Vor zehn Jahren stand der Begriff Roaming erstmals auf der Agenda der Europapolitiker. Roaming bedeutet, dass Kunden einer Mobilfunkgesellschaft im Ausland das Netz eines anderen Anbieters benutzen - und für die internationale Erreichbarkeit höhere Telefongebühren zahlen.
Anzeige
Damals wurden viel zu hohe Gebühren fällig, wie der EU-Wettbewerbskommissar fand. Seitdem kämpft die EU-Kommission gegen überteuerte Handykosten bei Auslandsgesprächen. 2007 führte Brüssel erste Preisobergrenzen ein. Zum 1. Juli verbucht die Kommission jetzt einen weiteren Erfolg. Europas Mobilfunkbetreiber müssen pünktlich zur Ferienzeit erneut ihre Preise senken.
Künftig kostet ein ausgehender Roaming-Anruf innerhalb der Europäischen Union maximal 39 Cent pro Minute plus Mehrwertsteuer. Wer mit seinem deutschen Handy ein Gespräch im europäischen Ausland annimmt, zahlt einen Höchstpreis von nur noch 15 Cent. Erstmals reguliert die EU auch Preise für das Datenroaming, also die Nutzung von internetfähigen Laptops und Smartphones im Ausland.
Warnung gegen den Rechnungsschock
Eine automatische Kostenobergrenze liegt bei 50 Euro, sofern der Nutzer nicht selbst ein niedrigeres oder höheres Limit gewählt hat. Alle Preise gelten zuzüglich Mehrwertsteuer. In Deutschland beträgt die gesetzliche Obergrenze somit 46 Cent für das ausgehende Gespräch, 18 Cent für den eingehenden Anruf, die Daten-Obergrenze liegt bei 59,50 Euro.
"Touristen und Geschäftsreisende, brauchen nun keine Rechnungsschocks mehr zu fürchten", sagte die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes. Die Preise für ein- und ausgehende Anrufe auf Reisen innerhalb der EU sind heute um 73 Prozent niedriger als noch im Jahr 2005. Zum Vergleich: Ein Deutscher, der nach Frankreich reiste, zahlte 1,49 Euro für eine ausgehende Gesprächsminute.
Die Betreiber müssen ihren Kunden bei jeder Einreise in ein anderes EU-Land künftig außerdem die geltenden Datenroaming-Tarife mitteilen. Sie sind zudem verpflichtet, dem Nutzer eine Warnung schicken, sobald er 80 Prozent der festgelegten Kostenobergrenze erlangt hat. Wenn diese Grenze erreicht ist, muss der Betreiber die Mobilfunk-Internetverbindung unterbrechen, sofern der Kunde nicht ausdrücklich erklärt, dass er die Nutzung von Datenroamingdiensten fortsetzen möchte.
Außerdem sinkt die Obergrenze bei den Preisen für Datenroaming, die sich die Betreiber in Rechnung stellen von einem Euro auf 80 Cent pro Megabyte. Im kommenden Jahr fällt der Preis weiter auf dann 50 Cent.
Der Kampf geht weiter
Auch die Handypreise werden sinken: Für ausgehende Gespräche liegt die Preisgrenze ab Juli 2011 bei 35 Cent, für eingehende Telefonate bei elf Cent.
Damit ist der Kampf der EU-Kommission noch nicht beendet: "Ich bin entschlossen, für mehr Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt zu sorgen", erklärte Kroes. Die Kommission wird bis zum 30. Juni 2011 die Auswirkungen ihrer Verordnung überprüfen.
Die 2007 eingeführte Regelung gilt zunächst bis zum Jahr 2012. Bis 2015 sollen Roaminggebühren ganz abgeschafft werden. Der Kampf der EU müsse weitergehen, sagen auch Verbraucherschützer. Jede Preissenkung sei erfreulich, doch die Kosten halten sie nach wie für zu hoch.
Erst Anfang Juni wurde die Gebührenverordnung vom Europäischen Gerichtshof bestätigt. Die führenden europäischen Mobilfunkanbieter Vodafone, Telefonica O2, Orange und T-Mobile hatten gegen die Verordnung geklagt. Ihrer Ansicht nach hatte die EU unzulässig in den Markt eingegriffen und überzogene Preissenkungen erzwungen. Die Richter entschieden jedoch, die Begrenzung der Auslandstarife sei "geeignet und erforderlich" gewesen.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
- Handy: Kostenfalle Ausland Billiger telefonieren 29.06.2010
- Bankgebühren Arme Kunden unerwünscht 24.05.2010
- Leben ohne Bankkonto Gefangen in der Abwärtsspirale 14.05.2010
- Preis für Briefmarken Post denkt über höheres Porto nach 27.06.2010
- Kostenbremse Das Sparpaket der Post 12.06.2010
(SZ vom 30.06.2010/stl/hgn)
Glauben sie ernsthaft bei der SZ weiß jemand, wie man Mails verschlüsselt? Die wissen doch nicht mal was von Firefox mit Addon Deutsche Rechtschreibung.
Bitte nicht zuviel verlangen von Leuten, die keine techn. Studium absolviert haben.
Das Bessere, sprich Billigere und Einfache, Ist der Feind des Guten. Immer die gleichen Fehler im Marketing, wie bei der Bahn. Es nutzt diese Dienst-Leistungen nur wer muss.
Ich zumindest fahre nur noch im Nahverkehr Zug und das nur weil alles andere unsinnig ist. Aber Briefe versenden wie früher oder längere Strecken Bahn fahren, doch nicht in Deutschland. Viel zu umständlich und viel zu teuer. Zumindest ich bin doch kein Eurokacker und selbst die fahren Cedes oder BiEmDabbelju. Versuchen sie doch mit ihrer Familie in den Urlaub mit der Bahn zu fahren! Vergessen sie es. Allein schon die Auskunft. Will ich etwas mühselig und umständlich von der Bahn, oder will sie etwas verkaufen?
Verschlüsselungen und Signaturen gibt es völlig kostenfrei. Schön zu lesen, dass die kritische Berichterstattung dies nicht erwähnt.
Anspruchsvoll???
.. hat Grund zu befürchten, dass später die reine Online-Variante wieder 55 Cent kosten wird, mindestens. Mit Musik noch mehr.
Und ...rechtzeitig zum Auslaufen des Postmonopols wird die Post eine Zwangsabgabe für jeden Haushalt einfordern.
Sie denken, damit haben die keine Chance? Das haben wir bei den Investmentbanken auch mal gedacht...
E-Mails kann man heute auch schon selber(!) verschlüsseln, Sortieren und sonstiger Schnickschnak-Pipapo wofür die Post kräftigst kassieren will kann ich alles für lau schon auf meinem Pc mit meinem (!) Email-Client erledigen.
Da möchten die Herren Hinterwäldermanager der Post wohl noch dümmere Geschäfstkundenmanager kräftig über den Tisch ziehen.
Aber Fakt ist: Gehen auf sowas größere Firmen ein und nutzen diesen Dienst sind anhängende Geschäftskunden und Firmen wohl oder übel gezwungen früher oder später auf diesen Abzockdienst mit aufzuspringen. Die Post hofft da wohl auf einen Selbstläufer - und ruckzuck sind private Emails auch schon kostenpflichtig...
Paging