Nobelpreisträger Kahneman hat ähnliche Erfahrungen mit Menschen gemacht. Er bildete zwei Gruppen. Der ersten gab er Tassen und fragte sie, welchen Preis zwischen neun Dollar und 25 US-Cent sie fordern würden, um die Tasse zu verkaufen. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe wurden gefragt, welchen Preis sie zahlen würden, um die Tasse zu erhalten. Der Preis der Verkaufsgruppe lag bei rund sieben Dollar, während die Kaufgruppe nur knapp drei Dollar bot.

Anzeige

Affen und Menschen wollen das, was sie einmal besitzen, nur zu einem hohen Preis wieder aus den Händen geben. Kauf- und Verkaufspreis eines Hauses oder eben einer Aktie divergieren somit. Auch das erklärt, warum Menschen an verlustreichen Aktien festhalten, ja nahezu gelähmt wirken, Wertpapiere rechtzeitig zu einem niedrigen, aber immer noch akzeptablen Preis zu veräußern.

Die Irrationalität führt zu einem ausgeprägten Herdenverhalten an der Börse. "An einer Straße liegen zwei Restaurants direkt nebeneinander. In dem einen sitzt ein Gast, das andere ist leer. Zwei Passanten überlegen, in welches sie gehen sollen. Sehr wahrscheinlich wählen sie das Lokal mit dem Gast, das dadurch für die nächsten Kunden noch attraktiver wirkt. Nach diesem Muster funktionieren auch die Aktienmärkte", sagt Werner de Bondt, Direktor des Richard H. Driehaus Center for Behavioral Finance an der Universität Chicago.

Getrieben von der Euphorie

Normalerweise greifen Verbraucher zu, wenn die Preise niedrig sind. Nicht so an den Kapitalmärkten. Dort greifen die meisten Investoren erst zu, wenn die Preise schon hoch sind. Sie lassen sich von der Euphorie treiben, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten. Doch offenbar sind die Millionen Jahre alten Ur-Reaktionen in den meisten Fällen zu dominant, als dass man sich diesem Handeln entziehen könnte, wie die Tests mit den Kapuzineraffen nahelegen.

"Unsere Studien zeigen, dass dieses Fehlverhalten wohl ein unumkehrbarer Charakterzug der Menschen ist", sagt Lakshminaryanan. Der junge Psychologe macht wenig Hoffnung, dass irgendwann doch noch Lernfähigkeit bei den Menschen Einzug hält. "Selbst Bildung verändert diese Grundprinzipien menschlichen Verhaltens nicht", sagt er. Die nächste Finanzblase und die nächsten Verluste für Profi- und Privatinvestoren an den Börsen sind somit programmiert - es sei denn, und hier macht der Wissenschaftler doch ein wenig Mut, der Mensch zügelt sich. "Wir haben, anders als die Affen, die Möglichkeit, unsere Handlungen besser zu kontrollieren." Immerhin ein Fortschritt.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Anleger sind wie Affen
  2. Sie lesen jetzt Anleger sind wie Affen
Leser empfehlen 

(SZ vom 14.01.2009/mel)