Die Bauteilaktivierung ist keine neue Idee. Bereits 1938 gab es Deckenkonstruktionen, die zum Heizen und Kühlen genutzt wurden. Der Markteinführung folgte aber schnell die Ernüchterung. Unzureichender Wärmeschutz und mangelhafte Regelungstechnik verursachten in der Praxis unbefriedigende Ergebnisse. Erst zu Beginn der neunziger Jahre wurden diese Probleme bewältigt. Die ersten Gebäude mit moderner Bauteilaktivierung entstanden in der Schweiz.
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Im Jahr 2001 gab es in Deutschland etwa 60 Gebäude, die mit dieser Technologie ausgestattet waren. Mit dem Durchbruch des Niedrigenergiehaus-Standards konnten sich thermoaktive Bauteilsysteme mehr und mehr durchsetzen. "Nur mit einer entsprechenden Wärmedämmung ist ihr Einsatz sinnvoll", sagt Claudius Reiser, Mitarbeiter im Competence Center Nachhaltiges Bauen der Ebert-Ingenieure München. Das Unternehmen hat bereits mehrere Gebäude mit integrierter Bauteilaktivierung geplant.
Die Fassade macht viel aus
Eine zentrale Erfahrung dabei: Im Vorfeld bedarf es einer dynamischen Simulation. Der Computer rechnet bis ins Detail durch, wie das System wirken wird. Mit Hilfe der Daten können die Planer frühzeitig entscheidende Weichen stellen. Neben der Lüftung spielt dabei auch die Fassadengestaltung eine entscheidende Rolle. "Hochwirksamer Sonnenschutz und ein reduzierter Verglasungsanteil sind üblicherweise Voraussetzung", sagt Reiser. "Auch auf abgehängte Decken muss verzichtet werden, damit die Betonspeichermasse ungehindert in den Raum abstrahlen kann."
Ein Modellprojekt mit Bauteilaktivierung hat Ebert-Ingenieure vor knapp vier Jahren mit dem Neubau der Berufsschule Biberach verwirklicht: Der Jahresheizwärmebedarf des kompakten und gut gedämmten Gebäudes liegt bei etwa 37 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Bei einem Niedrigenergiehaus dürfen es bis zu 70 Kilowattstunden sein. Die wissenschaftliche Begleitforschung leistete die Hochschule Biberach.
Um die nötige Temperatur für das Heizwasser der thermoaktiven Bauteilsysteme im Winter zu erreichen, wurde in der Berufsschule eine Kombianlage installiert: Die nötige Versorgung decken zwei Wärmepumpen, bei niedrigen Temperaturen hilft ein Holzpelletkessel.
Als Wärmequelle für die Pumpen dient Grundwasser, das am Standort in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Im Sommer ist das Grundwasser die alleinige Quelle für die direkte Kühlung.
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(SZ vom 02. 04. 2008)
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Die beschriebenen Effekte sind einfacher und kostengünstiger nicht nur in Bürogebäuden realisierbar, was aber die Baulobby nur ungern eingestehen wird.
Allein die Kombination aus ausreichend speicherfähigen Wänden und Decken und einer Strahlungsheizung auf den Wänden bringt mehr als die im Artikel so hoch gelobte Bauweise.
Die Bauhaus-Epigonen unter den Architekten mit ihrem Beton-Fetischismus fühlen sich dadurch sicher beschnitten. Doch was macht's?