösung aller Lobbyisten. und zwar NUR der Lobbyisten. Bei den gefügigen Politikern kann man nur sagen: Verzeih Herr. denn sie wissen nicht was Sie tun.
Wie immer halt.
C sollte etwas anderes produzieren, wenn die Arbeiter in B keine besseren Arbeitsbedingungen durchsetzen können. Deutschland ist eine Exportnation und stellt sich immer wieder um, bzw. entwickelt verbesserte Produkte. Diese Konkurrenz wäre aufgehoben. Überkapazitäten müssten abgebaut werden, einheimische Produkte werden dadurch noch teurer und es bleibt weder Geld noch Bedarf für die Entwicklung und Forschung. Dadurch entsteht In den bislang exportierenden Ländern eine verstärkte Gefahr von Monopolstellungen.
Sogar in China wandern Unternehmen nach Vietnam ab, weil sich die Arbeitsbedingungen in China durch den aufkommenden Wohlstand verbessert haben. Die Region um Honkong ist am Umstrukturieren.
Weiterhin kann in Ihrem Beispiel binnen kürzester Zeit durch Wirtschafts- und Entwicklungsungleichgewichte zwischen hochgerüsteten Regionen ein enormes Konfliktpotential entstehen.
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