USA: Konjunkturspritzen möglich Fed sorgt sich um den Aufschwung

Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert, erwägt aber weitere Hilfen für die Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch.

Von Nikolaus Piper, New York

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat sich besorgt über die Schwäche des Aufschwungs in den Vereinigten Staaten geäußert. Der Offenmarktausschuss der Fed beschloss am Dienstag zwar keine weiteren Stützungsmaßnahmen, machte aber so deutlich wie noch nie zuvor, dass er bereit ist, noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Der Leitzins blieb unverändert in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Die Aktienkurse an der New York Stock Exchange erholten sich nach dem Beschluss der Fed.

In der US-Notenbank in Washington wird über Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft nachgedacht.

(Foto: Shawn Thew/dpa)

Sowohl Konsumausgaben als auch Investitionen blieben schwach, hieß es in der Erklärung. Die Kapazitätsauslastung verbessere sich allmählich, "aber das Tempo der Erholung wird wahrscheinlich langsamer sein als zuvor vermutet". Wörtlich heißt es dann: "Der Ausschuss wird die Wirtschaftsaussichten und die Entwicklung der Finanzmärkte weiter beobachten und steht bereit, notfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen, um den Aufschwung zu stützen und die Inflation nach und nach wieder auf ein Niveau zurückzubringen, das mit dem Mandat (der Fed) im Einklang steht."

Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die Überzeugung von Notenbankchef Ben Bernanke, dass die Rate der Geldentwertung in den USA derzeit zu niedrig ist und leicht in Deflation umkippen kann. Ein Mitglied der Fed, der einflussreiche Chef der Federal Reserve Bank of Kansas City, Thomas Hoenig, verweigerte sich Bernankes Kurs und stimmte mit "nein".

Bereits am Montag hatte das National Bureau of Economic Research (NBER) das offizielle Ende der Rezession in den Vereinigten Staaten auf den Juni 2009 festgesetzt. Das offizielle Washington überging den lange erwarteten Schritt allerdings mit Schweigen. Die oppositionellen Republikaner wollten nicht so gerne darüber reden, dass der freie Fall der Wirtschaft fünf Monate nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama tatsächlich gestoppt worden war. Die Demokraten scheuten sich, zu viel Freude zu zeigen in einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit beharrlich über 9,5 Prozent liegt, ohne Aussicht auf Besserung.

Obama nährte unterdessen Gerüchte, der könne demnächst sein Wirtschaftsteam austauschen. Während einer Diskussion mit Mitarbeitern von Wall-Street-Firmen sagte der Präsident im Wirtschaftssender CNBC, seine Mitarbeiter müssten "eine Reihe von Entscheidungen über ihr Familienleben treffen, die auf ihre beruflichen Entscheidungen zurückwirken", sagte er etwas umständlich. Damit habe er nur seine Unterstützung für sein hart arbeitendes Team ausdrücken wollen, erklärte das Weiße Haus hinterher. Trotzdem hielten sich Spekulationen, Obama werde demnächst Finanzminister Timothy Geithner und seinen obersten Wirtschaftsberater Larry Summers entlassen.

Längste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Die Forscher vom NBER machten auch wenig Hoffnung, dass sich die Lage bald bessern könnte. Die Feststellung, dass die Rezession zu Ende sei, bedeute nicht, "dass die wirtschaftlichen Bedingungen seither günstig gewesen seien oder dass die Wirtschaft wieder bei normal ausgelasteten Kapazitäten arbeite", erklärten sie. Laut NBER war die jüngste Rezession mit 18 Monaten die längste seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Rezessionen 1973 bis 1975 und 1981 bis 1982 dauerten jeweils 16 Monate. Die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 erstreckte sich über 43 Monate. Ein Ausschuss von sieben renommierten Ökonomen hat beim NBER die Aufgabe, Anfang und Ende von Rezessionen festzustellen. Vorsitzender ist der Wirtschaftsprofessor Robert Hall von der Stanford-Universität.

Der Rückfall in eine neue Rezession gilt derzeit als eher unwahrscheinlich. Allerdings lässt die Dynamik des Aufschwungs nach, weil die Wirkungen von Obamas Konjunkturprogramm allmählich auslaufen und die Firmen ihre Lager aufgestockt haben.

Das bei weitem größte Problem dabei ist der Arbeitsmarkt. Die Unternehmen verdienen gut, aber sie stellen keine neuen Leute ein. 2009 stieg die Arbeitsproduktivität in der US-Wirtschaft um 6,2 Prozent und damit so schnell wie seit 50 Jahren nicht mehr. Die Betriebe kürzten ihre Belegschaften radikal und konnten trotzdem die Nachfrage bedienen. Inzwischen scheinen hier aber Grenzen erreicht zu sein. Im zweiten Quartal ging die Arbeitsproduktivität um 1,8 Prozent zurück. Unklar ist, ob sich die Lage damit wirklich normalisiert. Michelle Meyer, Ökonomin bei der Bank of America, ist zuversichtlich: "Die Unternehmen konnten ihre Belegschaften ausquetschen, aber das war nicht nachhaltig", heißt es in einem Bericht.