Von Marco Völklein

Katastrophe für Aktionäre: Deutsche Unternehmen haben seit 2006 ein Viertel ihres Werts verloren, vor allem bei Finanzdienstleistern läuft es nicht rund. Ein Überblick.

Die Finanzkrise hat bei vielen Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen - und auch bei deren Anteilseignern, den Aktionären. Von Februar 2006 bis Oktober 2008 fiel der Börsenwert der 300 größten deutschen Firmen um 285,2 Milliarden Euro auf nun 824,6 Milliarden Euro. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers (PwC) hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

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Die Börsen-Gewinner und -Verlierer im Überblick. (© Grafik: SZ)

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Erhoben haben die PwC-Fachleute dabei die sogenannte Marktkapitalisierung. Diese zeigt an, wieviel ein Unternehmen zu einem bestimmten Stichtag an der Börse wert ist. Als Stichtag wählte PwC den 17.Oktober 2008. Das war der bisher tiefste Stand innerhalb des Jahres 2008 für die Marktkapitalisierung der 300 größten Firmen. Seitdem schwankt der Wert um diese Marke. Gegenüber der Erhebung vom Februar 2006 zeigt sich nicht nur eine erhebliche Verringerung des Börsenwertes der Unternehmen insgesamt. Vielmehr gab es auch deutliche Veränderungen bei der Platzierung.

VW liegt vorne

An die Spitze schieben konnte sich der Autokonzern Volkswagen, dessen Kurs insbesondere von der Übernahme durch den Konkurrenten Porsche stark profitierte. Mit einem Börsenwert von 113,5 Milliarden Euro ist VW nun das teuerste Unternehmen Deutschlands. In der Rangliste konnte sich der Konzern um 13 Plätze nach vorn schieben und damit Siemens vom Spitzenplatz verdrängen. Die Münchner gaben drei Plätze ab und liegen nun auf Rang4.

Zu den größten Verlierern zählen eindeutig die Finanzdienstleister. Sie litten in Folge der Finanzkrise unter teils drastischen Kurseinbrüchen. Die Commerzbank gab zehn Plätze ab und liegt nun auf Rang 26; die Deutsche Bank rutschte vom sechsten auf den 13. Rang. Die Versicherungsriesen Allianz und Münchener Rück büßten dagegen jeweils nur einen Platz ein. Allerdings bereiteten auch sie ihren Aktionären wenig Freude: Der Börsenwert der Allianz sank um fast 40 Prozent, der der Münchener Rückversicherung um mehr als ein Viertel.

Dass sich überhaupt noch Absteiger wie etwa die Commerzbank auf den vorderen Plätzen halten können, hängt auch damit zusammen, dass andere komplett vom Kurszettel verschwanden - so zum Beispiel der Pharmahersteller Schering, der von Bayer gekauft wurde, oder die Chemiefirma Degussa, die in Evonik aufging. Insgesamt verschwanden 39 Firmen aus den Top-300. 16 Prozent davon wurden aufgekauft, viele davon von ausländischen Investoren. Wie zum Beispiel die Hypo-Vereinsbank, die mittlerweile zur italienischen Unicredit gehört.

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(SZ vom 18.12.2008/mel)