Wie die Banken weltweit ins Wanken geraten sind - und wie sich die Krise auflösen könnte.
Als der erste Stein kippte, hat es noch kaum jemand gehört. Das war irgendwann im vergangenen Herbst - weit weg, in Amerika.
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Weil dort die Zinsen stiegen und die Häuserpreise fielen, konnten ein paar arme Schlucker die Raten für ihr auf Pump erworbenes Eigenheim nicht mehr zahlen. Zehn Monate und viele Zahlungsausfälle später hat die Krise mit Getöse fast jeden Zipfel der internationalen Finanzmärkte erreicht und bringt Banken ins Wanken. Wie kann das sein?
Es ist die Geschichte einer Kettenreaktion. Die Probleme am amerikanischen Häusermarkt begannen mit einem Aufschwung. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hatte die amerikanische Notenbank die Zinsen auf ein historisches Tief gesenkt.
Geld praktisch zum Nulltarif
Sie lieh den Banken Geld praktisch zum Nulltarif und schürte damit einen Immobilienboom, der die ganze Wirtschaft mit sich riss. Jeder konnte sich plötzlich ein Haus leisten, die Immobilienpreise stiegen, die Menschen fühlten sich reich und konsumierten einen Aufschwung herbei.
Die Banken vergaben schließlich Kredite für den Kauf oder Bau eines Hauses auch an Bürger, die nicht einen Dollar selbst beisteuern konnten. Diese Kredite, auf Englisch subprime mortgages (zweitklassige Hypothekendarlehen) gaben der jetzt eskalierenden Finanzkrise ihren Namen: die Subprime-Krise.
Die Banken vergaben die Kredite auch deshalb so bereitwillig, weil Kreditinstitute heute in vielen Fällen nur noch Kreditvermittler sind. Banken reichen die Forderungen, die sie gegenüber ihren Kunden haben, heute vielfach weiter an Investoren - beispielsweise an spezialisierte Fonds, die teils wiederum zu anderen Banken gehören.
Ausfallgefahr auf viele Investoren verteilt
So sind die kreditgebenden Banken ihre Risiken rasch wieder los, die Ausfallgefahr ist auf viele Investoren verteilt. Hinzu kommt, dass es heute in der Finanzwelt zahllose Wertpapiere gibt, mit denen Anleger auf das Auf und Ab von bestimmten Preisen und Kursen wetten können, beispielsweise auf die Wertentwicklung von Krediten einer bestimmten Risikoklasse.
So stand am amerikanischen Immobilienmarkt nicht nur der Wert der vergebenen Kredite auf dem Spiel, sondern ein Vielfaches an spekulativem Geld.
In dem Moment, als die Marktzinsen stiegen, die Häuserpreise zu fallen begannen und häufiger Kredite ausfielen, gingen etliche dieser Wetten schief. Im März dieses Jahres kamen die ersten Meldungen über Schieflagen von Fonds, die sich am Immobilienmarkt verzockt hatten.
Erst im Juli ein globales Problem
Doch erst im Juli wurde aus der lokalen Krise am US-Häusermarkt ein globales Problem. Die Investmentbank Bear Stearns musste einräumen, dass zwei ihrer größten Fonds praktisch wertlos sind.
Diese Bank genoss bis dahin höchste Reputation für Geschäfte mit jeder Art von festverzinslichen Wertpapieren, zum Beispiel Immobilienkrediten. Wenn selbst diese Bank die Risiken am Häusermarkt falsch eingeschätzt hatte - wo lagen Investoren womöglich noch falsch?
Binnen weniger Wochen schätzten Anleger in aller Welt die Risiken, die sie eingegangen waren, neu ein. Jahrelang waren ja nicht nur die Häuserpreise in den USA gestiegen, sondern auch Aktienkurse, Preise für Unternehmensanleihen, Rohstoffe und andere spekulative Anlagen.
Die Abwärtsspirale setzt ein
Plötzlich begannen Investoren sich aus zahllosen Fonds und Investments zurückzuziehen, und die Kurse sackten ab. Wenn aber Anleger Geld aus Fonds abziehen, müssen diese Fonds ihre Wertpapiere verkaufen, um ihre Geldgeber auszahlen zu können. Dadurch fallen die Kurse weiter, und eine Abwärtsspirale setzt ein.
Und so kommt das Problem zurück zu den Banken. Zum einen spekulierten sie zum Teil selbst am amerikanischen Häusermarkt. Dies brachte beispielsweise das deutsche Geldinstitut IKB an den Rand des Abgrunds.
Ein Fonds der Bank hatte mit Hypothekenkrediten ein riesiges Rad gedreht, die Mutterbank musste Geld nachschießen, das sie nicht hatte. Nur eine Auffanglösung durch öffentliche und private deutsche Banken verhinderte einen Zusammenbruch der IKB.
Anleger fürchten nun, weitere Banken oder ihre Fonds könnten sich verspekuliert haben. Außerdem drohen Kredite auszufallen, die Banken an sogenannte Hedge-Fonds vergeben haben, die so ihren Einsatz, aber auch die Verlustrisiken erhöhen.
Firmenkäufe mit Krediten finanziert
Und schließlich finanzierten die Banken Firmenkäufe mit Krediten in nie gekanntem Umfang. Bis vor kurzem reichten sie auch diese an Investoren weiter. Jetzt bleiben sie auf den Krediten sitzen.
Wenn jedoch an allen Ecken und Enden des Finanzsystems Verluste entstehen und weder Banken noch Investoren neue Risiken eingehen, sprich: Geld bereitstellen wollen, kann es zu einer Kreditklemme kommen.
Deshalb pumpen die Zentralbanken seit zwei Tagen frisches Geld in das System, um das Vertrauen wiederherzustellen. Sie bauen darauf, dass Investoren und Banken ihre Risikoscheu wieder ablegen und sich darauf besinnen, dass die Wirtschaft derzeit noch sehr robust ist.
In fast allen Teilen der Welt lief bis zuletzt die Konjunktur gut, und die meisten Unternehmen sind gesund. Erst wenn die Geldknappheit auf Firmen und Verbraucher zurückschlägt, kann auch das Wachstum einknicken.
(SZ vom 11.08.07)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
sie vergaßen, daß unsere zocker im falle eines verlustet abgesichert sind. im gewinnfall aber sich eine goldene nase "verdienen". bei btfair, betandwin, etc. sieht das anders aus.
für den herren, der meint, daß jetzt einige chronische pessimisten eventuell in 30 jahren auch mal ein korn finden, soll gesagt sein, daß bei 50 jahren aufschwung es schwierig ist als börsianer nicht erfolgreich zu sein. diese feiern doch nur i9hre durchschnittlichkeit. un ihre helden wie sorros und co., also die, dioe es sich leisten können geben unverblühmt zu viel glück gehabt zu haben...
Das Perverse ist, dass man aufgrund der existierenden Finanzerfindungen (die sog. "Finanzinstrumente") wie Optionsscheine, "short-gehen" etc. so eine Krise auch herbeiwünschen und -reden kann, um selbst Geld damit zu "verdienen".
Das ist der "menschliche" Faktor und das ganze System nichts anderes mehr als ein reines und primitives Wettbüro.
Leider affektiert das u.U. die reale Wirtschaft und reisst alles mit herunter.
Gibts eigentlich auch Szenarien, die nicht "alles ist gut, wir erleben nur die Nachbeben" und "Die Finanzwelt wird untergehen" beinhalten?
Dass Börsen über- und untertreiben ist normal. Letztlich werden dort Werte gehandelt und Unternehmen wie Siemens, Daimler, SAP haben einen Wert. Wenn sich jemand verzockt und verspekuliert muss man damit leben.
Was mich an dieser Kriese so tierisch freut ist, dass es endlich die Banken selbst trifft. genauer deren Helden. Es werden Wertpapierspezialisten mit x+10^6 Euro Jahresgehalt für den Eigenhandel der Bank samt Optionen, Futures und was weiss ich für Derivaten bezahlt. Gehen die Wetten im Mittel gut sind es Helden. Bislang waren es Helden und jeder der nicht mitgezockt und gewonnen hat war der Depp. ich hatte sogar den Eindruck, der kleine Karl Oasch am Bankschalter mit seiner Baufinanzierung stört im Tagesgeschäft [1]. Nun erwischt es diese Helden der Finanzwelt. Schadenfreude? Sicherlich. Mit etwas Glück lernen die Banken was daraus. Die sollten sich eher um Meister Eder mit seinem Schuhladen an der Ecke kümmern und schauen, ob der nicht expandieren / modernisieren kann. Mir deucht, die Risiken bei Kleinunternehmern werden _wesentlich_ kritischer betrachtet als beim eigenen Handel mit Finanzderivaten.
/Ankur
[1] Hat sich mal jemand den Jux gemacht, eine Baufinanzierung bei der Deutschen Bank anzufragen? Die Konditionen bezüglich Zinsen / Sondertilgungsmöglichkeiten sind unterirdisch. Offenbar lohnt es für die DB nicht Mühe in dieses Finanzprodukt zu stecken wenn im Eigenhandel höhere Renditen möglich sind. Sondertilgungen sind bei der DB nicht möglich - es versaut bekanntlich die Rendite. Wobei eigentlich ein zurückgezahlter Euro ein Euro ist, der nicht mehr verloren werden kann.
wird man nicht immer klug
kaum einer überblickt diese Systeme
Wann immer die Börse mal bebt (und dies tut sie in der Regel einmal pro Jahr recht heftig), tauchen überall diese Untergangsprediger gleich den US-amerikanischen Fernsehpredigern auf und erzählen jedem, warum sie es "schon immer gewusst" haben....
Klar, wer 30 Jahre lang Trübsal bläst und _die_ Katastrophe prophezeit, wird vielleicht auch mal einen Treffer landen...
Aber:
Wenngleich die Notenbanken derzeit Liquiditätsengpässe (welche aber auf Misstrauen beruhende Verteilungsengpässe sind) durch "frisches Geld" bekämpfen, so ist bislang -wenngleich mit unsagbarer Dramatik- wesentlich weniger passiert, als im Mai/Juni 2006, als die Börsenwelt schon einmal unterging:
Die Kurse sind mit viel Tam-Tam wieder dort, wo sie am Montag schon waren, bzw. an der Stelle, wo im Mai dieser "Hä, was geht denn da ab?"-Effekt begann.
Seit Ende Juli laufen die Börsen mit grässlich lautem Geschrei bloß "seitwärts".
Wenn FED und EZB also "alles unter Kontrolle" verlautbaren lassen, so lassen diese Aussagen auf "alte Hasen" im Gewerbe vermuten, die dies alles schon -zig Mal gesehen haben.
Kleiner Tipp an die "eine Welt ohne Zins"-Enthusiasten:
Wenn ihr an 100 Leute je 100 für ein Jahr verleiht, aber nur 94 Leute euch 100 zurück geben, 6 Leute aber nichts, so wärt ihr besser beraten gewesen, mindestens 106,39 als Rückzahlung zu verlangen.
Also einen Zins von 6,39%...
A.
P.S.:
Ein Crash sieht übrigens so aus: (Formatierung geht leider kaputt)
Wertpapier ISIN/WKN Stand 1W 1M 6M 1J Volat.
DAX IND DE0008469008 1997-10-28 -12.63 -11.84 8.40 34.84 20.74
Dow Jones XC0009694206 1987-10-23 -13.17 -24.55 -14.48 6.31 30.97
Nasdaq XC0009694271 1987-10-23 -19.15 -25.46 -21.30 -7.78 20.13
Dow Jones XC0009694206 1974-09-30 -8.41 -10.42 -28.21 -35.82 21.67
Nasdaq XC0009694271 1974-09-30 -6.69 -10.74 -39.67 -49.94 16.66
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