Teures Heizöl Nur das Nötigste für den Winter

Die Tanks sind leer, viele Verbraucher müssen trotz der hohen Preise Brenntstoff kaufen. Experten empfehlen kleine Vorräte.

Von Katharina Ziegler

300 Liter pro Minute strömen aus dem Tankwagen von Dieter Zeller in den Heizöltank im Keller des Hauses an der Grünwalder Straße. Nach etwas mehr als 20 Minuten ist alles vorbei. Nicht dass der Tank jetzt voll wäre, der fasst 36.000 Liter, doch nach 7000 Litern ist Schluss. Einmal volltanken - das wäre viel zu teuer.

"Die Preise sind eine Katastrophe. Aber wir mussten jetzt tanken, sonst sind wir im Winter ohne Heizöl und was ist dann?", sagt Maria Pvoljnjak. Seit 23 Jahren ist sie die Hausmeisterin, an ähnlich hohe Ölpreise aber könne sie sich nicht erinnern. Wolfgang Hieber, der im Haus wohnt, sagt: "Was bleibt uns denn anderes übrig? Wir müssen die Preise einfach in Kauf nehmen."

57 Cent kostet der Liter Heizöl derzeit beim Mineralölhändler Esso Montana für eine Liefermenge bis 5000 Liter. "Das sind nur vier Cent weniger als der höchste Wert der vergangenen Wochen", sagt Einkaufsleiter Walter Tobien.

Grund für die hohen Ölpreise der vergangenen 18 Monate sei vor allem die gestiegene Nachfrage der asiatischen Länder. Dazu kämen Einzelereignisse wie der Irak-Krieg oder der Hurrikan Katrina. Weil nach den Schulferien die Nachfrage der Verbraucher weiter steigen wird, "werden sich die Preise wohl vorerst auf diesem Niveau einpendeln".

Viele Verbraucher hätten sich im ersten Halbjahr zurückgehalten, sagt auch Gerhard Kellerer, Geschäftsführer des Mineralölhandels Bronberger & Kessler: "Eigentlich kaufen die meisten Kunden ihr Heizöl im Frühjahr", spätestens jetzt aber, zum Herbstbeginn, müssten viele in den saueren Apfel beißen. "Die Tankstände sind so niedrig wie schon lange nicht mehr", sagt Stefan Koburger, Geschäftsführer der Esso Montana: "Die Leute haben gewartet und gewartet, ob der Ölpreis nicht irgendwann doch fällt."

Aber er fiel nicht, und wann sich die Lage auf dem Ölmarkt entspannt, steht in den Sternen. Nach Meinung von Uwe Klemm, dem Geschäftsführer des Bayerischen Brennstoff- und Mineralölhandel-Verbands, wird der Rohölpreis wohl "weder kurz- noch mittelfristig fallen. Die Veränderungen bewegen sich hier im Cent-Bereich."

Eine Möglichkeit, Energie zu sparen, sei es, alte Heizungen zu modernisieren und auf moderne Ölbrennwerttechnik mit schwefelarmem Heizöl umzustellen, sagt Klemm. Und empfiehlt dann, als Vertreter des Mineralölhandels, die alte Heizung mit einer Solaranlage aufzurüsten.

Markus Saller, Jurist bei der Münchner Verbraucherzentrale, sagt, seriöserweise könne wohl niemand eine Prognose zur weiteren Entwicklung der Ölpreise wagen. Und: "Verbraucherrechtlich sind die hohen Preise nicht zu beanstanden. Das wäre nur der Fall, wenn man den Mineralölkonzernen Preisabsprachen nachweisen könnte - und das ist einfach sehr, sehr schwierig."

Die Verbraucher leiden, doch auch die Händler hätten nichts von den hohen Ölpreisen, sagt Koburger. "Wir können die Preise ja nicht beeinflussen." Verdienen würden daran in erster Linie die Förderstaaten, "unser Gewinnanteil erhöht sich dadurch nicht. Ganz im Gegenteil verdienen wir prozentual sogar weniger." Auch das Risiko, dass Kunden die erhöhten Heizöl-Kosten überhaupt nicht mehr bezahlen könnten, sei gestiegen, sagt Koburger.

Trotz der angespannten Lage rät er zu qualitativ hochwertigem Heizöl, "das zwar zwei Cent teurer ist", mit dem der Verbraucher aber bis zu zehn Prozent sparen könne. Es ist mit Zusatzstoffen versetzt, die für eine bessere und sauberere Verbrennung sorgen: "Dieses bessere Heizöl rechnet sich durch seine Sparsamkeit vor allem bei hohen Preisen", sagt Mineralölhändler Koburger.

Von Premium-Öl ist in der Grünwalder Straße keine Rede. Hausmeisterin Maria Pvoljnjak hofft nur eines: "dass die 7000 Liter über den Winter bis Pfingsten reichen - und dass das Öl dann doch wieder etwas billiger ist".