Teilt im Team: die Kellnerin

"Tisch fünf möchte zahlen, Tisch zehn braucht die Karte und schon mal Wasser mit Sprudel. 'Gibt's Apfelstrudel?'

Gerne! Ja! Das ist ein guter Ausgleich zur Uni. Ich mag den Job. Und natürlich: Je mehr ich bekomme, desto besser. Ich verdiene 8,50 pro Stunde, das Trinkgeld kommt obendrauf. Wir teilen es im Team. Die meisten Gäste wissen, wie das mit dem Trinkgeld funktioniert. Ich freue mich jedes Mal, wenn ein Gast etwas gibt. Dabei ist es ja eigentlich selbstverständlich. Ich wundere mich jedenfalls, wenn ein Gast einen Latte Macchiato bestellt, am besten noch mit Sojamilch, Strohhalm, extra viel Schaum, nicht zu heiß - und dann auf zwanzig Cent Rückgeld beharrt. Genauso über die Dame, die mich laut zu sich ruft, um mir ein Häufchen bronzener Münzen in die Hand zu drücken. Danke, solche Gaben können Sie sich schenken. Das weiß sogar der Elfjährige, der regelmäßig Tee bestellt und ein Stück Kuchen isst. Er zahlt vom Taschengeld: 'Der Rest ist für Sie.'

Der Gast ist König. Aber Könige sollten schon Manieren haben. Es gibt ja immer wieder Gäste, die ihre Mahlzeiten über den Tisch verteilen, meine Kolleginnen und mich gern tadeln oder ständig beobachten. Wie der Herr an Tisch neun, für den der Espresso nur ein Alibi ist. Und wenn man abräumt, klebt ein Kaugummi auf der Untertasse. Danke. Manche denken wohl, dass das Trinkgeld schlechtes Benehmen wieder gut macht. So läuft das nicht." Lena Mayer, Name geändert

Protokoll: Nora Kolhoff

Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa 18. März 2016, 19:042016-03-18 19:04:31 © SZ