Manager Rajaratnam verurteilt Wall-Street-Betrüger muss für elf Jahre in den Knast

Das kriminelle Netz reichte von der Wall Street bis ins Silicon Valley, Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam zog die Fäden. In einem der spektakulärsten Insiderverfahren der Finanzgeschichte ist er nun verurteilt worden. Die Ermittler wandten Methoden an, die bisher nur im Kampf gegen den Terrorismus und die Mafia zum Einsatz kamen.

Von Von Moritz Koch, New York

In besseren Zeiten erzählte Raj Rajaratnam gern aus seiner Heimat Sri Lanka, und es war ihm ein besonderes Vergnügen, die Bedeutung seines Namens preiszugeben: "König aller Könige". Als sei sein Aufstieg Bestimmung gewesen. Er, der Einwanderer, hatte sich zu einem der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager der USA emporgearbeitet. Bis auf die Forbes-Liste der reichsten Amerikaner hatte Rajaratnam es gebracht. Doch die märchenhafte Erfolgsgeschichte endete im Morgengrauen des 16. Oktobers 2009, als Bundespolizisten den Spekulanten in seiner New Yorker Luxuswohnung festnahmen.

Raj Rajaratnam, einst einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager der USA, ist zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

(Foto: AFP)

Und nun ist klar: Ein Comeback wird es so bald nicht geben. Ein Bundesgericht in Manhattan verurteilte ihn zu elf Jahren Haft. Der "König aller Könige" geht als Rädelsführer eines Betrügerrings in die Geschichte der Wall Street ein und wird mit dem härtesten Urteil bestraft, das jemals in den USA wegen Insidergeschäften verhängt wurde. "Rajaratnam zählte zu den Besten und Klügsten, doch Gier und Korruption führten zu seinem Sturz", sagte Preet Bharara, der für Manhattan zuständige Bundesanwalt.

"Die heutige Botschaft ist klar: Es gibt Regeln und Gesetze, und die gelten für jeden, egal wer du bist und wie viel Geld du hast." Noch drastischer war die Urteilsbegründung von Richter Holwell: In Rajaratnams Verbrechen "spiegelt sich ein Virus, der unsere Wirtschaftskultur befallen hat und ausgemerzt werden muss". Nur sein Engagement für wohltätige Zwecke und sein schlechter Gesundheitszustand bewahrten Rajaratnam vor einer noch härteren Strafe.

Der 54-Jährige ist Diabetiker und braucht eine neue Niere.Das Netz reichte von der Wall Street bis ins Silicon Valley Die Verkündung des Strafmaßes ist der Höhepunkt eines der spektakulärsten Insiderverfahren der Finanzgeschichte. In den vergangenen 18 Monaten klagte Bharara 46 weitere Geschäftsleute an, 35 wurden verurteilt. Das Netz, in dem sie ihre Informationen austauschten, reichte von der Wall Street bis ins Silicon Valley.

Rajaratnam zog die Fäden. Seine Kontakte in Aufsichtsräten, Beratungsgesellschaften, Banken und Hedgefonds spielten ihm Geschäftsergebnisse, Übernahmepläne und Investitionsentscheidungen zu, bevor diese öffentlich gemacht wurden. Rajaratnam reichte seinerseits Tipps weiter, etwa über Vorhaben der Konkurrenz. Es war ein Geben und Nehmen in der Währung Wissen, ein hoch lukratives Geschäft. Jahrelang erwirtschaftete Rajaratnams Hedgefonds Galleon Traumrenditen von mehr als 20 Prozent.

Die Staatsanwaltschaft schätzte, dass er bis zu 74 Millionen Dollar einstrich. Rajaratnam war vorsichtig, aber nicht vorsichtig genug. Er ahnte nicht, dass die Ermittler auch Telefone abhören würden. Solche Methoden kamen bisher nur im Kampf gegen den Terrorismus und die Mafia zum Einsatz. Doch das Gericht ließ die Beweismittel zu - das machte den Prozess zum Präzedenzfall. Kein Spekulant kann sich mehr einreden, dass Insidergeschäfte Kavaliersdelikte seien.

Einige Experten erwarten sogar, dass das harte Durchgreifen der Staatsanwaltschaft die Wall Street ähnlich stark verändern wird wie die Finanzreform von Präsident Obama. Auch renommierte Firmen gerieten durch die Ermittlungen ins Zwielicht. Allen voran die Beratungsfirma McKinsey.

Der frühere McKinsey-Partner Anil Kumar hat gestanden, Rajaratnam mit Informationen versorgt zu haben. Die Börsenaufsicht SEC hat zudem Rajat Gupta verklagt, den langjährigen McKinsey-Chef. Die Verwicklungen treffen die Firma an einem sensiblen Punkt. Berater kommen ständig mit brisanten Informationen in Kontakt, ihre Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass dieses Wissen vertraulich behandelt wird.