Welt der Millionäre Völlig losgelöst

Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer - die privaten Geldvermögen sind im vergangenen Jahr um acht Prozent gestiegen. Allein in Deutschland gibt es 400.000 Millionäre.

Von Nikolaus Piper

Nach dem Ende der Wirtschaftskrise wachsen die Vermögen der Reichen und Superreichen wieder ungebremst. Wie es in der neuesten Vermögensstudie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) heißt, sind die privaten Geldvermögen 2010 um acht Prozent auf 122 Billionen Dollar gestiegen. Das sind 20 Billionen mehr als Ende 2008, dem Tiefpunkt der Finanzkrise. Besonders profitiert haben von der Entwicklung die neuen Reichen in Asien. Sie wurden um nicht weniger als 17,1 Prozent wohlhabender. Die Angaben der BCG-Studie beruhen auf Daten professioneller Vermögensverwalter. Sie erfassen Bargeld, Aktien, Wertpapiere und Fonds, nicht jedoch Immobilien- und Sachvermögen.

Was die absolute Höhe der Privatvermögen betrifft, bleibt Nordamerika bis auf weiteres unangefochten an der Spitze. Dort liegen private Geldvermögen von insgesamt 38,2 Billionen Dollar (plus 10,2 Prozent). Dagegen stiegen die Vermögen in Europa mit 4,8 Prozent nur unterschiedlich, was vor allem eine Folge der Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar im vergangenen Jahr war. Der spektakuläre Aufstieg Asiens in der Welt der Superreichen zeigt sich an einer ganzen Reihe von Einzeldaten. In China sind die großen Privatvermögen um 29,0 Prozent gestiegen, in Indien um 21,6 Prozent. China weist mittlerweile 393 superreiche Haushalte mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar aus, wodurch das Land in der BCG-Rangliste der sogenannten Ultra-Vermögenden vom 13. auf den 8. Rang vorrückt.

Das Land mit den meisten Millionären (5,2 Millionen) bleiben mit großem Abstand die USA, gefolgt von Japan, China, Großbritannien und Deutschland, das mit 400.000 Millionären an fünfter Stelle liegt. Das Land mit der größten Millionärsdichte, so die Studie, ist Singapur, wo 15,5 Prozent aller Haushalte über mehr als eine Million Dollar verfügen. An zweiter Stelle folgt die Schweiz mit 9,9 Prozent. Die meisten Superreichen (mehr als 100 Millionen Dollar) leben in den USA - insgesamt 2692 Haushalte. In dieser Kategorie liegt Deutschland mit 839 Haushalten vor Saudi-Arabien und Großbritannien an zweiter Stelle.

Dass die Reichen und Superreichen nach der Krise überhaupt so zulegen konnten, hat mit der guten Verfassung der Finanzmärkte zu tun. "Während der Krise setzten die Anleger vor allem auf Bargeld", sagt Ludger Kübel-Sorger, Partner bei BCG. "Inzwischen haben die Kunden aber ihre Gelder wieder in risikoreichere Anlagen umgeschichtet." Für die kommenden fünf Jahre erwartet BCG einen Vermögenszuwachs von weltweit durchschnittlich 5,9 Prozent. In China werden es 14 Prozent sein, in Indien 18 Prozent, in Deutschland dagegen nur 3,8 Prozent. Viele Reiche legen ihr Vermögen immer noch in sogenannten Offshore-Zentren jenseits ihrer Heimat an. Diese Offshore-Zentren sind jedoch mehr und mehr unter politischen Druck geraten, und dieser Druck schlägt sich inzwischen auch in Marktzahlen nieder. Der Anteil des Weltvermögens, der offshore angelegt ist, sank 2010 bereits leicht von 6,6 auf 6,4 Prozent.

Laut BCG ist das aber nur der Beginn einer Entwicklung. Das gilt zum Beispiel für die Schweiz, dem weltweit wichtigsten Offshore-Zentrum. "Über die Hälfte aller Anlagen in der Schweiz kommen von anderen europäischen Ländern, die ihre Aufsicht über das grenzüberschreitende Bankgeschäft verstärken", heißt es in der Studie. "Als Ergebnis wird die Schweiz einen signifikanten Rückgang der Anlagen westeuropäischer Kunden erleben." Mit einer ähnlichen Entwicklung sei auch in Luxemburg zu rechnen. Neben Deutschland hatten zuletzt auch die Vereinigten Staaten versucht, von der Schweiz Daten ihrer eigenen Steuerbürger zu bekommen. Diese suchen jetzt nach anderen Anlageformen oder -plätzen.

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