EZB-Präsident Jean-Claude Trichet über die richtigen Maßnahmen in Zeiten der Krise, die Lage der Banken und die Bedeutung des Euro.
Aberhunderte Milliarden pumpen Staaten und Zentralbanken in die Wirtschaft. Bei vielen Bürgern schürt das die Angst vor der Inflation. Doch Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, beruhigt. Er verspricht stabile Preise trotz steigender Staatsschulden. Auch gegenüber den Geldhäusern macht der EZB-Chef im SZ-Interview klare Ansagen: Sie hätten mittlerweile genügend Hilfen erhalten; nun sollten sie den Unternehmen Geld leihen.
Mahnt zur Besonnenheit in der Krise: Jean-Claude Trichet. (© Foto: AFP)
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SZ: Herr Präsident, wann ist endlich ein Ende der Krise abzusehen?
Trichet: Die Krise ist ein andauerndes Phänomen. Deshalb müssen wir konstant wachsam bleiben. Im Sommer 2007 erlebten wir ungewöhnliche Vorgänge am Geldmarkt und reagierten als erste Notenbank. Seit September 2008 haben wir eine sehr schwere und noch anhaltende Krise. Erstmals wird die neue globalisierte Finanzwelt getestet, so wie sie über die letzten 10 bis 15 Jahren gewachsen ist. Sie erweist sich als sehr viel zerbrechlicher und weniger widerstandsfähig, als sie sein sollte.
SZ: Ist diese Welt überhaupt wieder zu heilen?
Trichet: Ja. Mit Sicherheit. Wir brauchen dazu mutige Entscheidungen in der Gegenwart. Und wir brauchen glaubwürdige Strategien, die geeignet sind, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen zu gewinnen, mit denen wir in der Lage sind, den Weg zurück zu einer nachhaltigen Entwicklung zu finden. Dies gilt für die Finanzpolitik sowie für die Geldpolitik. Nun müssen wir die Entscheidungen der G-20 Treffen so schnell wie möglich effektiv und effizient durchführen.
SZ: Wer hat diese Krise zu verantworten?
Trichet: Ich halte nichts von der Suche nach Sündenböcken. Mancher mag zum Beispiel Banken oder Ratingagenturen zu Prügelknaben machen. Mir aber erscheint das ganze Finanzsystem mangelhaft. Es muss von Grund auf reformiert werden. Alle Bestandteile des weltweiten Finanzsystems haben zusammen nicht die Stabilität geliefert, die zu Recht von den Bürgerinnen und Bürgern verlangt wird. Überall müssen deutliche Verbesserungen gemacht werden. Das sind wir den Bürgern und der ganzen Welt schuldig, denn die Finanzunternehmen sind sehr stark in den Industrieländern konzentriert.
SZ: Haben Zentralbanken die Krise nicht verhindern können?
Trichet: Beim Ziel von Preisstabilität haben wir in der Vergangenheit keine Kompromisse gemacht. 2003 bis 2004 wurden wir öffentlich von den Regierungschefs dreier großer Länder gedrängt, die Zinsen zu senken. Wir haben nein gesagt. Im Dezember 2005 forderten uns zehn von 12 Regierungen im Euroraum auf, die Zinsen nicht zu erhöhen. Wir haben es trotzdem getan, und wir haben das geliefert, was die demokratische Gesellschaft und die Bürgerinnen und Bürger von uns verlangen, nämlich Preisstabilität.
SZ: Wie groß ist der politische Druck?
Trichet: Wir unterliegen keiner politischen Einmischung oder kurzfristigem Denken. Der EU-Vertrag ist kristallklar in diesem Punkt, und garantiert unsere vollständige Unabhängigkeit.
SZ: Warum sahen Zentralbanken die Krise nicht vorher?
Trichet: 2006 und 2007 habe ich - im Namen der Gruppe von Notenbank-Gouverneuren in Basel - gesagt, dass die globalen Risiken und deren Preise in den globalen Finanzmärkten unterschätzt werden. Die Preisspannen waren niedrig, Risikoprämien waren abnorm niedrig und die Volatilität war sehr gering. Deshalb war eine Marktkorrektur absehbar, und wir haben die Marktteilnehmer aufgefordert, sich darauf zu vorbereiten.
SZ: Sie haben die Krise prognostiziert?
Trichet: Nicht das Ausmaß und die Tiefe dieser globalen Krise. Aber wenn überhaupt jemand Warnsignale sah und diese auch aussprach, waren es Zentralbanken.
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Debatte über Urheberrecht
Es wäre nur zu schön, wenn daraus auch Konsequenzen gezogen würden und ein neues, gesundes Geldsystem auf der Grundlage der Humanwirtschaft installiert würde!
Aber in der Regel bleibt es beim Reden und beim Klagen.
"Das Finanzsystem erscheint mangelhaft" hat aber ein bisschen gedauert, bis die Einsicht kam, wobei das "scheint" noch durch ein "ist" zu ersetzen ist.
Ein kaputtes System kann nicht reformiert werden. Es kann villeicht mit Make-Ups verschönert werden. Aber das System bleibt gleich. Wenn diese Krise vorbei ist. Folgt dann die nächste, die noch schlimmer wird.
sinkende Löhne und sinkende Nachfrage kann auch schlecht zu Inflation führen.
Zusammen mit sinkenden Energie-, und Spritpreisen und den von der EZB gesenktem Leitzins haben wir eher Deflation.
Ob die Inflation kommt werden wir erst nach der Krise sehen.
Die Zahl der bislang unbekannte Warner vor der Finanzkrise ist mitTrichet um einen größer. Vielleicht sollte man mal ein "Denkmal des unbekannten Warners" aufstellen.
Wenn nun auf die nicht gehört wurde, kann es daran lieen, dass sie nichts zu sagen haben, oder dass die Warnungen nur gemurmelt wurden. Dazu die Gebetsmühle der Preisstabilität der vergangenen Jahre... : selbst wenn die von so vielen unbemekrt stattgefunden hätte, ist das wohl keine Garantie auf die Zukunft.
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