Versicherung Teure Liebe zum Tier

Aua! Die Behandlung der Schmusekatze kann ins Geld gehen.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Werden Hund oder Katze krank, ist das oft richtig teuer für den Halter. Versicherungen bieten hier zwar Schutz - sie sind aber trotzdem umstritten.

Von Anna Gentrup, Köln

Schwarz-braun-weißes Fell und ein treuer Blick. Einen Berner Sennenhund möchte sich eine Frau zulegen, die in einem Haustierforum Rat sucht: Braucht das Tier eine Krankenversicherung? Schließlich sind Behandlungen teuer, und sie stottert noch die Operationskosten eines früheren Hundes ab. Die Reaktionen im Forum reichen von "unbedingt" bis "völlig unnötig".

Rund 13 Millionen Katzen und acht Millionen Hunde leben in Deutschland. Ob Hund, Kaninchen, Vogel oder Fisch - fast jeder zweite Haushalt hält ein Haustier, hat der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands ausgerechnet. Ein Tier ist schnell angeschafft. Der Mischlingswelpe ist im Internet für rund 300 Euro zu haben, die junge Katze kostet oft nur 50 Euro. Auch werden Tiere verschenkt.

Wer sich ein Haustier zulegt, sollte nicht nur an Anschaffungs- und Futterkosten denken. Vor allem Tierarztbehandlungen gehen ins Geld. Die Operation einer entzündeten Gebärmutter, eine häufige Erkrankung bei Hündinnen, denen nicht die Eierstöcke entfernt wurden, kostet rund 2000 Euro. Infiziert sich der Familienhund beim Schluck aus einer Pfütze mit Leptospiren, kostet die Behandlung unter Umständen mehr als 4000 Euro.

Nur wenige Halter haben eine Krankenversicherung fürs Tier

Tierkrankenversicherungen übernehmen solche Kosten. In Deutschland sind jedoch nur weniger als fünf Prozent der Herrchen von Hunden und Katzen gegen Krankheit versichert. Es gibt Vollversicherungen und solche, die nur für Operationskosten leisten - aber nicht für die Behandlung von Infektionen oder chronischen Krankheiten. Entsprechend günstiger ist die Prämie. Beim Versicherer Agila etwa kostet der Tierkrankenschutz für einen einjährigen Labrador im günstigsten Tarif ab 37,90 Euro im Monat. Die Basis-Operationskostenversicherung kostet für diesen Hund ab 14,90 Euro im Monat.

Da kommt im Laufe eines Labrador-Lebens von rund 12 Jahren einiges an Versicherungsbeiträgen zusammen. Je nach Tarif belaufen sich die Kosten auf 2145 oder 5457 Euro. Gerade für Geringverdiener ist das oft ein Problem. Franziska Obert von der Agila hält dagegen: "Menschen mit geringem Einkommen können mit einem geringen, monatlichen Beitrag besser kalkulieren und sich das eher leisten als eine plötzliche hohe Tierarztrechnung", sagt sie. Im Notfall seien sonst Opfer nötig, erklärt sie. "Sind sie bereit, auf den Sommerurlaub zu verzichten, weil die Operation des Familienhundes 3000 Euro kostet?"

Verbraucherschützer halten dagegen wenig von Tierkrankenversicherungen. "Wir raten Tierbesitzern, zuerst die Risiken abzusichern, die sie in den finanziellen Ruin treiben könnten", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Statt eine Versicherung für ihre Tiere abzuschließen, sollten Tierhalter wie andere auch eine ausreichend hohe Reserve für Notfälle ansparen, rät sie. "Das müssten allerdings schon einige Tausend Euro sein."

Herrchen und Frauchen geben das Geld oft falsch aus

Tierärztin Astrid Behr sieht den Spar-Tipp der Verbraucherschützerin kritisch. "Das macht erfahrungsgemäß kaum jemand", moniert die Sprecherin des Bundesverbands praktizierender Tierärzte. "Sehr disziplinierte Menschen sparen vielleicht, viele andere nicht und die stehen im Fall einer Operation dann vor Problemen." Wer über genügend Geld verfüge, müsse sich nicht sorgen, doch das sei nicht der Normalfall. Behr rät daher, frühzeitig eine Versicherung abzuschließen - solange das Tier jung und gesund ist und die Prämie günstiger. "Es ist nicht nachvollziehbar, warum in Deutschland nur rund ein Prozent der Tiere krankenversichert sind", sagt sie. In Ländern wie Großbritannien oder Schweden liege der Wert bei über 30 Prozent.

Oft investierten Tierbesitzer an der falschen Stelle, etwa in Tierspielzeug und Leckerli, beobachtet die Tierärztin. "Dafür wird Geld ausgegeben, aber nicht, wenn es um die Tiergesundheit geht." Eine Tierkrankenversicherung sei auch eine Form von Tierschutz. "Häufig kommen Tiere in einem schlimmen Zustand zu uns, weil die Besitzer keine Versicherung haben und wegen der Kosten zu lange den Weg zum Tierarzt scheuen", sagt Behr.

Einig sind sich Tierärzte und Verbraucherschützer bei einer anderen Police: die Tierhaftpflichtversicherung ist unabdingbar. "Die braucht selbst der kleine Rehpinscher", sagt Boss vom BdV. Die Police zahlt Schäden, die das Tier anderen Personen oder ihrem Eigentum zufügt. Zerkratzt der Hund das Sofa des Nachbarn, ist das ärgerlich. Bedrohlich teuer wird es, wenn das Tier auf die Straße rennt und einen Verkehrsunfall verursacht. Dann haftet der Besitzer für alle Folgeschäden, unter Umständen gehört dazu eine lebenslange Rentenzahlung, wenn das Opfer fortan berufsunfähig ist. In einigen Bundesländern, etwa Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein und Thüringen, sind die Policen für Hundehalter Pflicht. Für Katzen und andere Kleintiere brauchen Besitzer hingegen keine spezielle Versicherung. Die Tiere sind über die private Haftpflichtversicherung des Besitzers abgesichert. Zu dieser Absicherung raten Verbraucherschützer jedem.

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