Die Korea Development Bank wird offenbar doch nicht bei der US-Investmentbank Lehman Brothers einsteigen - prompt stürzte der Wert der Lehman-Aktie ins Bodenlose.

Die Finanzkrise kehrt mit voller Wucht an die amerikanische Börse zurück. Vor wenigen Tagen noch mussten die taumelnden Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac unter staatliche Kontrolle gestellt werden - jetzt trifft es die traditionsreiche Investmentbank Lehman Brothers.

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In der Krise: Die angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers sucht einen neuen Geldgeber. (© Foto: dpa)

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Im Jahr 1850 wurde die Bank gegründet, sie überstand den amerikanischen Bürgerkrieg - doch die Finanzkrise könnte nun den Kollaps bedeuten. Denn das Institut braucht Geld - und im besten Fall so schnell wie möglich. Da kam die staatlich kontrollierte Korea Development Bank (KDB) gerade zur rechten Zeit. Das Institut war in Verhandlungen mit den Lehman-Eignern eingestiegen. Es ging um eine Beteiligung, die sechs Milliarden Dollar in die Kassen spülen sollte.

4,4 Milliarden Dollar vernichtet

Nun könnte der Traum vom schnellen Geld jäh geplatzt sein. Denn an der Wall Street kursieren Gerüchte, die KDB habe die Gespräche beendet. Ohne Ergebnis, aus Mangel an konkreten Fortschritten. "Es gibt keine Gespräche mehr über ein Geschäft zwischen beiden Seiten", sagte ein südkoreanischer Behördenvertreter, der nicht genannt werden wollte.

Die Märkte sind sensibel in diesen Tagen - und so reagierte auch die Börse prompt. Die Aktien von Lehman Brothers brachen nach der Nachricht regelrecht ein. Wegen massiver Sorgen um die Liquidität verloren die Papiere nahezu die Hälfte ihres Wertes. Sie stürzten um 46 Prozent auf den tiefsten Stand seit rund zehn Jahren. 4,4 Milliarden Dollar Börsenwert wurden so auf einen Schlag vernichtet.

Ganz aus dem Rennen ist die KDB aber offenbar noch nicht. Ein Sprecher der koreanischen Finanzmarktaufsicht sagte, der Vorsitzende der Behörde habe entgegen der Darstellung keine entsprechenden Äußerungen gemacht. Auch KDB-Chef Min Euoo Sung äußerte sich nicht zum Verhandlungsstand. "Ich denke, dass ist derzeit die beste Strategie für uns", sagte Min, der mit seinem Institut innerhalb der nächsten fünf Jahre unter die Top drei der Investmentbanken in Asien aufsteigen möchte.

Hohe Abschreibungen erwartet

Trotzdem wird der Druck auf die angeschlagene Bank immer größer. Lehman muss schnellstmöglich Geld bekommen, deshalb sollen auch Teile des Immobiliengeschäfts und der wertvollen Vermögensverwaltung verkauft werden.

Nun will die Bank überraschend die Vorlage ihrer Quartalszahlen vorziehen. Bereits am Mittwoch sollen die Ergebnisse des Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartals und dabei auch entscheidende strategische Initiativen vorgestellt werden. Analysten rechnen bei den Quartalsergebnissen mit einem erneuten massiven Verlust sowie weiteren hohen Abschreibungen.

Ursprünglich wollte Lehman Brothers die Zahlen gut eine Woche später vorlegen. Die mit Milliardenverlusten kämpfende viertgrößte US-Investmentbank geriet zuletzt auf der Suche nach neuen Geldquellen immer stärker unter Druck. Lehman Brothers hatte bereits im vergangenen Geschäftsquartal einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar verbucht. Die Bank holte sich zudem eine dringend benötigte Kapitalspritze von sechs Milliarden Dollar und löste ihre Finanzchefin ab. Insgesamt ist Lehman mit mehr als 60 Milliarden Dollar am krisengeschüttelten US-Hypothekenmarkt engagiert.

Mit Sorge blickt die US-Wirtschaft nun auf die angeschlagene Bank. Erinnerungen an die Krisenbank Bear Stearns werden wach. Die renommierte US-Investmentbank war durch Fehlspekulationen in eine bedrohliche Krise gerutscht. Die Regierung griff ein und steuerte den Verkauf an den Konkurrenten JP Morgan Chase - in allerletzter Sekunde wurde die Pleite verhindert.

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(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob/mel)