Von Silvia Liebrich

Der größte Öllieferant Saudi-Arabien will auf Drängen der USA und der Vereinten Nationen seine Förderung deutlich ausweiten. Bei einem Ölgipfel in Dschidda sollen auch andere Produzenten dazu bewegt werden, ihre Quoten aufzustocken. Gemeinsames Ziel: Der Preisauftrieb soll gestoppt werden.

Der Ölpreis erreichte am Montag ungeachtet der Zusage ein neues Rekordhoch von etwa 140 Dollar pro Barrel (159 Liter).

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Fässerweise Öl: Der Preis je Barrel steigt und steigt. (© Foto: dpa)

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Die Aussicht, dass Saudi-Arabien im Juli 200.000 Fass Öl zusätzlich pro Tag fördern wird, beruhigte die überhitzten Gemüter an den Rohstoffmärkten zum Wochenauftakt nicht. Der Ölminister Saudi-Arabiens, Ali al-Naimi, hatte die Ausweitung zuvor in einem Gespräch mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, angekündigt. Damit weitet der wichtigste Ölexporteur der Welt bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Quote aus. Bereits im Mai hatte das Königreich sie um 300.000 Fass pro Tag angehoben. Dies geschah vor allem auf Druck der USA. Das Land ist mit Abstand der größte Verbraucher und ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens.

In vielen Industrieländern wird befürchtet, dass die angekündigte Ausweitung der Förderung, die einem Plus von etwa zwei Prozent entspricht, bei weitem nicht ausreicht, um die rasant wachsende Nachfrage der aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien auf lange Sicht zu befriedigen. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem bevorstehenden Ölgipfel, zu dem Saudi-Arabien Vertreter von Förderländern und Ölkonzernen eingeladen hat. Teilnehmen werden auch große Abnehmerländer wie die USA, China und Japan. Deutschland wird vertreten durch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU).

Verzicht auf Gewinne

Beobachter bezweifeln allerdings, dass andere Lieferanten wie Iran oder Russland ohne weiteres auf die Forderung der Industrieländer eingehen werden. Denn dadurch würde das Angebot steigen und der Preis sinken. Für die Produzenten würde dies ein Verzicht auf Gewinne bedeuten. Kein Branchenkenner geht davon aus, dass die Ölnachfrage in den nächsten Jahren deutlich sinken wird. So hält etwa der renommierte US-Rohstoffexperte Jim Rogers zwar kurzfristig einen Preisrutsch um bis zu 50 Prozent für möglich. Auf lange Sicht geht aber auch er von steigenden Preisen aus. Russland, der zweitgrößte Produzent der Welt, machte vor einigen Wochen deutlich, dass das Land weder in der Lage noch willens sei, mehr zu fördern.

Nach Ansicht der Finanzminister der sieben größten Industriestaaten und Russlands (G8) stellen die hohen Ölpreise zusammen mit den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen eine ernste Bedrohung für die Weltwirtschaft dar. Sie könnten zu einem höheren Inflationsdruck führen. In Europa bewirkte das teure Öl im Mai den höchsten Anstieg der Verbraucherpreise seit Bestehen der Europäischen Union. Das Statistikamt Eurostat bezifferte das Plus am Montag auf 3,7 Prozent. Deutschland lag im Mai mit einer Teuerungsrate von 3,1 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

In den Vereinigten Staaten belastet der hohe Ölpreis die Wirtschaft bereits spürbar. In Europa dämpft der starke Euro bislang die negativen Auswirkungen des Anstiegs. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) korrigierte am Montag seine Konjunkturprognose für Deutschland sogar nach oben. Die Forscher gehen nun für 2008 von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 2,3 Prozent.

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(SZ vom 17.06.2008/mel)