Von Thomas Öchsner

Obwohl einer Studie zufolge das Risiko, vorzeitig in den Ruhestand gehen zu müssen, sinkt, raten Experten zum Abschluss einer Versicherung.

Arzt ist der ungefährlichste Beruf in Deutschland. Bei Dachdeckern ist das Risiko, erwerbsunfähig zu werden und vorzeitig in den Ruhestand gehen zu müssen, besonders hoch. Das geht aus der jüngsten Studie des Brancheninformationsdienstes "Map-Report" hervor, der sich auf Daten der Deutschen Rentenversicherung stützt.

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Bei der Arbeit: Das Erwerbsunfähigkeitsrisiko ist für eine Krankenschwester besonders hoch. (© Foto: dpa)

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Laut der Untersuchung ist das Invaliditätsrisiko in Deutschland zuletzt stetig zurückgegangen. Im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 1996 lag das Risiko, wegen einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden zu müssen, noch bei 24,24 Prozent. Bis zum Jahr 2006, das nun ausgewertet wurde, ist dieser Wert auf 17,39 Prozent gesunken. Leben die Deutschen also gesünder? "Ganz so einfach ist es nicht", sagt Manfred Poweleit, Chef des Map-Reports. Das gesunkene Invaliditätsrisiko hänge vielmehr mit den "dramatischen Veränderungen in der Arbeitswelt" zusammen.

Frauen weniger gefährdet

In den vergangenen zehn Jahren sind viele hunderttausend Menschen aus Berufen mit einem sehr hohen Erwerbsunfähigkeitsrisiko ausgestiegen, egal ob es sich etwa um Dachdecker, Maurer, Maler oder Bauhilfsarbeiter handelt. Das zeigt ein Blick in die Berufsstatistik der Arbeitsagentur: Danach gab es zum Beispiel 1999 noch etwa 80.000 Dachdecker.

Die Zahl dieser Handwerker ist bis 2007 um 39 Prozent auf knapp 58000 gefallen. Und von denen sind wiederum 31,6 Prozent als arbeitslos gemeldet. 1999 hatten nur 17,4 Prozent keinen Job. Somit hat sich in der gefährdetsten Berufsgruppe die Zahl der Risikoträger innerhalb weniger Jahre halbiert.

Dadurch vermindert sich nicht nur das Invaliditätsrisiko, auch das Risiko, vor dem Erhalt der Altersrente zu sterben, sinkt. Man könnte also auch sagen: Jobs, in denen sich Menschen, vor allem Männer, im wahrsten Sinne des Wortes totgearbeitet haben, nehmen dramatisch ab. Das spiegelt sich auch bei der Lebenserwartung wider. Diese geht immer höher, zugleich geht der Vorsprung der Frauen zurück. Trotzdem lag das Erwerbsunfähigkeitsrisiko bei Frauen 2006 mit 15,41 Prozent noch deutlich niedriger als bei Männern mit 19,36 Prozent. Doch auch bei typischen Frauenberufen gibt es hochriskante Jobs: Das gilt vor allem für Krankenschwestern. Hier liegt das Risiko, erwerbsunfähig zu werden, mit einem Wert von 41,25 Prozent besonders hoch, während es bei den Vorgesetzten, den Ärzten, mit 4,11 Prozent besonders niedrig ist.

Auch wenn das Invaliditätsrisiko abnimmt, raten Stiftung Warentest und Verbraucherschützer unbedingt zum Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Der Schutz aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist äußerst dürftig: Bei Berufsunfähigkeit bekommen nach dem 2. Januar 1961 Geborene überhaupt keine Rente. Geld aus der staatlichen Rentenkasse fließt nur dann, wenn der Versicherte überhaupt nicht mehr arbeiten kann, also erwerbsunfähig ist. Wer in jüngeren Jahren durch einen Unfall oder eine Erkrankung berufsunfähig wird und kein Geld mehr verdient, kann deshalb sehr schnell zum Hartz-IV-Fall werden.

Enorme Unterschiede beim Preis

Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, empfiehlt, möglichst mit dem Einstieg in den Beruf eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Dann sind die Beiträge noch günstiger. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen geringer, für die ein Versicherer höhere Beiträge verlangt, sofern er sie nicht gleich vom Versicherungsschutz ausschließt. Die Stiftung Warentest rät zu prüfen, ob im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge ein Berufsunfähigkeitsschutz möglich ist. Wer Teile seines Gehalts in Beiträge für eine Betriebsrente umwandelt und dabei auch für die Berufsunfähigkeit vorsorgt, könne dadurch seine Steuerlast erheblich senken.

Generell gilt: Bei allen Versicherungen gibt es enorme Unterschiede beim Preis und bei den Bedingungen. Ein 30-jähriger kaufmännischer Angestellter, der eine BU-Versicherung abschließen will, kann zum Beispiel zwischen Angeboten mit Monatsbeiträgen von rund 85 bis 189 Euro wählen.

Hilfe bietet die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Im Internet können Interessenten Fragebogen zu einzelnen Versicherungen herunterladen. Ausgefüllte Bogen wertet die Verbraucherzentrale gegen eine Gebühr von 15 Euro aus und macht konkrete Vorschläge, bei welchen Anbietern ein Vertrag sinnvoll ist (www.verbraucherzentrale-rlp.de, erst "Versicherungen", dann "Beratungsangebote" anklicken).

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(SZ vom 09.06.2008/mel)