Die Wall Street sackt zu Handelsbeginn zwar deutlich ab - doch Händler hatten zuvor noch einen viel kräftigeren Kursrückgang erwartet.
Die amerikanischen Börsen haben am Dienstag mit deutlichen Verlusten eröffnet, allerdings fielen sie nach der Zinssenkung durch die US-Notenbank weit weniger heftig aus als in Europa.
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Der Dow Jones gab im frühen Geschäft gut zwei Prozent nach. Der Nasdaq Composite verlor rund drei Prozent.
Mit Entsetzen hatten US-Investoren tags zuvor den Absturz an den übrigen Weltmärkten verfolgt, als die US-Börsen wegen eines Feiertags geschlossen blieben. "Nun haben wir einen Bärenmarkt", zeigte sich ein Börsianer überzeugt von einer anhaltenden Talfahrt.
Sofort wurden leidvolle Erinnerungen an frühere Börsencrashs 1929 und 1987 wach - und natürlich an den Einbruch nach den Terrorattacken des 11. September 2001.
Die überraschende Zinssenkung der Fed um einen Dreiviertelpunkt auf 3,50 Prozent wurde auf dem Parkett zwar begrüßt - aber sogleich folgte der Ruf nach mehr.
"Die Fed hat so lange mit deutlichen Schritten gewartet, nun müssen die Zinssenkungen noch drastischer ausfallen", sagten Experten. Auch von der Europäischen Zentralbank verlangen viele an der Wall Street niedrigere Zinsen.
Die Frage einer tatsächlichen Rezession in den USA nannten Broker eine nur noch rein akademische Diskussion. "Ob das offiziell Rezession heißt oder nicht, ist mir ziemlich egal - hier werden gerade viele Milliarden Dollar vernichtet", klagte ein Händler auf dem Parkett der weltgrößten Börse NYSE an der Wall Street.
Wie zuvor in Europa und Asien konnten die Börsianer den aktuellen Auslöser für die plötzliche Panikstimmung nicht wirklich ausmachen.
Die seit Monaten laufende Kreditkrise hatte bereits mehrfach zuvor wie Blei die Kurse nach unten gezogen.
Viele US-Investoren wollten daher zuletzt der Malaise zu Hause entkommen und schaufelten Milliarden in die Märkte in Asien und Europa - nur um jetzt dort ihr Debakel zu erleben. Nun ziehen sie ihr Geld scharenweise in Panikverkäufen wieder ab und beschleunigen damit die Abwärtsspirale weltweit weiter.
Am Montag hatten die US-Börsen geschlossen, während es an den Börsen weltweit zu Kursstürzen kam. So verlor etwa in Deutschland der Leitindex Dax rund sieben Prozent.
Der Trend setzte sich am Dienstag fort, als der Dax zunächst rund fünf Prozent verlor. Gegen Mittag lag der Index noch 2,3 Prozent im Minus bei 6635 Stellen, nach der US-Zinssenkung drehte er zeitweise ins Plus, verlor dann aber wieder.
(sueddeutsche.de/hgn)
Christopher Lee zum 90.
Ist es nicht ironisch? Weltweit die einzige Börse, die NICHT zusammenbrach, war Wall Street. Die New Yorker Händler hatten den Zusammenbruch am folgenden Vormittag erwartet, gefolgt von einer Fed-Aktion am Nachmittag, um so doppelte Profite zu einzufahren. Doch die Fed machte ihnen einen Strich durch die Rechnung und senkte schon in aller Frühe, noch vor Eröffnung der Börse. Die 18 regionalen Fed-Präsidenten waren sich einig, mit nur einer Stimmenthaltung. Wie Fed-Gouverneur Bernanke bereits mehrfach betont hatte, liegt der Fed nichts daran, in- und ausländischen Spekulanten zu helfen.
Wäre mal Zeit einen Artikel über die Bedeutung des Leitzins zu schreiben. Man kann das ja auch im Internet lesen, aber es wäre schön wenn die Welt begreift was da eigentlich geschieht und was das für uns alle für Folgen hat.
Ich glaube nämlich das man um Panik zu vermeiden sich gern mit abstrakten Begriffen ausdrückt. Mir schlägt es jedenfalls gewaltig auf den Bauch wenn mein Geld auf einen Schlag weniger Wert ist, auch wenn die Auswirkungen etwas dauern.
Vereinfacht: Weil die Börse nicht kontrollierbar ist und sich die Bänker sich verzockt haben muß nun jeder Weltbürger den Schaden durch Reduktion seines Geldvermögens begleichen. Was lernen die Jungs daraus? Das sie machen können was sie wollen, ihnen gehört ja eh die Welt!
Ist das Timing Zufall, dass der Crash der Börsen am amerikanischen Feiertag kam, also an einem Tag an dem die amerikanischen Aktien nicht gehandelt werden konnten? Das hat zumindest dort zu einer Eindämmung der Panikverkäufe geführt obwohl die Unternehmen dort in eine düsterere Zukunft schauen als die hiesigen in Europa. Es scheint keinen echte negative Neuigkeit gegeben zu haben. Eine Börse hat die nächste mit nach unten gezogen hat, unabhängig von den tatsächlichen Aussichten.