Die Anzeichen für eine Zinssenkung in den USA verdichten sich: Fed-Chef Bernanke kündigte an, "außergewöhnlich wachsam und flexibel" sein zu wollen. Die Anleger freuen sich.
US-Notenbankchef Ben Bernanke hat Offenheit für weitere Zinssenkungen signalisiert. Die in den vergangenen Wochen erneut aufgetretenen Belastungen an den Finanzmärkten hätten den Ausblick für die US-Wirtschaft eingetrübt, sagte Bernanke.
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Orakelt wie einst sein legendärer Vorgänger Greenspan: Fed-Chef Ben Bernanke. (© Foto: AP)
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Diese erneuten Turbulenzen "haben teilweise die Verbesserungen im September und Oktober rückgängig gemacht." Die Fed müsse "außergewöhnlich wachsam und flexibel bleiben." Damit festigte Bernanke Erwartungen an den Finanzmärkten, dass die Fed im Dezember die Zinsen senken würde.
Ähnlich wie Bernanke hatte sich am Mittwoch bereits sein Stellvertreter Donald Kohn geäußert. "Bernankes Äußerungen waren fast die gleichen wie die von Kohn", sagte der Chefvolkswirt der Sumitomo Mitsui Bank, Etsuko Yamashita, in Tokio. "Er hörte sich so an, als ob eine Zinssenkung im Dezember bereits beschlossene Sache ist." Die Aktienmärkte in Asien reagierten mit Kursgewinnen auf die Aussagen des Fed-Chefs. Der Dollar notierte zum Euro kaum verändert.
Bei ihrem nächsten Zinstreffen am 11. Dezember werde die Notenbank die neuen Informationen über die Beschäftigungsentwicklung, den Konsum und die Lage an den Finanzmärkten gegeneinander abwägen, sagte Bernanke. Die Fed hatte den Leitzins Ende Oktober um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent gesenkt.
Der deutsche Aktienmarkt dürfte zum Wochenschluss etwas von der Erwartung weiter sinkender US-Zinsen profitieren. "US-Notenbankpräsident Ben Bernanke hat deutlich gemacht, dass er einer Zinssenkung nicht im Weg steht", sagte Heino Ruland, Anlagestratege beim Beraterhaus FrankfurtFinanz. "Wir kommen ganz gut in den Handel", prognostizierte er.
Nach Rulands Einschätzung werden insbesondere die Finanzwerte von der Erwartung sinkender US-Zinsen profitieren, da dies eine Entspannung der Kreditkrise signalisieren würde.
- Fed US-Notenbank senkt Leitzins 31.10.2007
(Reuters/woja/mah)
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Mit seiner Aussage machte es Bernanke ziemlich deutlich, dass die Fed ihr Augenmerk derzeit mehr auf die Gefahr einer Rezession als einer möglichen Inflationsgefahr richtet. Die Vermeidung einer US-Rezession ist offenbar momentan wichtiger als ein bisschen Inflationsgefahr. Bernanke kann das leicht sagen, denn die amerikanische Inflationsrate im kommenden Jahr wird nur auf 1,5 % geschätzt. Er kann also ruhig noch ein paarmal senken.
Umgekehrt die EZB. Hier liegt die Inflationsrate bereits so hoch, dass eine weitere Anhebung des Leitzins erforderlich ist, um sie zu drosseln. Angesichts des zu erwartenden weiteren Ansteigens des Euro ist dieser Schritt unumgänglich. Ob das dann die Rezessionsgefahr steigert, wird sich erweisen.