Unabhängige Honorarberater Nie wieder Provision

Neutrale Anlage-Tipps gibt es weder bei der Bank noch umsonst. Künftig können sich Anleger bei Honorarberatern unabhängig informieren. Lange hatten Verbraucherschützer dafür gekämpft - aber sie sind noch nicht zufrieden.

Von Daniela Kuhr

Anleger können sich künftig leichter unabhängig beraten lassen. Der Bundestag hat am Donnerstagabend ein Gesetz verabschiedet, in dem erstmals das Berufsbild eines Honorarberaters geregelt wird. Diesen zeichnet vor allem eines aus: Anders als Banken oder Finanzvermittler darf er von den Anbietern der Produkte, die er verkauft, keine Provision kassieren. Stattdessen wird er ausschließlich vom Anleger bezahlt - und zwar allein dafür, dass er ihn berät.

Ob am Ende tatsächlich ein Produkt verkauft wird, spielt keine Rolle. Wie viel Geld der Berater verlangen darf, ist in dem Gesetz nicht geregelt. Experten rechnen aber damit, dass es durchaus 150 Euro pro Stunde sein könnten.

Ziel der neuen Vorschriften ist, die Gefahr von Interessenkonflikten zu reduzieren. Denn bislang ist es üblich, dass Banken oder freie Vermittler für jedes Produkt, das sie verkaufen, vom Entwickler des Produkts eine Provision erhalten. Das birgt jedoch die Gefahr, dass sie ihren Kunden nicht die Anlage empfehlen, die für sie in ihrer konkreten Situation am besten geeignet ist, sondern die mit der saftigsten Provision.

Altes und neues Modell

Dieses Modell wird es auch weiterhin geben. Daneben aber installiert der Gesetzgeber künftig den sogenannten Honorarberater, der ausschließlich vom Kunden bezahlt wird. Wenn der Kunde es wünscht, darf dieser zwar die von ihm empfohlenen Produkte auch gleich vermitteln. Fließt dabei aber eine Provision an ihn, muss er sie an den Kunden weiterleiten.

Es war ein Projekt, für das Verbraucherschützer lange gekämpft hatten. Allerdings werfen sie der Regierung vor, auf halbem Weg stehen geblieben zu sein. Es ist vor allem ein Punkt, der sie stört. Die Vorschriften unterscheiden zwischen zwei Arten von Honorarberatern: dem Honorar-Finanzanlagenberater, der zu Investmentfonds, Unternehmensbeteiligungen sowie geschlossenen Fonds berät - und dem Honorar-Anlagenberater, der darüber hinaus auch zu allen Arten von Wertpapieren berät, wie etwa Aktien, Rentenpapieren, Zertifikaten und Staatsanleihen.

Diese Zweiteilung habe jedoch zur Folge, dass sich der Kunde vor der Beratung Gedanken machen müsse, welches Produkt grundsätzlich für ihn in Betracht komme, kritisiert Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Eben das sei jedoch der Haken an dem Gesetz.

Verbraucherschützer haben Bedenken

"Normalerweise will man sich beraten lassen, weil man gerade nicht weiß, welches Produkt für einen geeignet ist", sagt Mohn. Es könne ja etwa sein, dass sich während des Beratungsgesprächs zeige, am besten solle der Kunde eine Riester-Rente oder einen Bausparvertrag abschließen oder einen Kredit abbezahlen. "Vielleicht würde dazu dann ebenfalls beraten, aber es wäre nicht klargestellt, dass auch dies nur ohne Provisionen laufen darf", sagt Mohn. "Denn hierbei handelt es sich um Produkte, die im Honorarberatungsgesetz nicht geregelt sind." Im schlimmsten Fall müsse der Kunde dann für beides bezahlen: erst für die Beratung beim Honorarberater - und anschließend die Provision für den Riester-Vertrag.

Nach Einschätzung von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) wird das neue Gesetz dazu beitragen, dass der Wert der Beratung wieder stärker in den Vordergrund rückt. Wichtig sei, dass der Verbraucher vor jeder Beratung wisse, mit wem er es zu tun habe: mit einem Vermittler, der vom Verkauf profitiert oder mit einem unabhängigen Berater, der vom Honorar für seine Beratungsleistung lebt. Den Bundesrat wird das Gesetz voraussichtlich am 7. Juni passieren. Es ist nicht zustimmungspflichtig.