Neues Immobiliendrama in den USA Gut gefülltes Pulverfass

Bittere Folge der Finanzkrise: Die großen US-Banken sitzen auf minderwertigen Häusern in gigantischer Zahl. Schon jetzt ist der Bestand doppelt so hoch wie vor der Finanzkrise - und es dürften noch mehr werden. Ist die Wirtschaft des Landes erneut bedroht?

Für die US-Banken bahnt sich ein neues Desaster an: Sie säßen mittlerweile auf einem gigantischen Berg an Immobilien, berichtet die New York Times. Schon jetzt sei der Bestand mit knapp 900.000 Häusern etwa doppelt so hoch wie vor der Finanzkrise.

Hinzu kämen eine weitere Million Immobilien, die derzeit zwangsversteigert werden sollten, weitere Millionen könnten in den nächsten Jahren folgen, berichtet das Blatt, das sich auf Daten des Immobilienspezialisten Realty-Trac stützt. (Linktipp: Sind die Schätzungen von Realty-Trac zu hoch?)

In den letzten Jahren konnten viele Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr abbezahlen. In der Folge kam es zu einer Welle von Zwangsversteigerungen. Die Immobilienpreise brachen allerdings derart stark ein, dass die Kreditinstitute die Häuser oft in den eigenen Bestand übernahmen.

Doch sie wollen diesen Ballast möglichst rasch loswerden: Darum drohe nun - fünf Jahre nachdem der Immobilienmarkt in den USA ins Taumeln geraten war - erneut ein Teufelskreislauf in Gang gesetzt zu werden, schreibt die NYT. Der Verkaufdruck der Finanzinstitute könnte die Preise weiter absacken lassen. (Linktipp: Ist der New-York-Times-Artikel zu optimistisch?)

In den vergangenen Monaten seien die Preise bereits gefallen, bis Jahresende könnten sie um bis zu fünf Prozent einbrechen, schätze die Agentur Moody's. Für die ohnehin noch schwache Konjunktur des Landes könnte der Immobilienmarkt erneut zu einer schweren Belastung werden. Den Banken drohten neuerliche Verlust von bis zu 40 Milliarden Dollar, schätzten die Immobilienanalysten von Trepp.

Tausende Häuser verwahrlosen offenbar

Wie groß die Probleme sind, die die Institute schon jetzt mit ihrem gewaltigen Bestand an Immobilien haben, zeigen die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Los Angeles gegen die Deutsche Bank. Angeblich soll das Institut dort Tausende Häuser verwahrlosen lassen. Die Deutsche Bank zählt nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Los Angeles zu den größten Besitzern abbruchreifer Häuser. Die Deutsche Bank hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie habe nur die Rolle einer Treuhänderin, für den Erhalt der Häuser seien hingegen die sogenannten Loan Servicers zuständig. (Linktipp: Reportage des ZDF über das "unakzeptable Geschäftsverhalten" der Deutschen Bank).