Die drohende Rezession in den Vereinigten Staaten macht mittlerweile auch der US-Notenbank Angst: Notenbank-Chef Bernanke will die Zinsen senken.

Angesichts immer größerer Rezessionsängste in den USA hat die Notenbank Fed aggressive Zinssenkungen in Aussicht gestellt. "Wegen der jüngsten Änderungen im Ausblick und der Risiken für das Wachstum könnte eine zusätzliche Lockerung der Politik nötig sein", sagte Fed-Chef Ben Bernanke am Donnerstag in Washington.

Anzeige

Bei Bedarf seien "substanzielle zusätzliche Eingriffe" nötig, um die Konjunktur zu stützen. Die Fed gehe in ihrer derzeitigen Prognose von einem schleppenden Wachstum aus, jedoch nicht von einem Abgleiten in die Rezession.

Viele Analysten werteten die Rede des obersten Währungshüters als Signal, dass die Fed die Zinsen Ende Januar um 50 Basispunkte senken könnte, um den Ängsten vor einem Abschwung frühzeitig zu begegnen.

Dollar unter Druck

Die Aktienmärkte in New York reagierten auf die Erklärung mit Kurssprüngen und drehten ins Plus. Doch die Hektik der Anleger blieb groß: Kurz darauf rutschte der Dow nämlich erneut ins Minus - schloss später aber im Plus.

Der Euro stieg über die Marke von 1,48 Dollar. In der Spitze notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,4814 Dollar, soviel wie seit Ende November nicht mehr.

Derzeit liegt das Leitzinsniveau in der Euro-Zone mit 4,00 Prozent um 25 Basispunkte niedriger als in den USA. Mit einen aggressiven Zinsschritt könnte die Fed das europäische Niveau unterbieten und damit den Dollar weiter unter Druck bringen.

Die EZB hatte wenige Stunden vor Bernankes Rede in ihrer Ratssitzung in Frankfurt die Politik der ruhigen Hand fortgesetzt und nicht an der Zinsschraube gedreht. Zugleich drohte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im Anschluss an die Sitzung offen mit einer geldpolitischen Straffung, sollten die Lohnerhöhungen in diesen Jahr zu üppig ausfallen.

"Darauf haben alle gewartet", sagte Angel Mata von Listed Equity Trading über das Zinssignal Bernankes. Der Notenbankchef habe begriffen, dass die Angst vor der Rezession in den USA wie ein Zug auf ihn zurase.

Nach Ansicht des früheren US-Finanzminister Larry Summers ist die Lage bereits äußerst heikel: "Ich gehe stark davon aus, dass sich die US- und die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt befinden und ein höheres Risiko als je zuvor in diesem Jahrhundert haben, in eine Rezession zu rutschen", sagte Summers, der unter Präsident Bill Clinton von 1999 bis 2001 im Amt war.

In den USA hat der private Konsum maßgeblichen Anteil an der Wirtschaftsleistung. Zuletzt hat eine überraschend schwache Entwicklung am Arbeitsmarkt aber Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung auch des privaten Konsums geschürt. Auch die Vereinten Nationen (UN) sehen die Gefahr einer weltweiten Rezession.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/Reuters/hgn)