Vattenfall blitzt ab: Der Konzern muss die Preise für die Nutzung der Stromnetze senken. Millionen Kunden hoffen nun auf Entlastung - doch sie freuen sich zu früh.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden - und die Rechte der Bundesnetzagentur im Streit mit den Stromversorgern gestärkt. Nach dem Urteil muss der schwedische Energiekonzern Vattenfall die Preise für die Nutzung seiner Stromnetze senken. Zusätzlich muss der Konzern insgesamt 50 Millionen Euro an seine Konkurrenten zurückzahlen.
Bild vergrößern
Vattenfall muss seine Netzentgelte senken. (© Foto: ddp)
Anzeige
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe befand, dass Vattenfall von seinen Wettbewerbern zu hohe Durchleitungsgebühren für die Nutzung seines Netzes verlangt hat. Diese Beträge müsse das Unternehmen in der nächsten Kalkulationsperiode zurückzahlen.
Damit endet ein Konflikt, der seit zwei Jahren erbittert ausgefochten wird. Damals hatte die Bundesnetzagentur die Kalkulation Vattenfalls in mehreren Punkten beanstandet und den Konzern aufgefordert, die Nutzungsentgelte um 18 Prozent zu senken - die Agentur wollte damit niedrigere Verbraucherpreise durchsetzen. Die Netzagentur hatte damals auch Kürzungen um 20 Prozent in fünf weiteren Fällen von Stadtwerken in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg angeordnet.
Gegen diese Maßnahme hatte Vattenfall vor dem BGH geklagt - und holte sich nun einen Korb. Das Karlsruher Gericht überprüfte die Höhe der Preise, die Vattenfall von Konkurrenten für die Nutzung seiner Stromnetze verlangte - und bestätigte in seinem Urteil die Kürzung der Gebühren durch die Netzagentur.
Hoffnung auf Entlastung
Millionen Stromkunden hoffen nun auf günstigere Strompreise, immerhin machen die Netzentgelte ein Drittel des Strompreises aus. Doch der Jubel kommt verfrüht. "Das Urteil hat wenig Auswirkungen auf die Verbraucher", sagt Aribert Peters, Gründer des Bundes der Energieverbraucher, im Gespräch mit sueddeutsche.de. Denn die von der Bundesnetzagentur durchgesetzte 18-prozentige Senkung der Netzentgelte beträfe nur einen Teil der eigentlichen Gebühr. Nämlich den Teil, der auf die Hochspannungsleitungen der Übertragungsnetze fällt.
Eine Kilowattstunde Strom vom Kraftwerk zum Verbraucher zu leiten, kostet laut Peters insgesamt 6,5 Cent - doch nur 0,5 Cent davon entfallen auf die Hochspannungsnetze, der Rest geht auf die regionalen Verteilernetze. Daher greife die von der Netzagentur durchgesetzte Entgeltsenkung nur auf diese 0,5 Cent - so wird die Wirkung entschärft. "Dieser Betrag ist zu klein, als dass der Verbraucher das spüren würde", sagte Peters.
"Einen flächendeckenden Rückgang der Strompreise für die Verbraucher wird es nicht geben", sagt auch Hubertus Bardt, Leiter der Forschungsstelle Ökonomie-Ökologie am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Durch eine Senkung der Netzentgelte werden die Preise allenfalls in einigen Gebieten leicht sinken."
Dennoch hat das Urteil für Bardt eine positive Wirkung. "Wenn Vattenfall nun die Netzentgelte senken muss und es sogar Rückzahlungen an Konkurrenten geben soll, dann wird es für Wettbewerber einfacher, in den Strommarkt einzusteigen. Das kann längerfristig zu günstigeren Preisen für die Verbraucher führen. Dieser Effekt dürfte aber durch steigende Preise für Kohle, Gas und CO2-Emissionsrechte überdeckt werden".
Anstoß zum Verkauf der Netze
Auch Sebastian Schröer, Energieexperte am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, sieht durch das Urteil einen positiven Impuls für den Strommarkt. "Der BGH hat hier einen Streit zwischen den großen Vier der Energieversorger und der Bundesnetzagentur zu Gunsten der Regulierungsbehörde entschieden", sagte Schröer. "Das ist ein sehr deutliches Signal, das die Versorger in ihrer Absicht bestärken wird, die Netze zu verkaufen."
Einige Stromkonzerne hatten bereits angedeutet, ihre Netze abzugeben - darunter auch Marktführer Eon. Energieexperte Schröer könnte sich vorstellen, dass Pensionfonds, Private-Equity-Firmen oder ausländische Netzbetreiber Interesse an den Netzen haben könnten. "Die Rendite der deutschen Netze ist zwar gering, aber dafür ist sie für Jahrzehnte garantiert - eine sehr sichere Investition also," so Schröer.
Egal jedoch, ob die Netze schnell verkauft werden oder nicht - für Aribert Peters hat das Urteil aus Karlsruhe noch eine ganz andere Wirkung: "Es ist ein wichtiges Signal. Denn das Urteil zeigt, dass die Stromkonzerne sich nicht alles erlauben dürfen."
(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/AP/jkr/tob)
Kuriose Schilder (4)
für die kunden ändert sich natürlich nichts ... der eine versorger hat am ende 18% weniger überschuss, der andere dafür mehr. der kunde kann sichs ja leisten. dazu passt dass noch nie zuvor soviel strom aus deutschland (billigst) exportiert wurde, was wir mit unseren hohen tarifen finanzieren; da gibts nur noch eins: unabhängigkeit von den stromkonzernen, strom sparen, selber produzieren.
Eine Strompreissenkung kommt bei uns Bürgern genau so sicher an wie der Merkelsche Aufschwung.
"Millionen Kunden hoffen nun auf Entlastung - doch sie freuen sich zu früh."
Wär ja auch ziemlich naiv zu denken unsere Politik/Justiz-Kaste würde etwas für den Bürger tun. Man kämpft Machtkämpfe ums eigene Ego, weil man nur sich selbst verpflichtet ist. Der Bürger ist das Lamm, an dem sich jeder Konzern schadlos halten kann. Am besten in der Konstelation des Oligopols. Da freuen sich alle Vorstände und kaufen sich einen neuen Porsche.
@ carlcomma
deswegen war ja auch beim katholisch-Fuggerschen Ablass der Vatermord billiger abzulösen als das eigene Seelenheil - ersteres kam saltener in Betracht.
Einfach einmal in den Archiven zurückblättern.
1. Der Verbraucher wird zum Sparen angeregt - nichts verwerfliches daran zu erkennen, doch ...
dann ändern sich über Jahre automatisch, und im einzelnen nicht gleich erkennbar die Gewohnheiten der
Verbraucher, begleitet durch die globalen Veränderungen.
2. Der Verbraucher sparte, ohne es direkt zu bemerken - im einzelnen - wohlgemerkt...
In der Masse auf der gleichen Schiene, spürten dies in dem hier behandelten Fall zuallererst die Strom-
versorger - aber hallo, der Rohertrag geht zurück... Was war passiert? Millionen verbraucher haben bewußt u.
unbewußt die Gewinnerwartungen der Energiekonzerne nach unten bewegt. Was tun, - die Energiekonzerne
- Verluste ausgleichen - Energie(Strom)preise nach oben um die Talfahrt zu stoppen. Nun kommt
Arbeitsbeschaffung und Volksverblödung zum Einsatz ... Strom zu Teuer ? Wechseln Sie, geht doch ganz
einfach ...Nur, diese vermeintliche, für den Verbraucher hilfreiche Sparfunktion wurde ja bei den stakkatomäßig
erfolgten vorangegangenen Strompreiserhöhungen schon mit implantiert. Nachdem das erfolgreich funktioniert hat
darf also Ihr günstiger Stromanbieter seinen Yellow - Günstigen - Qualitätsstrom - oder wie immer der von
Anbieter zu Anbieter auch benannt wird - gegen GEBÜHR beim örtlichen Netzbetreiber durchleiten.
Wer bezahlt das ... Sie .-) Warum das bis heute die wenigsten bemerken wollen, die Trickserei für die
gegenwärtige Situation der Verbraucher, seit jahren bewußt oder unbewußt zu sparen und deshalb zum
Ausgleich höhere Strompreise zu zahlen liegt ja schon Monate und Jahre zurück.Einfach einmal
Volkswirtschaftlich betrachten. Verliert ein Unternehmen einzelne Kunden - vernachläßigbar ...
Verändern jedoch Millionen von Kunden Ihre Verbrauchs und Einkaufsgewohnheiten nur um 1.00 Euro
monatlich - jetzt brauchen Sie nur noch hochaddieren ...
alles klar ,-)
( PS: Ich lasse mich gerne eines besseren belehren...
Paging