Urlaub Schnell versichert, schnell bereut

Unnütze Versicherungen im Gepäck: Deutsche Urlauber auf Mallorca.

(Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa)

Wer eine Auslandsreise bucht, bekommt oft Policen angeboten, etwa für den Kranken-Rücktransport - die Angebote sind oft unnütz.

Von Berrit Gräber

Viele Bundesbürger schmieden schon Reisepläne für den Sommer. Nur der frühe Vogel räumt die dicksten Frühbucherrabatte ab, erhält die besten Flugverbindungen, sein Wunschhotel und das Okay vom Chef für die Terminplanung. Und weil es so praktisch ist, buchen viele auch noch gleich den angebotenen Versicherungsschutz gegen Risiken wie Krankheit, Unfall oder Gepäckverlust mit dazu. Sicher ist sicher, auf die paar Euros mehr kommt es auch nicht mehr an. Wer mit Paypal zahlt, bekommt seit neuestem sogar eine Reiserücktrittspolice geschenkt. Doch die Eile kann sich rächen.

"Wer sich nicht genau anguckt, was die Versicherungen überhaupt leisten, steht schnell im Regen, wenn es ernst wird", warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Mitgebuchter Reiseschutz entpuppe sich meist als mangelhaft, unnütz, überteuert. Wer solche Versicherungen abschließt, sollte deshalb ein paar Grundregeln beachten.

Nicht erste Wahl

Reisebüros, Hotels und Internetportale wie Opodo, Holiday Check, Expedia und andere legen den Kunden nahe, sich beim Buchen auch gleich gegen jede Menge Reiserisiken abzusichern. Im Angebot sind oft nur Pakete. Darin werden Auslandskrankenschutz und Rücktrittspolice mit Produkten wie Unfall-, Gepäck- und auf die Ferien begrenzte Haftpflichtversicherungen kombiniert. Das alles zahlt der Kunde dann mit - auch wenn er die meisten Bausteine gar nicht haben wollte. Nur Rücktritts- und -abbruchtarife sind einzeln buchbar, wie die Stiftung Warentest bei einer Marktanalyse herausfand. Auf die Qualität der Absicherung werde oft kaum geachtet, gibt BdV-Sprecherin Boss zu bedenken: "So manche Urlauber wissen gar nicht, was sie im Schnelldurchlauf kaufen."

Gratisversicherung täuscht

Auch Paypal mischt jetzt am Markt mit. Der Bezahldienst bietet Mitgliedern, die einen Trip via Paypal bezahlen, eine kostenfreie Reiserücktrittsversicherung bis zu einer Höhe von 300 Euro an. "Das taugt nichts", warnt Boss. Der Versicherer Europ Assistance, der mit Paypal zusammenarbeitet, verstoße mit dem Produkt gegen geltendes Recht. Er verlange höhere Gewalt als Grund für den Rücktritt von einer Reise. "Der Kunde hat damit nicht mal im Ansatz eine Chance, dass der Versicherer tatsächlich leisten muss", sagt Boss. Der Bund der Versicherten hat den Anbieter bereits erfolgreich abgemahnt.

Pakete meiden

Also doch lieber auf die Versicherungen setzen, die beim Buchen mitverkauft werden? Nein, winken Verbraucherschützer ab. Sie seien eher zweite Wahl. "Die Konditionen der Paket-Bausteine sind oft nicht leistungsstark", sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Wer hingegen Einzelpolicen direkt vom Versicherer kauft, könne in Ruhe die beste Lösung herauspicken. Jahrespolicen seien zudem günstiger und würden für viele Reisen gelten. Produkte wie etwa die private Haftpflicht taugten sowieso nicht zum Beimischen. "Sie ist die wichtigste Versicherung überhaupt und gehört fürs ganze Jahr abgeschlossen, nicht nur im Urlaub", sagt Boss. Wer schon einen Vertrag hat, ist damit auch im Ausland abgedeckt. Mit der privaten Unfallversicherung verhalte es sich ähnlich. Und eine Gepäckversicherung sei grundsätzlich überflüssig.

Viel hilft nicht viel

Als Muss gilt die Auslandsreise-Krankenversicherung. Sie deckt teure Arzt- und Krankenhauskosten außerhalb der deutschen Grenzen ab. Sie ist für den BdV die einzige Versicherung, die unbedingt ins Urlaubsgepäck gehört. Vielreisende sollten sich eine Jahrespolice zulegen. Eine gute Absicherung gibt es bereits ab 10 bis 15 Euro im Jahr. Erst wenn die Auslandspolice steht, ist an weiteren Schutz zu denken.

Ohne Selbstbehalt

Je teurer die Reise und je früher sie gebucht wird, desto sinnvoller kann eine Reiserücktrittspolice sein. Sie schützt vor hohen Stornokosten. "Speziell diese Versicherung sollte lieber separat als Einzelvertrag direkt beim Versicherer abgeschlossen werden, und zwar ohne Selbstbeteiligung", sagt Boss. Portale und Reisebüros bieten aber meist nur Policen mit Selbstbeteiligung von 20 Prozent der Stornokosten an. Das ist laut Stiftung Warentest deutlich unvorteilhafter. Beispiel: Eine Familie zahlt für den besten auf den Portalen erhältlichen Reiserücktritts-Tarif 64 Euro für eine einzelne Reise über 1500 Euro. Sagt sie den Urlaub ab und muss 90 Prozent des Reisepreises für die Stornierung zahlen, wird eine Selbstbeteiligung von 270 Euro fällig. Hätte die Familie eine Jahrespolice direkt bei einem Versicherer gekauft, hätte sie sich für nur 58 Euro absichern können, ohne einen Cent aufbringen zu müssen.

Rechtzeitig kündigen

Ärgerlich wird es, wenn Kunden der Meinung sind, sie schließen eine Einzelpolice für ihre aktuelle Reise ab - und im nächsten Jahr kommt plötzlich eine neue Beitragsrechnung, weil sich der Vertrag automatisch verlängert hat. "Darüber beschweren sich ganz viele Urlauber", berichtet Wortberg. In ihrer Eile übersähen viele Urlauber, dass sie einen Jahresvertrag abgeschlossen haben, etwa bei der Auslandskranken- oder der Reiserücktrittsversicherung. Kündigt der Kunde nicht rechtzeitig, muss er einen weiteren Jahresbeitrag zahlen - und zwar für alle Reisenden, für die er beim ersten Mal mitgebucht hatte. Das kann teuer werden. Der Beitrag kann sich im zweiten Jahr schlimmstenfalls verdoppeln, wie Stiftung Warentest herausfand. Wer Probleme mit seiner Versicherung hat, kann sich an eine Verbraucherzentrale vor Ort wenden.

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