Währungen Schwacher Euro? War da was?

Ist es wirklich erst ein paar Monate her, dass der Euro bei 1,17 Dollar stand? Trotz der Schuldenkrise steuert er schon wieder in Richtung 1,40 Dollar. Kein Wunder, dass die Zentralbank nun ein Ende der Geldschwemme diskutiert.

Von H. Einecke

Scheinbar aus dem Nichts gewinnt der Euro an Kraft. Fast 1,40 Dollar ist er wert, obwohl die Schuldenkrise in Europa keineswegs ausgestanden ist. Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien - alle fünf sogenannten PIIGS-Staaten - gelten am Kapitalmarkt als Wackelkandidaten. Sie müssen für die Aufnahme neuer Schulden hohe Zinsen zahlen. Wirkt der riesige Rettungsschirm Wunder, den die Staaten im Frühjahr aufgespannt haben? Zur Erinnerung: Damals war der Euro auf 1,17 Dollar abgesackt, einige sahen das Auseinanderbrechen der Währungsunion vorher.

Der Euro steuert Richtung 1,40 Dollar.

(Foto: SZ-Graphik)

Tatsächlich haben internationale Anleger ihre Meinung geändert, wie eine Umfrage der US-Bank Morgan Stanley ergab. Sie preisen inzwischen eine Umschuldung der Mittelmeer-Länder ein, erkennen auch den politischen Willen zum Zusammenhalt der Währungsunion an. Aber es gibt noch mehr Gründe für die Stärke des Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) fährt einen anderen Kurs als die Notenbanken in den USA und Japan. Das lässt die Geldanlage in Euro attraktiver erscheinen und zieht ausländisches Kapital an.

An diesem Donnerstag treffen sich die Notenbankchefs der Euro-Mitglieder im Frankfurter Eurotower, um kurz vor der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington ihre Strategie abzustimmen. Wegen der hohen Schulden einiger Mitgliedsländer und der Turbulenzen um den Euro hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ein ehernes Gesetz gebrochen und seit Mai Staatsanleihen gekauft. Zwar nennt die EZB keine Details, aber je prekärer die Lage in den PIIGS-Staaten war, desto umfangreicher die Beträge, mit denen sie eingriff. Letzte Woche zeigte sich das im Fall von Irland erneut.

Dennoch mehren sich aus dem EZB-Rat Stimmen, die eine Ende der Politik des leichten Geldes signalisieren. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark nannte die vermehrte Kreditvergabe in der Eurozone einen möglichen Wendepunkt. Noch deutlicher war die Sprache der Banken, die inzwischen weitaus weniger Geld von der Zentralbank benötigen als vor einem Jahr. Sie mussten in der vergangenen Woche 225 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen, die sie sich gegen die Hinterlegung von Wertpapieren für mehrere Monate geliehen hatten. Aber sie nahmen nur 133 Milliarden Euro neu auf. Viele Analysten werteten dies als ein Zeichen dafür, dass der Finanzsektor im Euroraum nicht mehr so anfällig ist wie vor einem halben Jahr.

Anders als Japan und den USA

Bundesbankpräsident Axel Weber betonte, über den Jahreswechsel hinweg würden die Banken noch reichlich mit Geld versorgt. Das sorgt für mehr Sicherheit bei der Planung der Kreditwirtschaft und der Geldanleger. Dennoch dürften die Befürworter eines eher harten geldpolitischen Kurses im EZB-Rat einen Vorstoß machen, um ein Ende der Geldschwemme zumindest in Aussicht zu stellen. Die meisten Beobachter erwarten, dass die EZB zunächst die Daumenschrauben bei den großzügigen Aufkäufen von Wertpapieren ansetzt und den Leitzins bis in die zweite Hälfte des kommenden Jahres hinein unangetastet lässt. Der verharrt auf seinem Tiefstand von einem Prozent.

Die Diskussion innerhalb der Eurozone unterscheidet sich damit stark von den Überlegungen in den USA oder Japan. In den Vereinigten Staaten gilt es als sicher, dass die Notenbank erneut die Geldpresse anwirft, falls die Konjunktur nicht so läuft wie gewünscht. Die Japaner haben bereits Nägel mit Köpfen gemacht und ihren minimalen Leitzins auf Null gesenkt. Weil die Anleger also auf sinkende Wechselkurse und anhaltenden Null-Zinsen in den übrigen großen Währungszonen spekulieren, gewinnt der Euro plötzlich an Stärke. Auch die Folgen dieser Entwicklung muss der EZB-Rat einkalkulieren.

Analysten der WestLB haben ausgerechnet, dass eine Aufwertung des Euro um ein Zehntel innerhalb von zwei Jahren zu einem um einen Prozentpunkt niedrigeren Wachstum in der Eurozone führt. Deutschland wäre aufgrund des höheren Anteils von Investitionsgütern etwas geringer betroffen. Hierzulande würde das Wachstum um rund 0,8 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Die starken Schwankungen der Währungen relativieren allerdings solche Ausblicke in die Zukunft. Der Euro war bereits schon einmal knapp 1,60 Dollar wert, was die Exportkraft Deutschlands kaum schmälerte. Firmen können sich nämlich gegen das Auf und Ab von Währungskursen absichern.

"Hey Boss, ich brauch mehr Geld"

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