Von M. Winter

Wird das Swift-Abkommen gestoppt? In Brüssel zeichnet sich eine Mehrheit für ein Nein ab - die USA könnten dann nicht mehr auf europäische Bankdaten zugreifen.

Das Abkommen über die Weitergabe der Daten europäischer Bankkunden an die USA steht vor dem Scheitern. Nach der Lektüre des Vertragstextes zeichnet sich im Europäischen Parlament eine Mehrheit für ein Nein ab. Ohne Zustimmung der Abgeordneten kann der Vertrag, der vorerst neun Monate gelten sollte, nicht in Kraft treten. Auch die künftige EU-Justizkommissarin Viviane Reding rückte von den Abkommen ab. Sie sei nicht davon überzeugt, dass die Übermittlung dieser Daten an die US-Behörden im Kampf gegen den Terrorismus notwendig oder effektiv sei, sagte sie am Abend in Brüssel.

Swift, Foto: dpa

Streit um das Swift-Abkommen: Im Europäischen Parlament zeichnet sich eine Mehrheit für ein Nein ab. (© Foto: dpa)

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Stimmt das Parlament nicht zu, wäre den US-Geheimdiensten zum ersten Mal seit 2002 der Zugriff auf europäische Bankdaten komplett verwehrt, die von dem in Belgien ansässigen Unternehmen Swift verwaltet werden. Swift wickelt Finanztransaktionen für fast alle Banken und Finanzinstitutionen weltweit ab.

Die parlamentarischen Beratungen über den von der EU-Kommission mit Washington ausgehandelten Vertrag sind in den Fraktionen zwar noch nicht abgeschlossen. Am Donnerstag schlossen sich auch prominente Mitglieder der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) der Kritik von Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen an dem Abkommen an. Werner Langen, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe in der EVP, rechnet mit einer Mehrheit gegen das Swift-Abkommen. "Wir halten es inhaltlich für falsch." Sein Stellvertreter Markus Ferber (CSU) führte an, dass das Abkommen etwa die Weitergabe der Daten an Dritte und ihren Missbrauch nicht verhindere, dass es keine klaren Rechtsmittel für die Betroffenen gebe. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum die Daten fünf Jahre lang gespeichert werden sollen.

Transatlantisches Problem

Unterstützung erhielten die EVP-Abgeordneten vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). "Ich habe Vorbehalte, dass da international Daten herumgeistern", sagte er am Donnerstag am Rande eines Besuchs in Brüssel. Sollte sich nicht nur die CDU/CSU-Gruppe auf ein Nein festlegen, sondern eine Mehrheit der EVP, dann gibt es keine Chance mehr für das Swift-Abkommen. Es gilt es als wahrscheinlich, dass die Sozialdemokraten und die Liberalen mit großer Mehrheit oder sogar geschlossen dagegen stimmen werden. Gleiches gilt für die Grünen und die Linke.

Die EU steht damit vor einem transatlantischen Problem: Sie hat mit den USA den 1. Februar als Starttag für das Abkommen vereinbart. Da das Parlament aber frühestens am 9. Februar abstimmen kann, weil der Text den Abgeordneten erst Anfang der Woche zugeleitet wurde, erwarten sie, dass der Vollzug bis dahin ausgesetzt wird. Sollte dies nicht geschehen, werde sich die "Ablehnungsfront noch verstärken", sagte Langen.

Das Abkommen über die Weitergabe von Bankdaten zur Terrorismusbekämpfung war nötig geworden, nachdem Swift seine Rechner mit den europäischen Daten aus den USA nach Europa verlagert hatte. Bis dahin bedienten sich die amerikanischen Geheimdienste auf Grundlage der US-Heimatschutzgesetze bei den Datenbanken.

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(SZ vom 29.01.2009/tob)