Von Von Birgit Lutz-Temsch

Nur etwa die Hälfte aller Absolventen findet überhaupt eine Stelle, und die ist schlecht bezahlt.

Tina ist 31, hat seit zweieinhalb Jahren ihr Studium beendet und arbeitet in einem Architekturbüro. "Architektur ist Raumkunst", sagt sie. "Wer diesen Beruf wählt, will kreativ sein, will die bauliche Situation verändern, die sich in Stadt und Land bietet. Mittlerweile habe ich aber oft richtige Frustphasen, weil man so wenig verdient."

Ein Mann vom Fach misst nach, ob die Münchner HighLight Tower von der Höhe her passen. (© Foto: ddp)

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So wie Tina geht es vielen angehenden Architekten, und dabei gehört sie noch zu den Glücklichen, die überhaupt einen Arbeitsplatz gefunden haben. Elf Semester verbringen die Studierenden durchschnittlich an Fachhochschulen und Universitäten, und wenn sie danach eine Anstellung finden, verdienen sie um die 2000 Euro brutto, hohe Steigerungsraten sind nicht zu erwarten.

Nicht umsonst ist, laut einer Umfrage der European Business School, der Wille zur Selbstständigkeit in dieser Fachrichtung besonders stark ausgeprägt: 37 Prozent wollen fünf Jahre nach ihrem Studien-Abschluss auf eigenen Beinen stehen.

Der schnelle Einstieg in den Beruf ist wichtig: Tina wird sich in einem halben Jahr bei der Bayerischen Architektenkammer eintragen und erst dann den Titel Architekt führen können - denn die Voraussetzung hierfür sind drei Jahre Berufserfahrung.

Viele Absolventen kommen gar nicht so weit, weil sie nach ihrem Abschluss keine Arbeit finden. Die ohnehin dünn gesäten privaten Aufträge werden immer weniger, und auch die öffentlichen gehen drastisch zurück - zwischen 40 und 50 Prozent der Diplomierten finden deshalb keine dauerhafte Beschäftigung, lauten Schätzungen.

In den Statistiken der Arbeitsämter werden alle gemeinsam erfasst, egal ob in der Architektenkammer eingetragen oder nicht. Sie belegen, wie schwierig die Situation geworden ist: Seit 1995 ist die Zahl der als arbeitslos Gemeldeten bundesweit von 2500 auf mehr als 9000 gestiegen, dem gegenüber standen 2003 nur 1162 gemeldete offene Stellen - und jedes Jahr kommen noch mehr als 6000 Studienabgänger hinzu, die auf den Arbeitsmarkt drängen.

In München ist die Lage in der Branche noch dramatischer: Seit 2000 hat sich die Arbeitslosen-Zahl fast verdoppelt - von 234 auf 455 (jeweils im Juli). Offene Stellen gibt es so gut wie keine: 2000 waren es noch ganze neun, heuer sind es weniger als drei, weswegen die Zahl aus Datenschutzgründen gar nicht mehr angegeben wird.

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