Um eine Katastrophe im globalen Finanzsystem zu verhindern, hat der Kongress das Rettungspaket für die Banken gebilligt - und einen Preis dafür verlangt.
Wie Gesetze in Washington entstehen, ist auch für Amerikaner oft schwer zu durchschauen. Das Verfahren zwischen Präsident, Senat und Repräsentantenhaus ist verwickelt und unberechenbar. Erst recht bei einem Gesetz, das so unpopulär ist wie das Rettungspaket von Finanzminister Hank Paulson. Nach einer Umfrage des Wall Street Journal lehnt ein Drittel aller Amerikaner den Plan rundheraus ab, ein weiteres Drittel ist unentschieden.
Nervöse Blicke an der New Yorker Börse: Wie lange noch wird die Finanzkrise dauern? (© Foto: AFP)
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Den Demokraten im Kongress ist das Gesetz vor allem deshalb zuwider, weil damit in erster Linie den Banken und nicht den Normalbürgern geholfen wird. Und die Republikaner mögen es nicht, weil es zu den umfassendsten Eingriffen des Staates in die Wirtschaft seit Jahrzehnten führen wird, was in einem krassen Gegensatz zu den Werten der Partei steht. Und doch wussten alle, dass sie letztlich ja sagen mussten, wollten sie nicht eine Katastrophe im globalen Finanzsystem riskieren.
Dass diese Gefahr ernst zu nehmen ist, machte am Mittwoch Warren Buffett klar, der legendäre Investor aus Omaha im Mittleren Westen. Buffett hatte zuvor fünf Milliarden Dollar in die Bank Goldman Sachs investiert - ein für die Börsen wichtiger Vertrauensbeweis. Diesen Schritt hätte er ganz sicher nicht getan, hätte er nicht darauf vertraut, dass das Rettungspaket beschlossen wird, sagte Buffett dem Fernsehsender CNBC.
Wie gefährlich die Lage immer noch ist, zeigt die anhaltende Nervosität an den Finanzmärkten. Am Donnerstag stieg in London der Zins, zu dem sich Banken untereinander für einen Monat Geld leihen, auf 4,98 Prozent, den höchsten Stand seit fast acht Jahren. Das ist ein Indiz für das gefährliche Misstrauen zwischen den Kreditinstituten.
Umgekehrt ist der Zins für amerikanische Schatzanweisungen mit einmonatiger Laufzeit auf 0,2 Prozent gesunken. Die Anleger verzichten praktisch auf jede Rendite, nur um ihr Geld in sicheren Staatspapieren parken zu können.
Vor diesem Hintergrund kam die Einigung im Kongress schnell, schneller sogar, als viele erwartet hatten. Finanzminister Hank Paulson bekam vom Kongress die Ermächtigung, bis zu 700 Milliarden Dollar auszugeben, um den Banken faule Kredite und Wertpapiere abzukaufen. Über eine erste Tranche von 250 Milliarden soll das Ministerium sofort verfügen können. Anders als in der öffentlichen Debatte oft unterstellt, geht es nicht darum, dass der Staat diese Papiere behält.
Ziel ist es vielmehr, die Märkte zu beruhigen und die Vertrauenskrise zwischen den Banken zu überwinden, und zwar mit folgendem Kalkül: Das Vertrauen ist deshalb eingebrochen, weil es für viele komplexe Wertpapiere derzeit keinen Marktpreis gibt und niemand weiß, auf wie hohen Verlusten der jeweils andere sitzt. Setzt der Staat erst einmal einen Preis, kommt der Markt wieder in Gang. Später sollen die Papiere weiterverkauft werden - im Idealfall ohne große Verluste.
Entgegenkommen in entscheidenden Punkten
Die Demokraten im Kongress hatten nun vor allem zwei Dinge im Sinn: Sie wollten Sicherungen zugunsten der Steuerzahler einbauen und die Machtbefugnisse des Finanzministers beschränken. Sie wollten sicherstellen, dass der Minister nicht zu viel zahlt und dass er später möglichst viel wieder zurückbekommt. Außerdem sollte nicht nur den Banken, sondern auch normalen Hausbesitzern geholfen werden.
Angesichts des enormen Drucks ist Finanzminister Paulson den Demokraten in entscheidenden Punkten entgegengekommen. Er akzeptierte eine Klausel, wonach der Staat einen Anteil am Kapital der Banken erwirbt, denen er hilft. Damit soll er sich schadlos halten können, falls sich die Wertpapiere eines Instituts später unverkäuflich sein sollten. Außerdem akzeptierte er eine strengere Kontrolle des Verfahrens durch den Kongress. Details waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
Paulson hat sich sogar auf eine Beschränkung der Managergehälter eingelassen, ein zwar nur symbolischer, angesichts der Unpopularität des Pakets aber wichtiger Schritt. Gescheiterte Banker sollen sich nicht mit dicken Abfindungen absetzen können. Offen war am Donnerstag auch noch, ob es Hilfen für Hausbesitzer geben wird. Die Demokraten wollen das Konkursrecht so ändern, dass Richter künftig Hypothekenverträge zugunsten von Hausbesitzern ändern können, die Regierung lehnt das ab.
Finanzminister Paulson achtete bei dem ganzen Verfahren von vorneherein auf Überparteilichkeit. Sein wichtigster Verbündeter war dabei Barney Frank, der demokratische Vorsitzende des Bankenausschusses im Repräsentantenhaus. Er war auch der erste, der am Donnerstag das Übereinkommen verkündete. "Wir haben uns auf eine Menge von Dingen geeinigt."
(SZ vom 26.09.2008/mel/aho)
Wirbel um Obama-Biographie
...findet das ganze gut und "unterstützt" die Bush Administration.
Gelesen und kopiert am 29.09.08 aus der Website von William Engdahl:
Wenn dieses Gesetz angenommen wird, dann bekommt einzig und allein der Finanzminister, wer immer das in der nächsten Regierung auch sein wird, diktatorische Vollmachten über die Verwendung von mindestens 700 Milliarden Dollar, um in Schwierigkeiten geratenen Banken zu helfen. Theoretisch könnte Paulson gemäß dem Passus, dass die Entscheidungen des Finanzministers von bzw. vor keinem Gericht angefochten werden können, die gesamten 700 Milliarden Dollar für die Rettung seiner ehemaligen Firma, Goldman Sachs, verwenden. Wenn ein demokratischer Kongress diese Vollmachten bestätigt, dann verliehe dies Paulson die Macht, die gesamte Finanzmacht der Vereinigten Staaten nach den Plänen eines Einzelnen, des ehemaligen Chefs von Goldman Sachs, zu reorganisieren. Er allein könnte dann entscheiden, wer überlebt, und wer untergeht. Nicht einmal Junius Pierpoint Morgan hatte auf dem Höhepunkt seiner Macht zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor der Schaffung der Federal Reserve im Jahr 1913 derart weitreichende diktatorische Vollmachten.
In Paulsons TARP gibt es beim Bailout von Finanzunternehmen überhaupt keine Transparenz und öffentliche Aufsicht, und das angesichts der Tatsache, dass der Mangel an Transparenz und Aufsicht genau dieser Firmen überhaupt erst zu dem Subprime-Immobiliendebakel geführt hat. Im Gesetzentwurf heißt es weiter: »Der (Finanz-)Minister ist ermächtigt, alle Maßnahmen zu ergreifen, die er zur Durchführung durch die Behörden für notwendig hält, ohne Rücksicht auf andere gesetzliche Bestimmungen in Bezug auf öffentliche Verträge.«
aus der ftd
"Die Verhandlungen über das 700 Mrd. $ schwere US-Rettungspaket für die bedrängte Finanzbranche haben sich festgefahren. Ein mit Spannung erwartetes Krisengespräch im Weißen Haus, an dem die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und Republikaner, Barack Obama und John McCain, sowie führende Kongressmitglieder teilnahmen, brachte keinen Durchbruch. Grund dafür waren hauptsächlich tiefe Gegensätze im republikanischen Lager. Das von der Regierung angestrebte Programm sieht im Kern vor, dass die Regierung Finanzinstituten faule Kredite abkauft, um damit den eingefrorenen Kreditfluss wiederherzustellen. Nach Angaben von Teilnehmern kam es bei dem Treffen im Weißen Haus zu teilweise hitzigen Wortgefechten zwischen konservativen Kongressvertretern und Demokraten. Der demokratische Senator Christopher Dodd sprach von einem "politischen Theater" und von einer "Vergeudung der Zeit". Wie er machte auch der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, zu einem großen Teil McCain dafür verantwortlich. Er habe in der Sitzung nichts dazu beigetragen, die Gegner des Konzepts in seiner eigenen Partei zu einer Übereinkunft zu bewegen, warfen sie McCain vor. Er habe kaum etwas gesagt und "nichts von Substanz", sagte Reid wörtlich."
Doch, es sind Dollar. In den USA rechnen sie selten mit Euro.
Es sind glaub ich nicht 700Mrd Dollar sondern Euro
Paging