Wie es der Zufall will, wurde Eve im Pleitenstaat Island erfunden, in dem jüngst auch reale Banken ins Trudeln gerieten. Und die Weltraum-Währung "interstellare Credits" hat dasselbe Kürzel wie die abgestürzte isländische Krone - IKS.
Verwaltungsratschefs sehen in virtuellen Welten vielleicht anders aus als auf Erden, doch die Floskeln sind die gleichen: die Spielfigur Hexxx. (© Foto: oh)
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Gegenüber der E-Bank hatten Islands Banken aber einen Vorteil: Sie konnten sich in die Arme der Regierung retten. In der Eve-Welt gibt es keinen Staat, allenfalls die Programmierer von CCP kämen als höhere Instanz in Frage, aber Interventionen verstoßen gegen ihre Philosophie. Die Spieler sollen ihre Probleme untereinander lösen.
Das macht die Parallelwelt für Wissenschaftler interessant. So sieht Robert Bloomfield, Wirtschaftsprofessor an der Cornell University in Ithaca, New York, in Eve kein Spiel, sondern einen Marktplatz. Er hat mehrere Studien zum Thema Onlinewelten verfasst. Das virtuelle Jenseits ist sein Experimentierfeld, auf dem er Theorien testet.
Die Probleme der E-Bank sind so betrachtet ein Fallbeispiel für ruinösen Herdentrieb. Panische Abbuchungen von Anlegern sind der Albtraum aller Banker. Fotos von Kunden, die 2007 vor Filialen der britischen Finanzunternehmens Northern Rock Schlange standen, sind zu Sinnbildern der Krise geworden. Auch die US-Bank Lehman Brothers kam zu Fall, weil Investoren ihr Geld hastig abzogen.
Floskeln, die man kennt - von Lehman Brothers
Die E-Bank kämpft noch um ihr Überleben. Das Management hofft auf eine zweite Chance. Hexxx, der Verwaltungsratschef, versucht seine Kunden zu beruhigen: "Die Berichte über die Kapitalengpässe sind überzogen."
Hinter der Spielfigur Hexxx verbirgt sich Dave Carter, er ist 29 Jahre alt und arbeitet in Chicago bei einem großen Wirtschaftsprüfer. Er kennt die Floskeln der wahren Banker also und kopiert sie meisterhaft: "Wir haben noch Möglichkeiten, neues Kapital einzutreiben, etwa mit einen Aktienverkauf und durch die Herausgabe von Anleihen."
Gleiches hatten auch die Lehman-Chefs behauptet, bis kurz vor dem Untergang. Carter sagt es selbst: "Im Kern beruht jedes Wirtschaftssystem auf Vertrauen." Und das hat Ricdic zerstört.
Nicht einmal seiner gerechten Strafe kann der Schurke mehr zugeführt werden. "Wir würden sein Raumschiff abschießen, normalerweise", klagt Hexxx, "aber CCP hat ihn aus dem Spiel geworfen." Grund der Verbannung war nicht etwa Ricdics Betrug, sondern dass er das gestohlene Spielgeld in einem Online-Auktionshaus in 6000 Dollar umtauschte. Damit hat er gegen die einzige Regel verstoßen, die CCP den Spielern vorgibt: Keine Devisengeschäfte mit Spielgeld!
Die Eve-Gemeinde diskutiert derweil über die Lehren aus der Krise. Braucht die Kunstwelt eine Finanzaufsicht? Oder sogar eine Zentralbank? Nein, findet Carter. Es solle beim freien Spiel der Marktkräfte bleiben, das sei besser fürs Geschäft. Einen passenden Begriff für sein Wirtschaftsmodell hat er parat: Anarchokapitalismus.
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(SZ vom 25.06.2009/as/tob)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
apropos Quallität: Die Währung sowohl von Island als auch von EvE-Online ist ISK nicht IKS, aber das nur am Rande.
Wieso, gibt doch eine Parallele ins reale Leben :) Wobei man auch sagen muss, dass solche Online-Auftritte den Spagat schaffen müssen, aktuell zu sein, aber keine zu große Konkurrenz zur Print-Ausgabe bilden. Also was erwarten sie? Für lau die Süddeutsche lesen? Klar dass da die Qualität abnimmt ...
Vllt vorweg, ich spiele EVE Online seit mehreren Jahren.
Deswegen: die Währung heisst ISK, wie die isländische übrigens auch.
Des weiteren ist mit den Problemen der EVE-Bank nicht notwendigerweise mit gleichen Auswirkungen zu rechnen wie in der realen Welt, ist die virtuelle Bank doch nur ein Projekt von vielen in der EVE Welt. Natürlich wird es auch hier ein paar Geschädigte geben, ein Großteil der Spieler hält sein Geld allerdings, vergleichbar mit Omas Sparstrumpf, in seinem privaten Wallet.
Banken und große Scams hat man in Eve übrigens auch schon kommen und gehen gesehen... Nur war das keine Meldung in der SZ wert. Wozu auch, ist schließlich ein Spiel und auf Golem & Co findet sich genug dazu...
@Sprachspieler
es gibt nicht nur (viele) die Spielgeld mit echtem kaufen, man kann Ihr handeln sogar logisch erklären.
Bei Onlinespielen steckt hinter dem Spielgeld viel Arbeit. Genauer gesagt stundenlanges Questen, Farming etc. in dem allzuoft stumpfsinniges Holzfällen oder Schweine jagen angesagt ist.
Es steht also tatsächlich ein gegenwert in form von Arbeit dem Spielegeld gegenüber und Arbeit kostet nunmal Geld.
Inwieweit das sinnvoll, erstrebenswert oder vernünftig ist, wird woanders zu genüge diskutiert.
Sie haben recht. Zusätzlich finde ich aber auch interessant, dass es offenbar Leute gibt, die echtes Geld (6000 Dollar wurden hier kolportiert) gegen Spielgeld in einer virtuellen Welt eintauschen.
Paging