Die Lehren aus dem Zusammenbruch der Wall Street sind klar: Es gibt keine Inseln im Finanzsystem mehr, alle Institute müssen nach ähnlichen Prinzipien beaufsichtigt werden.
Man soll in diesen Tagen niemals nie sagen. Aber nach menschlichem Ermessen dürfte das 700-Milliarden-Rettungspaket von US-Finanzminister Hank Paulson diese Woche Gesetz werden. Die Demokraten haben es im Kongress wesentlich korrigiert, die amerikanischen Steuerzahler sind besser geschützt, die Machtbefugnisse der Verwaltung wurden beschnitten. Angesichts der hochbrisanten Lage dürfte es niemand wagen, das Paket scheitern zu lassen. Andererseits ist die Rettung der Wall Street beim amerikanischen Volk - verständlicherweise - extrem unbeliebt. Daher sind immer noch Überraschungen möglich.
Im Capitol brennt noch Licht: Nach der grundsätzlichen Einigung im US-Kongress über ein Rettungspaket für die Finanzbrache steht noch die formelle Abstimmung aus. (© Foto: AFP)
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Es war eine Revolte von Republikanern, die das Gesetzespaket vorige Woche gestoppt hatte. Die Konservativen sehen darin einen Verstoß gegen die Prinzipien des amerikanischen Kapitalismus, wenn nicht sogar dessen Ende. Außerhalb der Vereinigten Staaten hofft manch einer auf genau dies: auf das Ende der US-Vorherrschaft in der Weltwirtschaft. Zumindest ist das Ganze eine "sehr, sehr demütigende Situation für die USA", wie Paulson in wohltuender Offenheit gesagt hat. Ob es dabei bleibt, hängt davon ab, wie schnell und effektiv Paulsons Gesetz umgesetzt wird, mehr aber noch davon, was danach kommt.
Der Zusammenbruch der Wall Street ist nicht das Ende des Kapitalismus oder der globalisierten Finanzmärkte. Wenn ein Haus abgebrannt ist, bedeutet das ja auch nicht das Ende der Bauindustrie. Es bedeutet, dass man keinen Zunder mehr im Haus herumliegen lässt, Rauchmelder einbaut und die Feuerwehr besser ausstattet. Auf der abstrakten Ebene sind alle einig, dass die Finanzmarkt-Regulierung besser werden muss, ganz egal, wie sie zum amerikanischen Kapitalismus stehen. Die Schwierigkeiten beginnen, sobald es konkret wird. Einige Fragen sind so komplex, dass sie nur von Finanzmathematikern zu lösen sind. Aber ein paar Eckpunkte stehen jetzt schon fest.
Es kommt nicht nur auf die Kunden an
Zum einen geht es um Institutionen. Geld- und Kreditströme sind der Blutkreislauf der Volkswirtschaft, deshalb ist der Zusammenbruch einer Bank viel schlimmer als der einer Maschinenfabrik oder einer Brauerei. Deshalb hat der Staat das Recht und die Pflicht, Sicherungen einzubauen und die Banken zu regulieren. Ausgenommen davon waren bisher Investmentbanken, Hedgefonds und andere Finanzinstitute - aus der einfachen Überlegung heraus, dass sie ja nicht das Geld der Normalbürger verwalten, sondern sogenannte "wissende" Kunden haben, Kunden, die über das Vermögen und die Kenntnisse verfügen, um hohe Risiken eingehen zu können.
Die Finanzkrise hat gezeigt, dass es nicht allein auf die Kunden ankommt. In der modernen Finanzwelt sind auch kleinere Institute so in das Gesamtsystem verwoben, dass sie dieses gefährden werden. Die Investmentbank Bear Stearns war nicht besonders groß. Trotzdem wollten die Behörden ihren Bankrott nicht riskieren. Der Schluss ist klar: Es gibt heute keine Inseln im Finanzsystem mehr, alle Institute müssen nach ähnlichen Prinzipien beaufsichtigt werden wie heute schon normale Geschäftsbanken.
Zum zweiten geht es um die modernen Produkte der Finanzwirtschaft, jene "Massenvernichtungswaffen", wie sie Warren Buffet nennt. Mit ihnen ist es wie mit Dynamit. Man kann nützliche Dinge damit machen, zum Beispiel einen Tunnel bauen. Man kann aber auch einen Weltkrieg anzetteln. Der produktive Kern der modernen Finanzderivate besteht darin, Risiken so zu portionieren, dass man mit ihnen handeln und, ja, auch spekulieren kann. Welche Katastrophen damit angerichtet werden können, wissen heute alle. Trotzdem sind sie sehr nützliche Innovationen. Sie helfen zum Beispiel deutschen Autobauern dabei, mit dem schwachen Dollar umzugehen. Nur müssen diese Produkte jetzt entschärft, sprich: standardisiert und so vereinfacht werden, dass normale Bankaufsichtsräte sie verstehen und dass sich dafür Marktpreise bilden können. Wenn die Banken dies nicht aus eigener Kraft leisten, muss es der Staat vorschreiben.
Wenn das Feuer an der Wall Street gelöscht ist, müssen diese Reformen schnell kommen - und auf globaler Ebene.
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(SZ vom 29.09.2008/mel)
Griechenland und die Euro-Zone
Herr Piper, dass Feuer ist noch längst nicht gelöscht. Es brennt immernoch lichterloh. Woher nehmen Sie sich immer die Unverfrohrenheit dieses Desaster als beendet zu erklären? Das machen Sie schon seit Monaten!! Man sollte Sie feuern, damit SIe merken, dass es doch Flammen hochschlagen. Sonst "raffen" Sie es nie! Ein toller Wirtschaftsredakteur sind Sie, streuen Deisnformationen und belügen die Leser. Sie sind nichts weiter als ein Clown oder Jeck, der seinen neoliberalen Herren die Seele verkauft hat.
Noch hat die Zeit nach dem Brand nicht begonnen. Noch brennt es lichterloh. Selbst über die Art der Löschung herrscht Uneinigkeit. Und es ist erst der Anfang. Es ist doch zu bestaunen, wie die Republikaner in den USA die Regulierung z.T. fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Bemerkenswert ist auch, dass nach deren Wunsch die Banken gerettet werden sollten, nicht die Bürger, die - mehr oder weniger unwissend - von div. Kreditinstituten regelrecht hereingelegt wurden. Zudem wird interessant zu beobachten sein, wie sich GB als natürlicher Lakai der USA bei evtl. Verhandlungen präsentieren wird.
Noch interessanter wird die Frage sein, welche Rolle die USA überhaupt noch spielen werden. Mit Sicherheit werden sie versuchen, ihre ehemalige Führungsrolle mit aller Macht zurückzugewinnen. Ob ihnen das gelingen wird, ist sehr fraglich. Leider muss man davon ausgehen, dass es wieder Kräfte geben wird, die versuchen werden, aus dem 700 Milliarden Dollar Hilfsprogramm die eine oder andere Milliarde für sich abzuzocken. Ganz im Sinne einiger Republikaner.
Tante Edit sagt:
"Sehr geehrter Herr Piper: Sie behaupten, dass der Brand ist gelöscht sei?"...stimmt so natürlich nicht .Sie behaupten, dass man daran arbeitet den Brand zu löschen. Will ihnen nichts unterstellen. MFG
"Wenn ein Haus abgebrannt ist, bedeutet das ja auch nicht das Ende der Bauindustrie"
Sehr witziger Vergleich, Her Piper! Ich hätte da auch noch eine für Sie: "Wenn man einen Hirnschlag hat, bedeutet das ja auch nicht das Ende des Lebens". Herr Piper: Der modernde Kapitalismus -so wie wir ihn kennen- hat nicht nur ein imaginiertes Haus vernichtet, sondern hat tausende Amerikaner um ihren Wohlstand gebracht. Aber das sind ja nur kollateral Schäden, nicht wahr? Warum sollte man sich als mitfühlender Mensch, Gedanken um das Leid der Menschen machen, die tatsächlich von der Krise betroffen sind? Wichtig ist das glückliche Gedeihen des Kapitals, nicht wahr Herr Piper?
"Wenn das Feuer an der Wall Street gelöscht ist, müssen diese Reformen schnell kommen - und auf globaler Ebene."
Sehr geehrter Herr Piper: Sie behaupten, dass der Brand ist gelöscht sei? Ich befürchte, dass es weiterhin lichterloh brennt. Das viel beschworenen Rettungspaket, macht nichts anderes als weiteres GELIEHENES Geld in ein schwarzes Loch zu schütten..Oder anders ausgedrückt: Die Bush-Boys wollen mit Benzin, einen Brand löschen. Und weil nicht wahr seien darf, was man nicht wahr haben will, wird als "kritischer" Journalist applaudiert bis die Hände schmerzen. Dass der Staat (und das US-Volk) durch das sog. Rettungspaket in Geiselhaft genommen und als Volks-Venture-Capitalist umgeformt wird, das scheint ihrer Meinung nach keine Rolle zu spielen, es reicht wenn man 2 - 3 Regeln in das sog. Paket einbaut und flups ist die Sache geritzt...so einfach ist das...Brand gelöscht...Haus abgebrannt...Alles gut.
Doch am kapitalistischen Horizont bahnt sich bereits eine weitere existentielle Krise an, die US-Kreditkarten-Unternehmen stehen kurz davor hops zu gehen... Was dann, Herr Piper, was dann?
Auf einen Artikel abzuheben ist ein bischen unfair. Man sollte schon die gesammelten Werke der letzten Jahre heranziehen. Da wirds dann noch schlimmer:
In den USA geht es durchschnittlich besser, weil der Staat nicht so eingreift.
Amerikaner haben ohne zu sparen einen höheren Vermögenszuwachs, weil sie intelligenter investieren.
Die amerikanische Wirtschaft brummt und wächst, weil die Gestzgebung liberaler ist
und so weiter und so fort.
Früher hieß es immer, das die Journalisten ohne besondere Ahnung zum Sportteil kommen. Jetzt ist vermutlich der Wirtschaftsteil dieses Sammelbecken. Und ab und zu dürfen dann besondere Exemplare wie Herr Piper in der Wochenend-Beilage und im Kulturteil die Überlegenheit der besonders freien Marktwirtschaft preisen.
Ich finde, jeder Journalist sollte regelmässig einen Artikel schreiben: Welche Fehler habe ich die letzten 5 Jahre in meinem Beruf gemacht. Das würde ihre Einsicht steigern.
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