Diese haben sich in den vergangenen Jahren mächtig ausgebreitet, ständig werden neue Spielhöllen eröffnet, voller leuchtender und bimmelnder Automaten. Etwa 12.300 sind es in Deutschland. Fachleute kritisieren schon lange, dass sie nicht unter die Regeln des Glücksspielstaatsvertrags fallen, sondern als Unterhaltungsautomaten vergleichsweise geringen Restriktionen unterworfen sind. Zudem sind sie nicht mit einer hohen Spielbankenabgabe belegt, sondern mit einer geringen Vergnügungssteuer.
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Der Bremer Psychologie-Professor Gerhard Meyer, ein ausgewiesener Fachmann für Glücksspielsucht, moniert, dass die Spielhallenbetreiber mit Hilfe eines Punktesystems die vom Gesetzgeber vorgegebenen Gewinngrenzen umgehen. Wegen der beträchtlichen Gewinnchancen - in Verbindung mit einer hohen Spielfrequenz - hätten die Automaten das größte Suchtpotenzial: 80 Prozent aller pathologischen Zocker seien Automatenspieler.
Es gibt noch ein weiteres Problem. In den Spielbanken, die vom Staat betrieben oder zumindest per Konzession zugelassen werden, können Spielsüchtige gesperrt werden. Deren Gesamtzahl wird bundesweit auf mindestens 100.000 geschätzt. Etwa 19.000 Betroffene sind in einer Sperrdatei registriert und werden am Eingang abgewiesen. Spielhallen dagegen kennen keine Einlasskontrolle.
Wer nicht mehr ins Casino darf, kann sein Geld also einfach in die blinkenden Spielhallen tragen. Diese haben die Casinos inzwischen sogar überholt: Von den knapp 25 Milliarden Euro Gesamtumsatz am Glücksspielmarkt entfielen im Jahr 2008 mehr als 8,1 Milliarden auf die Automaten in den Spielhallen. Der Umsatz in den Spielbanken brach dagegen von 2007 auf 2008 um mehr als 20 Prozent ein, auf gerade noch 8 Milliarden.
"Das ist ein alter Streit", heißt es in der Staatskanzlei von Kurt Beck. Schon vor Jahren haben die Länder den Bund aufgefordert, das Problem mit den Spielhöllen zu lösen. Zuständig ist das Bundeswirtschaftsministerium, doch geschehen ist dort bislang wenig. Kritiker warten zum Beispiel seit einiger Zeit auf die Ergebnisse einer Studie zum Thema, die aber nicht veröffentlicht wird.
Hängt das damit zusammen, dass die Branche berüchtigt ist für ihre aggressive Lobbyarbeit bei Politikern? Oder damit, dass sie dem Staat viel Geld bringt? "Es fließen erhebliche Steuern aus dem Automatenspiel", sagt Norbert Teufelberger, "das zu verbieten wäre politischer Selbstmord."
Teufelberger ist bestens gelaunt an diesem Mittwoch. Er ist der Chef der österreichischen Firma Bwin, die Glücksspiele im Internet vertreibt und endlich wieder Geld in Deutschland verdienen will. "Auf das Urteil haben wir uns gefreut", sagt der Firmenchef. Es sei "ein letzter Weckruf an die deutsche Politik, den Markt ordentlich zu regulieren". Und was der österreichische Wettenverkäufer darunter versteht, ist kein Geheimnis: "Wir wollen Marktzugang."
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(SZ vom 09.09.2010/aum)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Das Getöse um Suchtprävention wird doch nur hochgespielt weil Papa Staat sein Monopol retten will.
Monopole gehören entgültig abgeschafft ob es jetzt der Kaminkehrer ist der meint man hat nach seiner Pfeife zu tanzen oder unser Staat der seine Pfründe schützen will.
Wie immer die EU. Es ist immer noch besser der Staat hat das Monopol und Einnahmen kommen in unterschiedlichster Weise allen zugute, als wenn nun dubose Privatleute die Abzocke betreiben. Einbüßen wird immer der Spieler, natürlich gewinnt auch mal die Ausnahme. Langt uns denn nicht das Manipolieren der jüngsten Vergangenheit von Fussballspielen. Durch die EU wird nun allen Spekulationen Tor und Tür geöffnet.
wenn ich diesen radiospot höre, habe ich immer den eindruck, ein versprechen zu bekommen. ob das so gemeint ist?
...leider. In München haben leider in den letzten Jahren wirklich sehr viele Spielhallen neu eröffnet. Wenn ein Ort frei wird zieht nicht mehr wie früher ein 90% Sale off Schuhladen ein sondern immer öfter so eine Spielhalle. Wie das mit der Argumentation des Staates gegen die Spielsucht passen soll...wer weiß das schon?
finden in den Lottogesellschaften immer noch behagliche Abstellgleise vor. Warum diese also in Frage stellen?
Anders verhällt es sich mit den Spielhallen, dem Überflüssigsten überhaupt (nach Kirch-Media, Springer AG und Bertelsmann).
Das Problem ließe sich ganz einfach lösen: das Überfallen von Spielhallen müsste erlaubt werden.