Von Markus Zydra

"Viel Spaß mit meinem Geld" - nicht nur Kleinanleger, sondern auch die meisten Millionäre sind höchst unzufrieden mit ihren Bankberatern.

Es macht einen Unterschied, ob der Kunde 10.000 Euro, eine Million Euro oder 15 Millionen Euro zur Bank trägt. Mit zunehmender Höhe der Anlagesumme nimmt sich der Berater mehr Zeit und bietet besser zugeschnittene Lösungen.

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Kurzum: In den Abteilungen des Private Banking oder Wealth Management, wie es auch heißt, gibt es den Anspruch, sich dann mehr Mühe zu geben.

Eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte zeigt nun allerdings, dass die Millionäre mit den für solche Dinge zuständigen Geldhäusern in Europa unzufrieden sind. "Es gibt ein Vertrauensdefizit", heißt es in dem Bericht "Reconnecting for Profit". Die Berater würden vor allem als Produktverkäufer wahrgenommen. "Ihren Empfehlungen wird oft mangelnde Objektivität und fehlende Expertise unterstellt", so das Ergebnis der ausführlichen Diskussionen mit 50 Bankkunden, von denen jeder ein Vermögen von mehr als 15 Millionen Dollar hat.

Fehlende Unabhängigkeit

Vor allem der Vorwurf des "Produktabverkaufs" wiegt schwer. Bislang sind solche Klagen hauptsächlich von kleineren Kunden mit deutlich weniger Vermögen gemacht worden. Offenbar geht es den Reichen nicht viel besser. Auch sie fühlen sich in Produkte reingeschwätzt. Das geht gut, solange die Märkte steigen. Doch seit die Finanzkrise die Renditen stutzt, achten natürlich auch Vermögende genauer auf das Kosten-Nutzen-Profil ihres Depots. Wer unzufrieden ist, geht weg. Wie die Studie aufzeigt, nehmen sich immer mehr Millionäre deshalb einen unabhängigen Chefverwalter, der die Angebote der einzelnen Banken gegeneinander ausspielt.

"Wir merken die zunehmende Unzufriedenheit ganz deutlich, immer mehr Kunden wechseln zu uns", sagt Andreas Grünewald, Vorstand der unabhängigen Vermögensverwaltung FIVV in München. "Die Renditen in vielen Kundendepots der Großbanken stimmen nicht. Es werden vor allem eigene Produkte verkauft, es fehlt damit die Unabhängigkeit", sagt Grünewald.

FIVV ist Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Die 172 Mitglieder, meist geführt von Exbankern, verwalten Kundengelder in Höhe von insgesamt 35 Milliarden Euro. Sie werben damit, dass ihnen die Bankanbindung fehlt. Deshalb könnten sie unabhängiger arbeiten und müssten beispielsweise auf die Produktpalette des eigenen Instituts keine Rücksicht nehmen. Bei den VuV-Mitgliedern werden meist Vermögen ab 500000 Euro verwaltet. Für geringere Beträge bieten die Geldmanager auch Fondssparpläne an, bei denen dann für den Kunden in aller Regel keine Provisionskosten anfallen, sondern eine Fixgebühr - anders als bei den Banken.

Unabhängige Finanzberatung ist in den letzten Monaten ein großes Thema geworden. Mit Einführung der EU-Richtlinie Mifid im November 2007 müssen Finanzdienstleister ihre Gebühren offenlegen. Für viele Kunden wird damit erstmals sichtbar, dass eine Bankberatung nicht umsonst ist, sondern über die beim Verkauf anfallenden Provisionen bezahlt wird. Das sind bei Aktienfonds bis zu sechs Prozent der Anlagesumme.

Vermögende Kunden haben da schon immer besser verhandelt: Sie bezahlen im Private Banking eine Fixgebühr von etwa 1,3 Prozent auf das verwaltete Kapital. Doch offenbar stimmt die Leistung der Banker oft nicht, - bei so hohen Anlagesummen wird eben viel erwartet. "Die Befragten wünschen sich, dass ihr Finanzmanager aussteigt, bevor die Märkte kollabieren. Gleichzeitig wollen sie, dass ihr Geld frühzeitig in neue Markttrends investiert wird", heißt es deutlich in der Deloitte-Studie. Solche Wünsche haben natürlich alle Anleger. Bemerkenswert ist allerdings die Tatsache, dass selbst Multimillionäre Probleme haben, diese wenigen sehr talentierten Geldverwalter zu finden.

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(SZ vom 08.05.2008/jkr)