Vermögen weltweit 72.000 neue deutsche Millionäre

Geld intelligent angelegt und ein guter Wechselkurs: Die Zahl der Millionäre steigt rasant. Am schnellsten wächst der Reichtum in China und Südamerika.

Von N. Piper

Im vergangenen Jahr haben in Deutschland 72.000 Privathaushalte den Status von Millionären erreicht. Nach einer Studie, die die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) am Donnerstag in New York vorstellte, ist die Zahl der Haushalte mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar um 21 Prozent von 350.000 (2006) auf 422.000 (2007) gestiegen.

Diese ungewöhnlich hohe Zunahme um mehr als ein Fünftel ist zum Teil Ergebnis der Euro-Aufwertung im vergangenen Jahr. Das gesamte Geldvermögen in der Bundesrepublik ist 2007 um 3,6 Prozent auf 4,8 Billionen Euro gestiegen. In Dollar gerechnet betrug der Anstieg jedoch 14,6 Prozent.

Doch auch ohne die Verzerrung durch Wechselkurse nahm der private Reichtum erheblich zu, wie die globalen Zahlen zeigen. Weltweit gab es im vergangenen Jahr 10,7 Millionen Millionärshaushalte, 11,2 Prozent mehr als 2006. Die meisten der Dollar-Millionäre leben in den Vereinigten Staaten, gefolgt von Japan, Großbritannien, Deutschland und China.

Die Last der Finanzkrise

Das Land mit der größten Millionärsdichte allerdings ist Singapur. Dort verfügt einer von zehn Haushalten über ein Geldvermögen von einer Million Dollar oder mehr. Die relativ meisten Millionäre in Europa hat die Schweiz mit einem Anteil von 7,3 Prozent an der Gesamtbevölkerung; in Belgien sind es 3,5 Prozent, in Großbritannien 2,6 Prozent, in Irland und den Niederlanden 2,3 Prozent.

Die Unternehmensberatung BCG untersucht alljährlich das Geschäft von Vermögensverwaltern auf der ganzen Welt. Die Studie für 2007 war dabei von besonderem Interesse, weil im vergangenen Jahr die ersten Auswirkungen der Finanzkrise, vor allem in den Vereinigten Staaten, zu spüren waren.

Laut BCG ist der private Reichtum aus diesem Grund zwar langsamer gewachsen als in den Jahren zuvor, regelrechte Einbrüche blieben aber aus. "In Folge der Finanzkrise wird das globale Geldvermögen vermutlich auf 100 Billionen Dollar zurückgehen", sagte BCG-Partner Victor Erni.

Umschichtung in Anleihen

Nach der Studie waren im vergangenen Jahr weltweit 109,5 Billionen Dollar in Bargeld, Aktien, anderen Wertpapieren oder Fonds angelegt - das sind 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Zahlen zeigen sich die Ausläufer einer anhaltenden Zunahme des privaten Reichtums im Zuge der jüngsten Globalisierungswelle. Seit 2002 ist das private Geldvermögen weltweit jedes Jahr um durchschnittlich ein Zehntel gestiegen.

Seit Beginn der Finanzkrise allerdings haben viele reiche Haushalte damit begonnen, ihr Vermögen von Aktien in risikoärmere Anlagen, vor allem Anleihen umzuschichten. Dabei haben sich die Unterschiede in der Vermögensverteilung weltweit verschärft. 18 Prozent aller Haushalte verfügen über ein Geldvermögen von über 100.000 Dollar, ihr Anteil am Gesamtvermögen macht jedoch 88 Prozent aus.

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