Von Martin Hesse und Claus Hulverscheidt

Die größte Zinssenkung der US-Notenbank seit 18 Jahren hat am Dienstag den Dow vor dem befürchteten Absturz bewahrt. Der Handel in der Wall Street schloss mit einem vergleichsweise moderaten Minus.

Die amerikanische Notenbank hat ihren Leitzins am Dienstag drastisch gesenkt.

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Der Handel verlief an der Wall Street nervös, endete jedoch nicht im befürchteten Absturz. (© Foto: AP)

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Der Schritt soll eine Rezession in den USA abwenden und den allgemeinen Kursverfall stoppen. Die Börsen verzeichneten daraufhin nur vergleichsweise moderate Verluste. Ursache für die Turbulenzen ist die Krise am US-Immobilienmarkt. Sie hat weltweit zahlreiche Banken bereits mehr als 120 Milliarden Dollar gekostet.

Die Zentralbank Fed in Washington senkte den Leitzins deutlich von 4,25 auf 3,5 Prozent, die größte Reduzierung seit 1990. Ursprünglich hatten Ökonomen erst für die nächste reguläre Sitzung der Fed am 30. Januar eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt erwartet. Jetzt halten Beobachter zu diesem Termin sogar einen weiteren Schritt für möglich.

Die Notenbank begründete die Maßnahme mit zunehmenden Wachstumsrisiken und verwies darauf, dass sich die Lage an den Finanzmärkten verschlechtert habe. Verbraucher und Firmen erhielten weniger Kredite, am Immobilienmarkt verstärke sich der Abschwung und auch der Arbeitsmarkt schwäche sich ab.

Die von der Kreditkrise schwer in Mitleidenschaft gezogene Großbank Citigroup meldete, sie haben in den vergangenen zwei Monaten knapp 30 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt, um ihre Kapitalbasis zu stärken. Zuvor hatte es an der Börse Gerüchte gegeben, die Citigroup müsse Gläubigerschutz suchen, um eine Pleite zu verhindern.

Trotz der ersten außerplanmäßigen Zinssenkung der Notenbank seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gaben zunächst auch an der Wall Street die Kurse nach. Der Leitindex Dow Jones erholte sich dann aber schnell und schloss mit einem Minus von 1,06 Prozent.

Am Dienstag hatte sich zunächst an den asiatischen Börsen der Kursverfall der vergangenen Tage fortgesetzt. Auch der Deutsche Aktienindex Dax brach zeitweise um mehr als fünf Prozent ein, am Schluss stand jedoch nur ein Minus von 0,31 Prozent. Auch die Preise für Öl und andere Rohstoffe fielen zunächst drastisch, weil Spekulanten bei einem Wirtschaftsabschwung mit schwächerer Nachfrage rechnen.

In den aufstrebenden Märkten Asiens hatten die Börsen noch im Herbst Rekordwerte erreicht, weil Ökonomen argumentierten, China, Indien und andere Staaten könnten sich von der negativen Entwicklung in den USA abkoppeln. "Jetzt setzt sich zunehmend die Ansicht durch, dass ein Abschwung in den USA nicht spurlos an anderen Märkten vorübergehen wird", sagte Dieter Pfund, Mitinhaber der Privatbank Sal. Oppenheim. Jörg de Vries, Leiter des europäischen Aktienfondsmanagements bei Allianz Global Investors, rechnet damit, dass die Gewinne europäischer Unternehmen in diesem Jahr sinken werden. Er bezweifle, dass die Zinssenkung nachhaltig wirke, sagte de Vries.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, die USA sähen "einer Rezession entgegen''. Damit wich er erstmals von der bisherigen Sprachregelung der Bundesregierung ab, wonach sich das Wachstum in Amerika zwar deutlich verlangsamen werde, eine Rezession aber wohl vermieden werden könne.

Für Deutschland erwartet Steinbrück ein zwar "schwächeres, aber immer noch erfreuliches" Wachstum. Die Auftragsbücher deutscher Unternehmen seien gut gefüllt, ihre Wettbewerbsfähigkeit sei deutlich gestiegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte die Bürger am Abend zur Besonnenheit. "Es gibt keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland", sagte sie.

Mutmaßungen, der Kurssturz an den Finanzmärkten habe zwischen den Hauptstädten der großen Industriestaaten eine hektische Krisendiplomatie ausgelöst, wurden in Berlin nicht bestätigt. Steinbrück habe auch nicht mit seinem US-Amtskollegen Henry Paulson telefoniert, hieß es in Regierungskreisen.

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(SZ vom 23.01.2008/hgn/grc)