Irdische Probleme in der virtuellen Welt: Im Internet haben 300.000 Menschen ein eigenes Bankensystem aufgebaut - und das schwächelt nun. Wie die echten Geldinstitute.
Die Schwerkraft verliert sich in der Unendlichkeit, nicht aber das Gesetz der Ökonomie. Darauf lassen die jüngsten Geschehnisse im Eve-Universum schließen, einem Teil der Milchstraße, Lichtjahre von der Erde entfernt. Zahlungsprobleme einer Großbank erschüttern das außerirdische Finanzsystem - und liefern Beobachtern vom Blauen Planeten, selbst krisengeplagt, wertvolle Einblicke in die Mechanismen unregulierter Märkte.
Die Krise macht auch vor virtuellen Welten nicht halt: Auch im Kosmos des Computerspiels Eve kämpfen die Charaktere mit einer Finanzkrise. (© Foto: oh)
Anzeige
Zugegebenermaßen ist das Eve-Universum nicht real. Es handelt sich um eine Spielwelt, ein Reich der Phantasie, programmiert von der Softwarefirma CCP. Eve ist eines der erfolgreichsten Internetspiele.
300.000 Spieler tummeln sich im virtuellen All und schlüpfen in die Rolle von Weltraumpiloten. Sie tun und lassen, was sie wollen, gründen Firmen, schmieden Allianzen oder ziehen gegeneinander in den Krieg. Die Spieler haben kein Ziel, außer vielleicht, eines Tages ein besonders phantastisches Raumschiff zu steuern.
Das gleiche Finanzsystem, die gleichen Probleme
Eve ist eine Zukunftsvision. Ein Teil der Menschheit hat die Erde verlassen. Die Raumfahrer haben knallbunte Laserwaffen und hyperschnelle Antriebssysteme erfunden, nur das irdische Knappheitsproblem haben sie noch nicht gelöst. Kanonen und Schiffe kosten eine Menge Geld, interstellare Credits, um genau zu sein. Spieler beschaffen sich Credits auf den verschiedensten Wegen, etwa indem sie Rohstoffe abbauen und damit handeln - oder sich Geld bei einer Bank leihen.
Es gibt bei Eve ein eigenes Finanzsystem, und es funktioniert prinzipiell genauso wie das der Erde. Sparer können ihre Credits bei einer Bank hinterlegen und bekommen dafür Zinsen. Die Bank, die selbst von Spielern betrieben wird, verleiht die Einlagen weiter.
Wer einen Kredit aufnimmt, kommt schneller an sein Traumschiff. Alle profitieren. Das Ganze funktioniert reibungslos, bis etwas Unvorhergesehenes geschieht. So wie vor ein paar Tagen, als die E-Bank, das größte Finanzinstitut im Eve-Universum, von einem Untreueskandal erschüttert wurde.
Der Vorstandschef der E-Bank, ein Spieler mit dem Eve-Namen Ricdic, plünderte die Konten seiner Kunden und machte sich mit einem Teil des Ersparten aus dem Staub. Da hörte der Spaß auf bei den Hobbypiloten. Sie wollten ihr Geld zurück.
Weil die E-Bank aber, wie echte Banken auch, nur eine geringe Bargeld-Reserve hat und die Einlagen in Kredite oder Wertpapiere weiterinvestiert, kam sie mit den Auszahlungen kaum nach.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Anlagebetrug Enten statt Yen 06.02.2009
- Second-Life-Gründer Rosedale "Wir werden alles aufsaugen" 12.10.2008
- Steuern auf virtuelle Währungen Zahltag in China 21.11.2008
- Virtuelle Welten Die Stabi im Cyberspace 13.05.2008
Bilder des Tages
apropos Quallität: Die Währung sowohl von Island als auch von EvE-Online ist ISK nicht IKS, aber das nur am Rande.
Wieso, gibt doch eine Parallele ins reale Leben :) Wobei man auch sagen muss, dass solche Online-Auftritte den Spagat schaffen müssen, aktuell zu sein, aber keine zu große Konkurrenz zur Print-Ausgabe bilden. Also was erwarten sie? Für lau die Süddeutsche lesen? Klar dass da die Qualität abnimmt ...
Vllt vorweg, ich spiele EVE Online seit mehreren Jahren.
Deswegen: die Währung heisst ISK, wie die isländische übrigens auch.
Des weiteren ist mit den Problemen der EVE-Bank nicht notwendigerweise mit gleichen Auswirkungen zu rechnen wie in der realen Welt, ist die virtuelle Bank doch nur ein Projekt von vielen in der EVE Welt. Natürlich wird es auch hier ein paar Geschädigte geben, ein Großteil der Spieler hält sein Geld allerdings, vergleichbar mit Omas Sparstrumpf, in seinem privaten Wallet.
Banken und große Scams hat man in Eve übrigens auch schon kommen und gehen gesehen... Nur war das keine Meldung in der SZ wert. Wozu auch, ist schließlich ein Spiel und auf Golem & Co findet sich genug dazu...
@Sprachspieler
es gibt nicht nur (viele) die Spielgeld mit echtem kaufen, man kann Ihr handeln sogar logisch erklären.
Bei Onlinespielen steckt hinter dem Spielgeld viel Arbeit. Genauer gesagt stundenlanges Questen, Farming etc. in dem allzuoft stumpfsinniges Holzfällen oder Schweine jagen angesagt ist.
Es steht also tatsächlich ein gegenwert in form von Arbeit dem Spielegeld gegenüber und Arbeit kostet nunmal Geld.
Inwieweit das sinnvoll, erstrebenswert oder vernünftig ist, wird woanders zu genüge diskutiert.
Sie haben recht. Zusätzlich finde ich aber auch interessant, dass es offenbar Leute gibt, die echtes Geld (6000 Dollar wurden hier kolportiert) gegen Spielgeld in einer virtuellen Welt eintauschen.
Paging