Das Jesuiten-Gebäude liegt direkt am Nymphenburger Schloss und ist schon mit 40 Jahren ein Denkmal. Nun wird es in Eigentumswohnungen umgebaut.
Das Erbe ist gewaltig, das Investor und Architekten angenommen haben. Vor ihnen steht ein Gebäude mit dem Schutzsiegel "Denkmal", obwohl es gerade mal 40 Jahre alt ist. Die Stadt München hat es 1999 geadelt, damit es nicht wie viele andere Neubauten der Nachkriegszeit aus dem Stadtbild verschwindet. Der Architekt Paul Schneider-Esleben, der kurz vor seinem 90. Geburtstag im Mai diesen Jahres gestorben ist und als "Pionier der Nachkriegs-Moderne" gilt, hat im Auftrag der Jesuiten das Münchner Ordensgebäude "Alfred-Delp-Haus" von 1962 bis 1965 geplant und gebaut.
Blick von oben auf das Gebäude des Jesuitenordens in München-Nymphenburg. (© Fotos: Linus Zimmermann)
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Seitdem haben die Ordensleute inmitten des Landschaftsschutzgebiets des Nymphenburger Schlosses gelebt, gearbeitet und gebetet. Im Zeitalter des Mitgliederschwunds benötigt der Orden das Gebäude nicht mehr, hat es deshalb verkauft und sich ins Schwabinger Haupthaus zurückgezogen. Die Stadt München ist einverstanden, dass es nun in Eigentumswohnungen umgewandelt wird.
Wer gemeinsam mit dem Investor Mattusch Wohnbau und dem Architekturbüro Franke und Rössel das Objekt begeht, spürt ihre Hochachtung. "Die meisten von uns Architekten sind Anwender. Nur die allerwenigsten sind Erfinder. Schneider-Esleben war Erfinder", erkennt Architekt Heinz Franke. Er hat sich der Herausforderung gestellt und wird mit seinem Team ein Gebäude umgestalten, das in seiner bisherigen Nutzung keine einzige Schwachstelle birgt: "Normalerweise hat jedes Gebäude Schattenseiten. Dieses nicht, nicht einmal auf der Nordseite. So soll es auch nach unserem Umbau sein."
Unter einem Dach
Der Jesuitenorden hatte vielfältige Anforderungen an seinen Architekten Schneider-Esleben gestellt: Die Zweigstelle an der südlichen Schlossmauer sollte Redaktionsräume der Zeitschrift "Stimmen der Zeit", Bücherei mit Lesesaal, 19 Patreszimmer zum Schlafen und Arbeiten, vier weitere Schlafräume für Schwestern, Kapelle mit Sakristei und vier winzige Nebenkapellen, Küche, Speisesaal, Garage und Besuchszimmer beherbergen.
Und nicht zu vergessen: Der Orden wollte seinen umfassenden Buchbestand sachgemäß abstellen. Schneider-Esleben legte das umfangreiche Büchermagazin jedoch nicht tief in den lichtgeschützten Keller, sondern türmte es auf. Wie schwarze Kristalle ragen die Büchertürme aus dem Innenhof des sechseckigen, flachen Baukörpers empor, der sich unaufdringlich in die geschützte Landschaft duckt und keinen Konkurrenzkampf mit dem königlichen Nachbarn führt.
Denn obwohl die Fassade aus Stahlbeton gegossen ist, hat Schneider-Esleben mit dem Baustoff nicht geklotzt, sondern hat ihn licht geöffnet: 20, 50 und 90 Zentimeter breite Betonelemente wechseln sich unregelmäßig ab mit 15, 30, 70, 100 150 Zentimetern breiten Glaselementen. "Die vertikale Verglasung bleibt in diesen Abmessungen erhalten. Innen werden wir die 30 Zimmer, Kapellen, Büchertürme und den Versorgungstrakt großzügig zu Wohnungen neu zusammenlegen", erklärt Josef Mattusch, Geschäftsführer von Mattusch Wohnbau, das kommende Bauvorhaben.
Außerdem wird das Gebäude eine neue Etage aufs Dach bekommen, so dass die vorhandenen 2800 überbauten Quadratmeter auf 3500 Quadratmeter aufgestockt werden. Bis Ende 2006 entstehen 12 bis 16 Wohnungen in den Größen 130 bis 450 Quadratmeter. Der Verkaufspreis: ab 6000 Euro pro Quadratmeter.
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