Während in Deutschland die Jagd auf Steuersünder immer weitere Kreise zieht, hat ein Liechtensteiner Gericht ein brisantes Urteil gefällt: Nach SZ-Informationen muss eine frühere Tochtergesellschaft der Fürstenbank LGT einem deutschen Steuerhinterzieher 7,3 Millionen Euro Entschädigung zahlen.
Eine frühere Tochtergesellschaft der Liechtensteiner Fürstenbank LGT muss einem deutschen Steuersünder 7,3 Millionen Euro Entschädigung zahlen. Ein entsprechendes Urteil fällte das Fürstliche Landgericht in Liechtensteins Hauptstadt Vaduz. Es befand, dass die damalige LGT-Treuhand AG den Kläger zu spät darüber informiert habe, dass seine Kundendaten und die von mehreren hundert anderen Bundesbürgern gestohlen worden waren. Der Dieb war ein früherer Mitarbeiter, der die CD mit den Daten für 4,5 Millionen Euro dem Bundesnachrichtendienst verkauft hatte. Dadurch flog vor zwei Jahren neben anderen der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel als Steuersünder auf.
Eine Liechtensteiner Bank muss einen deutschen Steuerhinterzieher entschädigen - weil er zu spät darüber informiert wurde, dass seine Kundendaten gestohlen worden waren. (© Foto: dpa)
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Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, weil mehrere Bundesbürger ähnliche Klagen planen. Die Argumentation der enttarnten Steuersünder ist im Wesentlichen dieselbe: Hätte die LGT Treuhand sie unverzüglich über den Datenklau informiert, hätten sie sich selbst beim deutschen Fiskus anzeigen oder von einer zeitweiligen Amnestie profitieren können. Das Urteil aus Vaduz ist noch nicht rechtskräftig. Die Nachfolgegesellschaft der LGT Treuhand, die Fiduco Treuhand AG, hat Berufung angekündigt.
Auch Bayern wurden Daten angeboten
Die Jagd auf deutsche Steuersünder weitet sich unterdessen aus. Auch Bayern und Baden-Württemberg wurden Datensätze angeboten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, die Entscheidung über den Kauf obliege dem Finanzministerium. Laut Spiegel geht es um die Kunden einer Schweizer und einer Luxemburger Bank.
Bereits beschlossen ist der Kauf einer Steuer-CD durch Nordrhein-Westfalen. Wuppertaler Steuerfahnder wollten diese laut Medienberichten am Wochenende im Ausland entgegennehmen. Die Bundesregierung genehmigte den umstrittenen Handel. Bund und Länder wollen das Honorar des Informanten von 2,5 Millionen Euro je zur Hälfte zahlen.
Baden-Württemberg hingegen steuert in der Frage auf einen Koalitionskrach zu. Während Finanzminister Willi Stächele (CDU) einem Kauf der Daten von 2000 möglichen Steuersündern aufgeschlossen gegenübersteht, kündigte Justizminister Ulrich Goll (FDP) Widerstand an. "Wenn es Daten sind, die auf illegalem Weg ans Finanzministerium gekommen sind, werde ich mich querstellen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident. "Ich will keine dubiosen Geschäfte mit dubiosen Leuten, die dubiose Motive haben." Die CDU warf Goll vor, "millionenschwere Steuersünder" zu schonen.
Den Fahndern zuvorkommen
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte: "Der Handel mit gestohlenen Daten darf durch den Ankauf des Staates nicht angeheizt werden." Viele Steuerhinterzieher versuchen inzwischen, den Fahndern zuvorzukommen. Nach einem Bericht von Focus soll in Berlin am vergangenen Dienstag ein Mann eine Steuerschuld von 4,5 Millionen Euro selbst angezeigt und eine baldige Begleichung vereinbart haben. Ein Sprecher der Berliner Finanzverwaltung bestätigte den Fall allerdings nicht.
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet von der Schweiz eine Lockerung des Bankgeheimnisses. Es habe keine Zukunft mehr. Schäuble betonte, das gute Verhältnis zum Nachbarland Schweiz sei "in keiner Weise getrübt". Dort hat die Affäre inzwischen eine hitzige Debatte über die eigene Identität ausgelöst.
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(SZ vom 08.02.2010/dmo)
Proteste gegen Anti-Piraterie-Abkommen
Wie darf ich das bitte verstehen?
Also , Herr Goll , ...- wenn ein FDP-Mann in diesem Zusammenhang so etwas sagt , stinkt das wesentlich mehr als die in unserem (und auch im schweizer ...! ) Strafverfahrensrecht zulässige Verwertung "geklauter" , nicht privatsphärenbezogener Daten zum Zwecke , Kriminelle zu überführen , denen bis jetzt sonst nicht beizukommen ist ! Denn es ist kaum übertrieben anzunehmen , dass ein großer Anteil der zu ermittelden Steuergroßhinterzieher zur umworbenen Klientel der FDP gehört .
"Sie wollen damit ausdrücken, dass Sie geneigt sind, Steuerbetrügereien in grossem Stil zu sanktionieren? "
Wollen Sie damit sagen, dass Sie Datendiebstahl legitimieren?
Ja, wir alle (i.e. ehrliche Steuerzahler) sind der Meinung dass Steuer bezahlt werden müssen und ja, wir sind empört wenn es menschen gibt, die meinen, dass das Gesetz nicht für sie gilt.
Aber - Diestahl ist Diebstahl, Diebe dürfen nicht belohnt werden und Diebstahl darf nicht zum staalich legitimierten Geschäftsfeld werden.
Der Stil vom Datenklau wird immer grösser - und immer sanktionierter...
Rechtsprechung nach Ertragshöhe: "200 mio zu 2,5 mio" - mmh-ja; "70 mio zu 59" - nein, Rechtstaat? Datenschutz?
Der Teufel sch... auf den grössten Haufen.
Gemeint ist die ausgewiesene Klientel-Partei FDP, deren grösste Spender vermutlich auch bei den grössten Steuerhinterziehern zu finden sind.
Dass der ansonsten "todblasse" FDP-Landesjustizminister GOLL sowie die ansonsten rechtschaffene Bundesjustizministerin Leuthäuser gegen den Ankauf von Steuersünder-Daten sind, mag streng juristisch beurteilt sogar einigermassen begründbar sein; aber weil Beide der FDP angehören, riecht es extrem nach Klientel-Begünstigung!
Wer die gestrige Diskussion bei Anne Will verfolgte, der musste zu dem Ergebnis kommen, dass die Gegner des Daten-Ankaufs ausnahmslos Klientel-Schutz betrieben, weil alle drei zu diesem Personenkreis gehören oder davon leben!
Aber "das gesunde Volksempfinden", dem ansonsten nur schwerlich über den Weg zu trauen ist, weil regelmässig von bestimmten Massenmedien falsch programmiert, scheint die derzeit rund 4 Millionen Arbeitslosen, davon über 1,6 Millionen Hartz IV-Empfänger für wichtiger zu halten als den Schutz einiger zehntausend reicher Steuerhinterzieher!
Und DAS ist das Entscheinde, der ausschlaggebende Unterschied!
Sollten Landesregierungen oder am Ende auch der Bund sich dem Druck der FDP und/oder deren Klientel beugen und auf die Daten-Auswertung verzichten, dann dürfte sich das auf das Ergebnis der nächst-besten (Landtags-)Wahl auswirken.
In NRW haben die Grosskopfeten der beiden Regierungsparteien DAS glasklar erkannt - und FDP-Pinkwart bringt damit sogar seinen Bundesvorsitzenden in arge Verlegenheit!
Übrigens, der Einwand, durch den Ankauf werde Datenklau staatlich legitimiert, "sticht" höchstens so lange, wie Steuerhinterziehung in grossem Umfang mit Hilfe anderer (Nachbar-)Länder, wozu neben der Schweiz selbstverständlich auch Luxemburg und Österreich zu zählen sind, besonders leicht gemacht, d.h. von speziellen Bank-Abgesandten und Vermögensberatern geradezu initiiert wird!
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