Kennt seine Gäste: der Taxifahrer

"Innerlich freue ich mich jedes Mal, wenn das Taxameter kurz vor dem Ziel einen runden Betrag übersteigt. 10,20 statt 9,80 Euro: Die vierzig Cent sind für den Fahrgast nicht die Welt, aber die Trinkgeld-Hemmschwelle ist gleich eine andere. Oft weiß ich schon vor der Fahrt, wie viel mehr ein Gast später geben wird.

Für mich gibt es drei Typen von Fahrgästen und somit von Trinkgeld-Gebern. Typ eins ist der 'Business-Gast'. Er steigt meist am Bahnhof oder am Flughafen ein. Der 'Business-Gast' ist Vielfahrer und bezahlt nicht mehr als nötig. Die Rechnung geht zwar auf die Firma, aber mehr als 20 oder 30 Cent ist nicht drin. Typ zwei ist spendabler, ich nenne ihn den 'Gelegenheitsgast'. Für ihn ist eine Taxifahrt eine Ausnahme. Er unterhält sich gern und gibt zehn bis 15 Prozent. Das freut mich natürlich, gerade bei längeren Fahrten. Dann gibt es noch Typ drei, den 'Chaos-Gast'. Den gabelst du irgendwo am Straßenrand auf und merkst sofort: Er ist total im Stress. Während der Fahrt tippt er auf seinem Handy herum und in seiner Eile ist es ihm egal, wie viel er bezahlt. Hauptsache ist, er kommt schnell von A nach B. Erst vor ein paar Tagen hat jemand eine 32-Euro-Fahrt mit einem 50er bezahlt und 'stimmt so' gesagt - ich könnte wetten, weil er mit seinem Kopf schon ganz woanders war.

Am liebsten ist mir trotzdem der Typ zwei: Mit dem hab ich Spaß, gute Gespräche - und er nötigt mich nicht, über rote Ampeln zu rasen." Ahmet Sayal

Protokoll: Vivien Timmler

Bild: dpa 18. März 2016, 19:042016-03-18 19:04:31 © SZ