Von Catherine Hoffmann

Anleihen von Industriekonzernen bieten immer höhere Renditen. Dafür ist auch das Ausfallrisiko gestiegen.

Er ist groß, er ist wuchtig, er ist schwer: "Der neue 8er BMW ist da", schreiben die Analysten des Bankhauses Metzler in einem Marktbericht. Doch sie waren nicht mit einer neuen Münchner Luxuslimousine auf Testfahrt, sie wohnten lediglich der Neuemission einer Anleihe des Autobauers bei - und gerieten ins Staunen.

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Das Dax-Unternehmen musste für ein Zinspapier mit fünf Jahren Laufzeit 8,96 Prozent Rendite bieten, um Käufer zu finden. Das sind 6,1 Prozentpunkte mehr, als Bundesanleihen gleicher Laufzeit bringen.

"Kreditklemme pur", urteilt Andreas Tanneberger, Händler bei Metzler. BMW ist mit einem soliden A-Rating versehen. Dafür gibt es normalerweise nicht viel mehr als einen Prozentpunkt Renditeaufschlag.

Dass BMW seine Gläubiger nicht bedienen kann, ist trotz der drohenden Rezession sehr unwahrscheinlich. Ende Juni verfügten die Münchner über ein Eigenkapital von immerhin 22 Milliarden Euro. "Natürlich birgt der Kauf von BMW-Anleihen ein Risiko, aber ich glaube, es ist vertretbar", sagt Tanneberger. "BMW wird die nächsten fünf Jahre schon überleben."

Nicht alle Investoren sind so optimistisch, wenn es um Unternehmensanleihen geht. Es herrscht Skepsis, seit klar ist, dass die Weltwirtschaft nächstes Jahr in eine Rezession taumeln wird, seit die US-Autobauer General Motors und Ford um ein weiteres Hilfspaket im Volumen von 25 Milliarden Dollar betteln, weil sonst der gesamten Branche eine Pleitewelle drohe. Anleger meiden im Moment alle Wertpapiere, die ihnen auch nur im Entferntesten riskant vorkommen.

Selbst das Vertrauen in Anleihen von Unternehmen bester Bonität ist erschüttert. Die Folge: Während die Kurse stark eingebrochen sind, zogen die Renditen kräftig an.

Aktuell rentieren Anleihen europäischer Unternehmen aus allen Branchen - einschließlich der Banken - rund vier Prozentpunkte höher als Staatsanleihen, in den USA gibt es sogar sechs Prozentpunkte mehr.

Große Skepsis

"Anleger können das attraktive Renditeniveau von Unternehmensanleihen durchaus zum Einstieg nutzen", sagt Rolf Schäffer, Rentenstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Sie sollten sich aber auf sichere Papiere mit guten Bonitätsnoten beschränken."

Auch mit Anleihen des Chemieunternehmens BASF, des Konsumgütergiganten Unilever oder des Versorgers Eon ist deutlich mehr zu verdienen als mit den Papieren des Bundesfinanzministers (siehe Tabelle). Denn die Renditeaufschläge sind quer durch alle Bonitätsklassen kräftig gestiegen. "Die Aufschläge haben bisher nie dagewesene Niveaus erreicht, da findet eine gewisse Übertreibung statt", glaubt Schäffer.

Natürlich nimmt im Konjunkturabschwung das Risiko zu, dass Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, dass sie am Ende pleite gehen und die Anleger ihr Geld nicht wiedersehen. Die üppigen Prozente signalisieren aber nicht nur ein erhöhtes Ausfallrisiko, sie sind auch das Resultat eines enormen Liquiditätsmangels.

Fonds, die sich auf Unternehmensanleihen spezialisiert haben, müssen derzeit viel Kasse halten oder Papiere verkaufen, weil Anleger ihre Anteile zurückgeben. "Das tut sehr weh, zumal es an Käufern mangelt", sagt Schäffer. Viele Profiinvestoren zögern, heute in eine fünfjährige BMW-Anleihe zu investieren, weil sie wissen: Wenn sie in sechs Monaten verkaufen müssen, bekommen sie vielleicht einen schlechteren Preis als heute.

Hohe Renditen - hohes Risiko

Deshalb verlangen sie von den Emittenten hohe Renditen beim Kauf. Mutigen Anlegern bietet sich hier die Chance, sich dauerhaft hohe Erträge zu sichern. "Privatanleger sollten aber unbedingt in der Lage sein, die Papiere bis zur Fälligkeit zu halten", warnt Tanneberger, "denn kurzfristig können die Kurse noch stärker unter Druck geraten."

Das muss aber niemanden kümmern, solange er sicher ist, dass das Unternehmen pünktlich Zinsen zahlt und am Ende zuverlässig das eingesetzte Kapital zurückerstattet. Denn wer heute in Unternehmensanleihen investiert, erhält bis Laufzeitende die Rendite, mit der ein Papier zum Kaufzeitpunkt lockt.

Längst nicht alle Strategen sind überzeugt, dass Anleger jetzt auf Unternehmensanleihen setzen sollten. "Vor zwei Monaten hätte ich auch noch gesagt: Die Papiere sind für Privatanleger attraktiv, weil die Ertragslage der meisten Unternehmen solide ist und das Konkursrisiko gering.

Das hat sich grundlegend gewandelt", sagt Michael Mewes von JP Morgan Asset Management. Aus allen Ecken der Welt kämen schreckliche Konjunkturdaten, die USA fielen in eine tiefe Rezession, auch in Europa sehe es düster aus. "Das hinterlässt Schleifspuren - auch bei Unternehmen, die ich vor zwei Monaten als unbedenklich eingestuft hätte. Es wird in Zukunft noch attraktivere Einstiegsmöglichkeiten geben."

Gefallen findet Mewes dagegen an Hochzinsanleihen. Mit solchen Papieren finanzieren Firmen ihre Investitionen, wenn sie von der Bank kein Geld bekommen. Zum Ausgleich für das hohe Risiko gibt es hohe Zinsen. Solche Papiere bringen derzeit Renditen von mehr als 20 Prozent im Jahr, das zieht die Blicke der Anleger auf sich. "Die Rekordrenditen entlohnen das Ausfallrisiko vermutlich angemessen", sagt Mewes. "Aber nur, solange die Anleger das entsprechende Risikobudget haben, um auch prominente Unternehmenspleiten ertragen zu können ."

Der Einwand ist gewichtig: Das heißeste Gefährt, das am Hochzinsmarkt noch gehandelt wird, sind GM-Anleihen - mit knapp 40 Prozent Rendite. Die Ratingagentur Standard & Poor's beurteilt die Bonität des amerikanischen Autobauers aktuell mit "CCC+". Danach kommt nur noch "D" - wie Default, also pleite.

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(SZ vom 19.11.2008/hgn)